Formel 1

PK: Ein Lokalmatador, ein Tennisspieler und drei weitere Gäste

Fernando Alonso, Juan Pablo Montoya, Christijan Albers, Tiago Monteiro und Felipe Massa waren zu Gast bei der FIA-Pressekonferenz am Donnerstag.
von Michael Noir Trawniczek

Motorsport-Magazin.com - FIA-Pressekonferenz in Montmelo - während im Fahrerlager angeregt über die Verurteilung von B·A·R-Honda diskutiert wird, begeben sich Christijan Albers, Tiago Monteiro, Felipe Massa, Fernando Alonso und Juan Pablo Montoya ins Pressezentrum, um sich dort den Fragen der Journalisten zu stellen.

Albers: Werden nach ein paar Rennen aufrücken...

Christijan Albers - der Niederländer konnte in der letzten Woche weitere Tests mit dem in Imola noch höchst problematischen Minardi PS05 unternehmen - er gibt sich natürlich zuversichtlich, sagt aber auch: "Es wird nicht leicht - aber ich denke, dass wir nach ein paar Rennen ein wenig näher an das Feld aufrücken können." Minardi wird also die rote Laterne so schnell nicht abgeben - von einem Kampf gegen Jordan spricht Albers nicht. Dafür gibt er gerne zu, dass es "schwierig ist, von der Spitze in die letzte Startreihe zurückzukehren" - er spricht damit seinen Wechsel von der DTM in die Königsklasse an. Zwar wäre das Steuern eines Formel 1-Boliden weitaus aufregender, doch in der DTM sei es "leichter gewesen, gegen einen Gegner zu kämpfen". In der Formel 1 hat Albers zurzeit nur einen Gegner - seinen Teamkollegen.

Massa: Coulthard ist ein netter Typ!

Auf seinen Teamkollegen angesprochen wird auch Sauber-Pilot Felipe Massa - Jacques Villeneuve erklärte nach dem Imola-GP, die Set Up-Erstellung falle ihm nun leichter, da er jetzt von den Technikern mehr Abstimmungsfreiräume erhalten würde. Ob auch er, Massa, vor Imola sein Set Up von den Ingenieuren quasi diktiert bekam, fragt man den Brasilianer. Dieser winkt ab - das Auto sei in Imola einfach besser gelaufen und "wenn das Auto konkurrenzfähig ist, ist es auch einfacher, zusammen mit dem Team das Set Up zu erstellen".

Und die Sache mit dem raus gestreckten Mittelfinger - als es in Imola zu Feindberührungen mit dem Red Bull von David Coulthard kam? Massa fühlte sich abgedrängt: "Bevor ich ihn überholt habe, hat er mich in der Rivazza-Kurve gegen den Randstein gedrängt und deshalb wären wir beinahe kollidiert, bei über 300 km/h. Und deshalb war ich verärgert, als ich ihn überholt habe." Und weil damit auch Emotionen verbunden seien, habe er auch den Finger hergezeigt - das tue ihm aber mittlerweile leid: "Ich muss mich da sicher bei David entschuldigen..."

Er habe auch schon mit Coulthard gesprochen - Coulthard habe so getan, als würde er Massa schlagen - da aber beide gelacht haben, wäre das also ein Scherz gewesen. Was Massa am Herzen liegt: "Ich muss dazusagen: Ich bin wirklich offen. Ich habe kein Problem mit irgendeinem anderen Fahrer. Und ich habe kein Problem mit DC, er ist wirklich ein netter Typ..."

Monteiro: Unser Auto ist ein adaptierter Vorjahrswagen!

Ein netter Typ ist auch Tiago Monteiro - für den Portugiesen ist der GP von Spanien ein halber Heim-GP. In seinem Jordan steckt bekanntlich ein Toyota-Motor - man habe gesehen, wie gut ein Toyota-Motor in einem Toyota-Chassis funktioniert - wodurch würde sich das Jordan- vom Toyota-Chassis unterscheiden, wird Monteiro gefragt. Die Antwort ist simpel - der Jordan EJ15 sei nur ein auf das 2005er-Regelwerk adaptierter Vorjahrswagen: "Sicher, mit einigen Anpassungen - aber so etwas ist nie die beste Lösung. Das ist unser Hauptproblem." Und auch die Motorenintegration sei "nicht wirklich angepasst" worden, weshalb man aufgrund der Kühlung an Downforce verlieren würde. Und so hofft Monteiro auf "ein neues Auto im Juli".

