In seiner beherzt geschriebenen Kolumne im Daily Record zeigt David Coulthard, dass man das Floskelmonster auch vertreiben und quasi kolumnistische Nägel mit Köpfen machen kann. Kein Blah-Blah, sondern klare Aussagen zu den aktuellen Themen der Formel 1-Welt und ein wenig mehr.

Als einer der Präsidenten der Fahrergewerkschaft "GPDA" nimmt David Coulthard Stellung zu jener Sicherheits-Diskussion, die seit dem auf dem Nürburgring von einer Reifenunwucht herbeigeführten Aufhängungsbruch am McLaren von Kimi Räikkönen ausgebrochen ist. DC schreibt: "Traurigerweise muss sich erst jemand ernsthaft verletzen, bevor die Regeln geändert werden. Unter den derzeit gültigen Regeln musst du für Qualifying und Rennen den gleichen Reifensatz verwenden - was dazu führt, dass du am Ende des Rennens abgefahrene Reifen hast und jederzeit mit einem Reifenschaden rechnen musst. Das bedeutet, dass die Chance, dass sich jemand verletzen könnte, groß ist."

Coulthard findet es gut, dass der Vorfall von letzter Woche eine Art von Schockwelle in der Formel 1-Welt ausgelöst hat - doch einen "entscheidenden Kick, die Regeln zu ändern oder die Lebensdauer der Reifen entscheidend zu verlängern", könne er "nicht ausmachen". Eine klare und eindeutige Aufforderung an die FIA und an die Reifenfirmen...

"Die Menschen fragen, wieso Kimi nicht an die Box fuhr. Als ein Fahrer denkt man nicht auf diese Weise - vor allem dann nicht, wenn man in Führung liegt und um den Titel kämpft. Ich hätte es genauso getan wie er. Ich wäre draußen geblieben. Du erwartest ja auch keinen Aufhängungsdefekt, wie er bei Kimi vorgefallen ist", erklärt Coulthard jenen Ehrgeiz-V10, der die Protagonisten dieser vom Siegergedanken erfassten Welt antreibt.

DC konnte wegen der Vibrationen sein Pitboard nicht mehr ablesen., Foto: Sutton
DC konnte wegen der Vibrationen sein Pitboard nicht mehr ablesen., Foto: Sutton

Als Beispiel dafür, dass man in der Hitze des Gefechts keine Sicherheitsbedenken hegt, führt sich DC selbst an: "Ich hatte auch ein Reifenproblem. Der Wagen wurde derart durchgeschüttelt, dass ich mein Pitboard nicht mehr ablesen konnte. Und ich stieg mit Kopfschmerzen aus dem Wagen. Auch wenn ich im öffentlichen Verkehr ein vorsichtiger Fahrer bin - wenn ich ein Rennen fahre, vergesse ich die Gefahren. Angst kostet Zeit. Und sehen wir doch den Dingen ins Auge - wenn du Angst hast, brauchst du gar nicht erst Rennsport zu betreiben."

David spricht auch seine Drive Through-Strafe an. Bei einem Rahmen von 1 km/h sei er anstatt der vorgeschriebenen 80 km/h mit 81,2 km/h gemessen worden: "Ich wurde also für eine Übertretung von 0,2 km/h bestraft." Und: "Ich zahle dafür 5250 Dollar - aber ich habe das Glück, dass ich an einem Rennwochenende mehr als das verdiene." Wer glaubt, mit DC würde jetzt quasi der Schotte durchgehen, hat sich getäuscht. Coulthard spricht für seine jungen Fahrerkollegen: "Als ich bei Williams angefangen habe, bekam ich 5000 Dollar pro Rennen. Ich bin mir sicher, dass ein Minardi-Pilot heute auch nicht viel mehr erhalten wird. Ich denke, die Geldstrafen sollten an das Einkommen der Fahrer angepasst werden. Denn ich erhielt eine so hohe Strafe, weil ich Wiederholungstäter bin, wohlgemerkt. Ralf zahlte nur 750 Dollar, weil er kein Wiederholungstäter ist..."

Steiner an DC: Es sind fünf Punkte, nicht vier., Foto: Sutton
Steiner an DC: Es sind fünf Punkte, nicht vier., Foto: Sutton

David spricht gern über das Geld an diesem Sonntag: "Es gab viele Gerüchte über mein Bonus-Gehaltssystem. Es ist wahr. Ich erhalte eine Punkteprämie. Und es wäre großartig gewesen, wenn ich auf dem Nürburgring auf dem Podium gelandet wäre und so einen weiteren Punkt erzielt hätte. Wie auch immer - Technikdirektor Günther Steiner musste mich erst darüber aufklären, dass ich nicht vier, sondern fünf Punkte für den vierten Platz erhalte. Ihr könnt also sicher sein, dass ich im Cockpit in den letzten Runden nicht mit dem Geldzählen begonnen habe."

David Coulthard scheint derzeit auch recht selbstbewusst zu sein - er verspricht zwar keinen WM-Titel, aber er schreibt dafür: "Man hat mich gefragt, ob ich im McLaren ähnlich stark wie Räikkönen fahren würde. Meiner Meinung ist das gar keine Frage. Ich war im letzten Jahr bei McLaren zwar nicht gerade in Topform - ich war aber in der Lage, vor Kimi zu sein. Daher ist es nur fair, wenn man annimmt, dass ich das auch in diesem Jahr sein könnte."

Der Mann, der Red Bull Racing so viele WM-Punkte verleiht, dass man dort überlegt, ihn zu behalten, sagt in punkto Kanada-GP: "Ich bin nicht so ganz optimistisch, ob wir dort ähnlich viele Punkte erzielen können. Aber was ich in der Eifel gelernt habe, ist, dass das Spiel auf der sicheren Seite gute Ergebnisse einbringen kann. Und dass die Saison voller Überraschungen ist. Ihr braucht diesbezüglich nur Kimi zu fragen..."