Formel 1

Vettels Spezial-Qualifying-Taktik geht nicht auf

Sebastian Vettel ärgerte sich nach dem Qualifying in Kanada: Er machte sich in Q3 Stress und wurde nur mit Platz zwei belohnt. Das steckt hinter seiner Taktik:
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Startplatz zwei beim Kanada GP in Montreal war für Sebastian Vettel eine kleine Enttäuschung. "Ich bin mit meinem letzten Versuch nicht ganz zufrieden", konstatierte der Ferrari-Pilot. Schon in Kurve zwei verlor Vettel durch einen kleinen Fehler Zeit, die er im restlichen Verlauf der Runde nicht mehr gut machen konnte. "Deswegen bin ich nicht so zufrieden. Ich glaube, ich hätte noch ein bisschen drauflegen können."

"Ob es dann für Pole gereicht hätte, weiß man nie", musste Vettel zugeben. "So knapp war es am Ende nicht, weil Lewis noch eine schnelle Runde gefahren ist - er war heute besser." Der finale Qualifying-Abschnitt war ein wahrer Krimi, den Ferrari schon im Q2 vorbereitet hatte.

Als einziger Pilot absolvierte Vettel im mittleren Qualifying-Abschnitt nur einen Run. Dabei kam er zu Beginn der Session nicht in den richtigen Rhythmus, musste auf seinen Q2-Reifen nach einem heftigen Quersteher sogar noch eine zweite schnelle Runde anhängen. "Ich war aber nicht beunruhigt, weil ich wusste, dass das Auto gut ist. Es hat sich morgens schon gut angefühlt."

Mit nur einem Outing in Q2 sparte sich Vettel einen frischen Satz Ultrasoft für Q3. Die Rundenzeiten auf dem Circuit Gilles Villeneuve gehören zu den niedrigsten im gesamten Kalender, kurzer Strecke und hohen Geschwindigkeiten sei Dank. Deshalb gehen sich in den finalen zwölf Minuten drei Versuche auf frischen Reifen aus.

Vettel fährt als Einziger drei Runs in Q3

Vettel war der einzige Pilot, der diesen Umstand für sich nutzte. Entsprechend stressig war der letzte Abschnitt für ihn. "Ich habe nicht besonders viel vom Qualifying gesehen", scherzte er später. Als die Ampel auf Grün ging, fuhr Vettel sofort auf die Strecke.

Der erste Versuch war mit 1:12,423 Minuten noch stark ausbaufähig. Hamilton konnte die Zeit in seinem ersten Versuch sofort auf 1:11,791 drücken - deutlicher Rundenrekord. Doch Vettel konnte in seinem zweiten Versuch nachziehen: 1:11,795! 0,004 Sekunden langsamer als der Titelkontrahent im Mercedes.

Dann der finale Showdown: Hamilton legt vor, kann sich noch einmal deutlich steigern, fährt 1:11,459 Minuten. Vettel hat zwischen seinen Runs nur kurz Zeit, um Reifen zu wechseln und etwas Benzin nachzutanken - selbst auf dem kurzen Kurs ist es eng mit drei Versuchen. Als Hamilton seine Runde beendet, beginnt der WM-Führende seine gerade erst.

Doch lange dauert es nicht, dann sind Vettels Pole-Chancen dahin. "Vielleicht war ich es nicht gewohnt, noch einen Schuss zu haben", scherzt Vettel. Im ersten Sektor verliert er zwei Zehntel auf seine eigene Bestzeit, sogar drei auf Hamilton. In Sektor 2 ist Hamilton noch einmal 0,111 Sekunden schneller, in Sektor 3 hat Vettel hauchdünn die Nase vorne. Am Ende fehlen Vettel 0,330 Sekunden auf Pole.

Vettel glaubt an Siegchance

Aufgegeben hat Vettel aber noch lange nicht: "Ich bin ziemlich zuversichtlich, das Auto hat sich gestern schon gut angefühlt und heute haben wir es noch verbessert. Wir müssen uns nicht verstecken, wir haben eine gute Pace im Auto."

Bei der Strategie wird es nicht allzu viel Spielraum geben, der Kanada GP wird unter normalen Umständen ein Einstopp-Rennen werden. Überholen ist mit den neuen Autos schwierig, erst recht wenn die Performance-Unterschiede so gering sind. Doch Vettel hat schon einen Plan, wie er an Hamilton vorbeigehen könnte. "Wenn wir uns die Reifen ein bisschen aufheben und einteilen, können wir etwas ausrichten."

Vettel könnte zwei Möglichkeiten haben: Ein aggressiver Undercut und den zweiten Stint dafür auf Soft absolvieren oder aber länger draußen bleiben als Hamilton und anschließend auf frischen Supersofts den Briten unter Druck setzen. "Ein guter Start würde natürlich auch helfen", fügt Vettel mit einem Zwinkern an.


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