Montoya: Es war Tennis!

Juan Pablo Montoya ist wieder da! Natürlich freut er sich - denn es sei "ein seltsames Gefühl gewesen, die beiden Rennen im TV zu sehen". Am Freitagmorgen muss sich der Kolumbianer noch einem Gesundheitscheck stellen - zuvor habe er den Haarriss an seiner Schulter in England untersuchen lassen und dieser würde "allen Belastungen standhalten". Die Gerüchte über seine Verletzung hätten ihn amüsiert, sagt Montoya. Er fügte hinzu: "Es war Tennis. Ich würde gerne sagen können, dass es etwas anderes als Tennis war - denn ein Tennisunfall klingt ja recht blöd. Aber so war es."

Die Zwangspause stellt für Montoya kein Problem dar - vor allem deshalb, weil er sein Comeback auf dem Circuit de Catalunya geben wird: "Ich weiß nicht, wie viele Runden ich hier schon gefahren bin, aber mehr als 1.000, denke ich mal..." Und deshalb wird Montoya eines tun: "Ich werde mich reinsetzen und fahren. Am härtesten wird wohl sein, dass ich im Samstag-Qualifying der erste Wagen auf der Strecke sein werde."

Alonso: Nur die Arbeit zählt...

WM-Leader Fernando Alonso ist der große Held in Spanien - der 23jährige weiß über die immensen Erwartungen seiner Landsleute Bescheid. Er sagt: "Da sind zu viele Menschen, die ihre Emotionen und Erwartungen in dieses Rennen stecken..." Es würde nur einen Weg geben, diese Erwartungen erfüllen zu können - nämlich ein gutes Resultat zu erzielen. Und ein gutes Resultat wäre nur dann möglich, wenn er sich auf das Set Up und die Arbeit mit den Ingenieuren konzentrieren würde.

Einerseits würde Alonso am liebsten "alle 14 Tage einen Spanien-GP fahren - die blauen Fahnen auf den Tribünen motivieren mich" - andererseits muss sich der in England lebende Spanier auch mit den negativen Folgen der "Alonsomania" herumschlagen - die Belagerung des Hotels oder "im Verkehr stehen zu bleiben, weil ein Bus stoppt und die Insassen aussteigen und um Autogramme bitten". Außerdem sei viel zu viel Privates in den spanischen Medien über ihn zu lesen...

Alonso klärt auch ein Missverständnis auf - der Spanier hat im Vorfeld des GP zu den Testbeschränkungen und der Scuderia Ferrari Stellung genommen und auch damit ein Rauschen im Blätterwald ausgelöst - er sagt: "Wir wissen doch alle, dass wir uns mit einem Testlimit einverstanden erklärt haben und dass Ferrari das einzige Team ist, das sich nicht daran hält. Sie dürfen dies tun, weil jeder tun kann was er will - aber ich denke, dass eine solche Vorgehensweise nicht dem Sportsgeist entspricht." Dass Ferrari jedoch "betrügen" würde, habe er so nicht gesagt - das spanische Wort "trampar" würde zugleich auch "unfaires Spielen" bedeuten und so möchte es Alonso auch verstanden wissen.

Apropos "unfaires Spielen": Natürlich haben die Piloten auch zu der Verurteilung von B·A·R-Honda Stellung genommen. Montoya war "überrascht, dass sie betrogen haben". Fernando Alonso tut Jenson Button leid. Für Felipe Massa "gehört auch der Fahrer zum Team, auch wenn er nicht für den Betrug verantwortlich" sei. Und für Tiago Monteiro ist es klar, dass "man bestraft wird, wenn mit dem Auto etwas nicht stimmt".

Am lustigsten war für Montoya eine SMS von Alex Wurz - der Österreicher, der als neuer Dritter in Imola seinen zweiten Podestplatz erzielen konnte, schrieb: "Darf ich mir jetzt den Pokal abholen?"


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