Formel 1 - Ferrari vs. Mercedes: Wer hat die Nase vorn?

Letztes Kräftemessen vor der Sommerpause

Mercedes drehte zuletzt nicht nur im Qualifying auf. Doch Ferrari gibt sich nicht geschlagen. In Ungarn kommt es zum letzten Showdown vor der Sommerpause.
von

Motorsport-Magazin.com - In Ungarn findet zwischen Ferrari und Mercedes das letzte Kräftemessen vor der Sommerpause statt. Beide Teams würden gern in der Gewissheit ihre Fabrik für die Ferien schließen, dass sie die Oberhand haben. Doch wer hat momentan wirklich die Nase vorne?

Sebastian Vettel räumt ein, dass Mercedes zuletzt stärker war, nachdem sich beide Teams den Großteil des Jahres auf Augenhöhe befanden. Den Ausschlag gebe das Qualifying, meinte er. "Sie sind in der Lage, da den Motor richtig aufzudrehen. Sie gewinnen auf den Geraden drei bis sechs Zehntel gegenüber uns. In Baku waren es sogar sieben, in Österreich eine halbe Sekunde", zeigte er auf.

"Wir arbeiten daran, aber das passiert nicht über Nacht. Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen. Uns ist der größte Schritt von allen Teams gelungen", betonte Vettel. Das Qualifying zu verbessern habe Priorität, denn von der Pole Position aus verlaufe das Rennen ganz anders. Im Rennen habe Ferrari nach wie vor ein fantastisches Auto. "Es gibt also keinen Grund, in Panik auszubrechen."

Lewis Hamilton zeigte auf, dass Mercedes vor allem in den letzten zwei, drei Rennen Fortschritte gemacht habe. In Silverstone sei die Rennpace von Mercedes zum ersten Mal in dieser Saison deutlich höher gewesen als die von Ferrari. "Sie reisten mit einem Motor-Upgrade an, wir hatten gar keine Upgrades", betonte der Silverstone-Sieger.

Der Saisonstart sei für Mercedes nicht optimal verlaufen, da das Setup des Autos eine Herausforderung gewesen sei. "Ferrari hat den Nagel von Beginn an auf den Kopf getroffen", meinte er. Nun schwinge das Pendel jedoch je nach Strecke hin und her.

Das 'je nach Strecke' ist für Ferrari in Ungarn eine schlechte Nachricht, denn Hamilton hat dort mit fünf Erfolgen eine Siegquote von 50 Prozent. Vettel kommt erst auf einen Sieg und drei weitere Podestplätze. Teamkollege Kimi Räikkönen kann einen Sieg und sechs weitere Podestplätze vorweisen.

Valtteri Bottas bremst jedoch die Erwartungen an Mercedes auf dem Hungaroring. "Wir dürfen uns nicht in den Kopf setzen, dass wir schneller sind", betonte er. "Es ist sehr streckenabhängig. Das ist Fakt. Die letzten zwei Rennen fanden auf Highspeed-Kursen statt. Baku ist speziell und auch das nächste Rennen in Budapest ist ganz anders." Daher sei Mercedes nicht zu zuversichtlich. "Wir wissen, dass es Dinge gibt, die wir verbessern können."

Bottas stritt ab, dass Mercedes sich zu sehr auf die Qualifying-Pace fokussiert. "Wir versuchen, das Auto für beide Tage schnell zu machen", sagte er. "Das geht normalerweise Hand in Hand: Wenn das Auto am Samstag gut ist, sollte es auch am Sonntag gut sein." Bottas räumte jedoch ein, dass Ferrari zu Beginn des Jahres sonntags schneller war und Mercedes in diesem Bereich aufholen musste.

Keine Selbstgefälligkeit bei Mercedes

Bottas glaubt, dass Mercedes bereits in Österreich eine bessere Rennpace hatte als Ferrari. Das haben seiner Ansicht nach die Probleme mit den Reifen verschleiert. Teamchef Toto Wolff spricht gegenüber Motorsport-Magazin.com nur von einem Trend. "Wir müssen die Füße am Boden halten, alles zusammenbekommen und mehr Performance aus dem Auto herausholen. Und den Trend fortsetzen", sagte er.

Wolff bezeichnet den Mercedes W08 bewusst nicht als das schnellste Auto im Feld. "Wenn man das sagt, reist man zum nächsten Rennen und bekommt einen Schlag ins Gesicht", erklärte er. "Ich würde gern sehen, wie das Auto in Budapest funktioniert mit langsamen Kurven, hohen Temperaturen und viel Abtrieb. Dann wissen wir vielleicht mehr."

Wolff versicherte: "Bei Mercedes gibt es keinerlei Selbstgefälligkeit, nur die absolute Entschlossenheit, hier einen guten Job zu machen." Um Punkte mache sich das Team zu einem späteren Zeitpunkt Gedanken.

"Die erste Saisonhälfte verlief für uns gemischt. Uns war vom ersten Test an klar, dass uns ein Kampf mit Ferrari erwarten würde", bilanzierte Wolff. "Wir hatten einen holprigen Start, weil wir nicht das richtige Setup-Fenster fanden, in dem unser Auto funktionierte. Dann hatten wir ein schwaches Wochenende in Monaco. Aber man lernt bekanntlich mehr aus Niederlagen als aus Siegen. Wir nutzten diese Lehren auf die richtige Art und Weise und ab diesem Moment rissen wir das Steuer herum."


Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter