Formel 1 - Vettel fürchtet Qualifying-Monster Mercedes

Im Rennen waren wir schneller

Sebastian Vettel reist als WM-Führender nach China. Als Favorit sieht der Ferrari-Pilot aber weiterhin Mercedes - vor allem im Qualifying.
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Nach Vettel-Sieg: Ist Ferrari reif für den WM-Titel?: (28:24 Min.)

Sebastian Vettels Auftaktsieg beim Australien GP hat die Formel 1 euphorisiert. Erstmals in der Hybrid-Ära führt kein Mercedes-Pilot die Fahrerweltmeisterschaft an. Seit 2014 führten lediglich Lewis Hamilton und Nico Rosberg die WM-Tabelle an. Nun reist Ferrari-Star Vettel als WM-Führender zum zweiten GP des Jahres nach China.

Trotzdem ging es in der Pressekonferenz vor dem Wochenende weiter wie vor dem Saisonauftakt: Niemand will der Favorit sein. "Ich denke, dass Mercedes der Favorit ist", meint Vettel. "Wir hatten ein starkes erstes Rennen, aber wir sehen von Rennen zu Rennen."

"Wenn man sich die letzten drei Jahre ansieht", so Vettel weiter, "hat sich Mercedes als Team sehr stark entwickelt. Sie haben es für andere aus unterschiedlichen Gründen schwer gemacht, sie zu schlagen. Nah zu kommen ist eine Sache, vorbeizuziehen eine andere. Wir haben sie bei einem Rennen geschlagen, aber von der globalen Infrastruktur her sind sie noch immer das Team, das es zu schlagen gilt."

Vettel: Auftakterfolg beste Medizin

Der Stimmung tat der Auftakterfolg aber gut. Vettel war zwischen Melbourne und Shanghai in Maranello. "Der Sieg war die beste Medizin, die man nur verschreiben kann. Da ganze Team ist jetzt noch aufgeregter, jeder versucht die Entwicklung von neuen Teilen noch schneller voranzutreiben. Diverse Projekte werden noch eher vorangetrieben, jeder versucht noch mehr Zeit zu investieren, jeder versucht noch stärker, sein Bestes zu geben."

Siege sind die beste Medizin - Foto: Ferrari

Ferrari hat aus der Vergangenheit gelernt, die gesamte Mannschaft versucht, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben. "Es haben sich intern Dinge getan, die man von außen nicht sieht", weiß Vettel. Tatsächlich hat sich nach dem Abgang von Technik-Chef James Allison nach dem Ungarn GP im vergangenen Jahr von außen betrachtet nicht viel getan. Der ehemalige Motorenchef Mattia Binotto leitet seither das gesamte Technik-Team.

Sonst sind keine größeren Änderungen bekannt. Vettel erklärt: "Es geht um die Struktur, die Art und Weise wie die Leute miteinander arbeiten. Das wiederum führt dazu, dass die Prozesse reibungsloser ablaufen, wodurch unter dem Strich das Auto besser ist - was wir aber noch bestätigen müssen."

Ferrari beim Motor auf Mercedes-Niveau

Der Albert Park ist eine spezielle Strecke mit viel Stop- and Go. Die Charakteristik des Shanghai International Circuit ist komplett anders. "Jede Strecke ist anders, aber wir haben generell einen Schritt nach vorne gemacht", meint der Ferrari-Pilot.

Im vergangenen Jahr musste Ferrari nach Vettels Motorschaden in der Einführungsrunde zum Bahrain GP die Motorleistung drosseln, in diesem Jahr haben die Italiener endgültig zum Klassenprimus Mercedes aufgeschlossen. Das weiß auch Vettel: "Auf Motorenseite müssen wir uns nicht mehr verstecken. Klar hat Mercedes nach wie vor ein sehr starkes Paket, das sieht man vor allem im Qualifying, wo sie noch ein bisschen die Nase vorne haben."

Nach dem Qualifying lag Mercedes noch vor Ferrari - Foto: Sutton

Mercedes kann im Qualifying-Modus die Motoren stärker boosten als die Konkurrenz, im Rennen verfliegt der Motor-Vorteil dann - was Vettel freut: "In Australien lief es zu unseren Gunsten, am Sonntag waren wir sogar einen Tick schneller. Solang es so eng bleibt und man den Unterschied ausmachen kann, ist das schon ein großer Schritt im Vergleich zum letzten Jahr."

Den Unterschied scheint 2017 auch wieder mehr der Fahrer machen zu können. Die Unterschiede zwischen den Teamkollegen sind bisher größer, die Fehlerrate höher. Bei ähnlichem Material könnte der Fahrer entscheidend sein. Vettel genießt die neue Formel 1: "Mit einem schlechten Auto wird man selten um Siege kämpfen, aber er Fahrer hat einen sehr, sehr großen Einfluss, er kann den Unterschied machen. Mit den neuen Autos ist der Fahrer insofern wieder im Vordergrund, als dass die Konstanz wieder wichtig ist, der wahre Speed."

Vettel weiter: "Man kann mehr ans Limit gehen, man kann sich selbst mehr fordern, wo man zuvor darüber nachdenken musste, was die Reifen machen, wie man sich das einteilt. Ein bisschen denken sollte man bei dem, was man tut auch, aber unter dem Strich sollte der Leitsatz bei uns schon sein, dass der schnellste gewinnt."

Vettel isst Glückskeks zum Frühstück

Wer in Shanghai der schnellste sein wird, ist ungewiss. Vettel hat unterschiedliche Erinnerungen an China. 2009 holte er den ersten Sieg überhaupt für Red Bull - der anschließend mit der falschen Nationalhymne belohnt wurde. Mit einem Sieg gehört der Shanghai International Circuit eher zu den weniger erfolgreichen Strecken auf der Vettel-Landkarte.

Doch auf die landestypischen Spezialitäten hat sich der viermalige Weltmeister schon eingeschossen. "Ich habe heute Morgen ein dummes Zitat gelesen: 'Es gibt keinen Aufzug zum Erfolg, man muss die Treppe nehmen.' Das passt. Auch wenn man manchmal sehr gerne den Aufzug nehmen würde, um dahin zu kommen. Aber es wäre auch nur der halbe Spaß." Bei seinem bisher einzigen China-Sieg war Regen übrigens Vettel Aufzug. Das könnte er auch in diesem Jahr sein: Für Freitag und Sonntag ist in Shanghai Regen vorhergesagt.


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