Liebe motorsport-magazin.com Leserinnen und Leser,

Meinen Geburtstag am Freitag habe ich im engen Kreis mit Familie und Freunden gefeiert. Ganz ruhig halt.

Am letzten Wochenende gab es wieder viele Berichte, dass ich in Spa-Francorchamps im Renncockpit sitzen werde, aber ich darf sagen, dass es keine Regelung mit Minardi gibt, dass ich den Grand Prix fahren werde. Natürlich würde ich gerne fahren, am liebsten schon beim nächsten Rennen in Hockenheim, dann in Budapest und dann alle Rennen. Aber so schnell geht das alles nicht.

Für das Minardi-Team war Silverstone sicherlich ein trauriges Wochenende. John Walton, unser Sportdirektor, ist am Freitagabend verstorben und das war für alle nicht einfach. Er war ein ganz wichtiger Mann für die Organisation. Er war ein toller Kerl, freundlich und mit viel Erfahrung in der Formel 1. Für mich war er ganz besonders wichtig, weil er mir viele Tipps gegeben hat. Ich habe fünf, sechs Monate mit ihm zusammengearbeitet und er ist ein guter Freund von mir geworden. Ich sitze jetzt am Flughafen und fliege nach England, da er am Montag beerdigt wird.

Mit meiner Leistung in Silverstone war ich ganz zufrieden. Am Morgen in der ersten Session waren die beiden Stammfahrer etwas schneller, weil ich mehr Benzin an Bord hatte. Am Nachmittag fuhren wir in der gleichen Konfiguration und ich habe nur zwei Zehntel auf Bruni verloren. Auf meiner schnellsten Runde hätte ich seine Zeit schlagen können, aber dann hatte Timo Glock seinen Unfall und Paul Stoddart sagte mir über Funk, dass dort gelbe Flaggen geschwenkt werden. Normalerweise nimmt man Bridge mit Vollgas, aber ich wusste nicht, wo Glock steht und bin ein bisschen vom Gas gegangen. Am Ende hatte ich drei Zehntel in der Passage verloren. Ich wäre damit schneller als Bruni, Pantano und Glock gewesen, aber so ist es nun mal. Aber wer weiß – vielleicht hatten die auch Probleme. Das Team glaubte jedenfalls, dass ich Bridge mit Vollgas genommen habe, aber es hat dann anhand der Daten erkannt, dass das nicht der Fall war. Für das Team war das ein gutes Zeichen.

Der Grand Prix war ziemlich schwer für uns. Zsolt ist ein gutes Rennen gefahren: Er stand am Start hinter Bruni und nach dem ersten Stopp hat er ihn überholt. Dann hatte er leider ein Motorproblem. Es war gut, dass Bruni das Ziel gesehen hat. Er hatte nur ein Problem bei einem Boxenstopp, als ein Mechaniker angefahren wurde. Er hat sich aber nicht ernsthaft verletzt.

Auf der neuen Strecke von Hockenheim bin ich nie gefahren. Ich kenne Hockenheim nur mit den langen Geraden. In den letzten zwei Jahren wurde die Strecke aber verändert, so dass ich eigentlich nur den Anfangs- und Schlussteil kenne. Die Hälfte der Strecke ist mir also unbekannt. Ich glaube aber, dass wir ein gutes Wochenende haben werden, denn Minardi hat gute Fortschritte erzielt, insbesondere was das Setup betrifft. Dort haben wir eine bessere Richtung eingeschlagen und auch schon beim letzten Rennen ausprobiert. Und das hat sich ausgezahlt.

Ende Juli werde ich am 24-Stundenrennen von Spa-Francorchamps teilnehmen. Eigentlich wollte ich absagen, aber ich habe dann noch kurzfristig zugesagt. Ich werde mit der Gillet Vertigo an den Start gehen. Das ist ein kleines Auto – nicht unbedingt für den Sieg gedacht. Aber es ist der einzige belgische Konstrukteur und da Belgien ein kleines Land ist, muss man sich gegenseitig helfen und unterstützen! Ich bin ja der einzige belgische F1 Fahrer und daher werde ich bei dem Rennen mein Bestes geben und versuchen etwas zu reißen.