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Formel 1 / Analyse

Monza Trainings-Analyse: Mercedes schockt Ferrari mit Longrun-Pace

Der Freitag in Monza war fest in Händen von Hamilton und Bottas. Ferrari hielt sich bedeckt, Red Bull setzt aggressiv auf Rennpace. Die Trainings-Analyse.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Gegen das Mercedes-Duo war beim Trainingsauftakt für den Großen Preis von Italien 2017 kein Kraut gewachsen. Nicht nur, dass Lewis Hamilton und Valtteri Bottas am Freitag in beiden Sessions die Bestzeiten markierten - die Silberpfeile waren in Sachen Rennpace nahezu verstörend dominant. Sebastian Vettel und seine Ferrari-Truppe scheinen beim Heimspiel des Teams was die Rennpace angeht bisher außer Reichweite. Die Außenseiter von Red Bull setzen nach ihrem Strafenhagel alles auf eine Karte.

"Wir haben auf dem richtigen Fuß losgelegt", konstatiert Valtteri Bottas nach dem ersten Trainingstag auf dem Autodromo Nazionale Monza. Der Mercedes-Pilot hat leicht reden, denn neben der absoluten Bestzeit am Freitag war der Finne auch bei den Longruns in einer bestechenden Form. Sowohl auf dem Soft- als auch auf dem Supersoft-Reifen markierte er die Bestzeit. "Insgesamt war es ein positiver Tag. Das Auto sieht stark aus", fügt Bottas an.

Wie stark der F1 W08 in Monza aufgelegt ist, dürfte vor allem Ferrari die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Auf Soft und auf Supersoft war Bottas im Durchschnitt jeweils deutlich schneller als die Piloten der Scuderia. "Es war kein leichter Tag. Aus welchem Grund auch immer war es schwierig, zu fahren und das Auto dahin zu bringen, wo wir es haben wollten", lautet das Fazit von Kimi Räikkönen. Der Iceman kümmerte sich bei den Italienern um die Rennpace auf Pirellis Supersoft-Pneu.

Longruns auf Supersoft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Valtteri Bottas 1:24,763 Minuten 14 FP2
Lewis Hamilton 1:24,975 Minuten + 0,212 Sekunden 15 FP2
Kimi Räikkönen 1:25,681 Minuten + 0,918 Sekunden 22 FP2
Max Verstappen 1:25,894 Minuten + 1,131 Sekunden 17 FP2
Daniel Ricciardo 1:25,948 Minuten + 1,186 Sekunden 18 FP1

Ferrari lässt es in Monza ruhig angehen

Räikkönen verlor bei einer durchschnittlichen Rundenzeit von 1:25,681 Minuten allerdings 0,918 Sekunden auf Bottas Bestwert. Seine Reifen waren mit 22 Runden ganze acht Umläufe älter als die von Bottas. Vettel lag bei seinem Longrun auf der Soft-Mischung mit einem Mittelwert von 1:25.672 Minuten zwar auf Räikkönens Niveau, verlor auf Bottas' Schnitt von 1:24.668 Minuten aber ziemlich genau eine Sekunde. Mit 25 Runden waren seine Pneus ganze 14 Runden älter als die von Spitzenreiter Bottas.

"Das Auto war ein bisschen durchwachsen und zum Schluss war etwas viel Verkehr auf der Strecke", war der WM-Führende mit seinem Longrun nicht vollends zufrieden. Ein so großer Abstand zu den silbernen Erzrivalen lässt sich aber auch für ihn nicht nur durch die Verkehrslage erklären. "Es gibt da ein paar Dinge, die wir noch besser machen müssen", sieht auch Vettel beim SF70-H noch Luft nach oben.

Etwas unter dem Radar lag Hamilton, der die Rennpace ausschließlich auf Supersoft erprobte und dabei 0,212 Sekunden hinter Bottas blieb. "Beide Fahrer sahen auf längeren und kürzeren Runs ziemlich wettbewerbsfähig aus", zeigt sich Mercedes-Technikdirektor James Allison zufrieden. Hamilton traut dem Braten allerdings noch nicht: "Ich erwarte, dass es ähnlich wie beim letzten Rennen aussehen wird."

Beim letzten Rennen in Spa-Francorchamps war Mercedes im Qualifying vor Ferrari. Im Rennen konnten sich die Silberpfeile ihren Power-Vorteil auf der als Mercedes-Strecke geltenden Ardennenachterbahn aber nicht so richtig ausspielen, denn Vettel folgte Hamilton bis zum Zielstrich wie ein Schatten. Dass Ferrari auch in Monza noch etwas in petto hat, lässt die Gelassenheit Vettels vermuten.

"Ich glaube unser Auto hat uns dieses Jahr schon oft Mut gegeben. Auch wenn heute vielleicht nicht ganz, ideal war. Am Freitag machst du immer, was du für das Beste hältst. Manchmal zeigst du mehr, manchmal weniger", lässt der viermalige Weltmeister durchblicken. Wer am Freitag definitiv schon alles gezeigt hat, war Red Bull. Mit Strafversetzungen in Höhe von 15 respektive 25 Positionen für Max Verstappen und Daniel Ricciardo, konnte sich das Team früh auf ein Trainingsprogramm festlegen.

Longruns auf Soft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Valtteri Bottas 1:24,668 Minuten 11 FP2
Daniel Ricciardo 1:25,652 Minuten + 0,984 Sekunden 13 FP2
Sebastian Vettel 1:25,672 Minuten + 1,004 Sekunden 25 FP2
Max Verstappen 1:25,826 Minuten + 1,157 Sekunden 17 FP2

Red Bull setzt nach Motor-Strafen auf Rennpace

"Im zweiten Training bin ich nur eine einzige Runde mit wenig Sprit an Bord gefahren", erklärt Ricciardo, dessen Red-Bull-Crew sich ansonsten auf die Rennpace konzentrierte. "Danach haben wir uns gar nicht erst drauf fokussiert, das Auto neu zu balancieren. Es ging direkt weiter mit Runden, auf denen wir viel Benzin im Tank hatten." Auf Soft-Reifen zeigte er mit 0,984 Sekunden Rückstand auf Bottas die zweitschnellste Longrun-Pace. Auf der Supersoft-Mischung verlor er etwas über eine Sekunde auf den Bestwert.

Verstappen war auf der Soft-Mischung mit 1,157 Sekunden Rückstand auf Bottas zwar etwas langsamer als sein Teamkollege, lag aber immer noch in Schlagdistanz zu Vettel, der nur anderthalb Zehntel schneller war. Auf dem Supersoft war der 19-Jährige besser unterwegs als Ricciardo, jedoch nur eine halbe Zehntel. Insgesamt zeigte sich Red Bull mit den Ergebnissen und der Schlagdistanz zu Ferrari hochzufrieden.

"Mit unseren Rennsimulationen bin ich zufrieden. Ich denke, unter diesen Umständen sind wir wettbewerbsfähig. Wir machen noch ein paar kleinere Änderungen, aber insgesamt ist es okay", lautet Ricciardos Fazit. Sowohl er als auch Verstappen waren auf ihren Longruns auf Reifen unterwegs, deren Alter dem der Spitzenreiter von Mercedes entsprach.


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