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"Ob zwei oder vier, gewinnen tun immer nur wir." Dies könnte nach Michael Schumachers 80. GP-Sieg Ross Brawns neues Motto sein.
Erzielt haben die Italiener diesen Erfolg auf der Heimstrecke der britischen Rennställe, auf welcher Michael Schumacher im Vorfeld befürchtet hatte nicht genügend konkurrenzfähig zu sein. Doch auch an diesem Rennwochenende lief es für die Roten von Anfang an hervorragend.
Der Schlüssel zum zehnten Saisonsieg des Deutschen war dabei die Taktik die Pole zugunsten eines schwereren Autos zu opfern und unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Reifencharakteristik eine Zweistoppstrategie zu wählen.
Nur als Kimi Räikkönen zu Rennbeginn förmlich explodierte, musste Ferrari kurzfristig fürchten, dass Michael Schumacher mit seiner von Anfang an geplanten Zweistoppstrategie den Kürzeren ziehen könnte. Der Grund für den Explosionsstart des Finnen waren hierbei seine Michelin-Reifen, welche ihm zu Beginn mehr Grip boten, da sie während der Aufwärmrunde die Temperatur besser in den Laufflächen halten konnten.
Aber wie schon in Kanada als Michael Schumacher von Startplatz sechs aus siegte, konnte Ferrari auch hier wieder optimal die eigene Rennpace und den eigenen Speed ausspielen als die meisten Konkurrenten schon zum Tanken gingen und somit für Schumacher freie Bahn war, was dieser mit teilweise unglaublichen Rundenzeiten ausnutzte.
Somit hätte der sechsfache Weltmeister den Sieg fast schon nach seinem zweiten Stopp feiern können, wenn da nicht diese überraschende Safety-Car-Phase gekommen wäre. Der richtig üble Unfall von Jarno Trulli bescherte dem Rennen somit auf der einen Seite jede Menge Spannung, auf der anderen Seite müssen wir jedoch froh sein, dass dem Italiener nichts Schlimmeres passiert ist.
Kimi Räikkönen konnte diese Situation für seinen dritten Boxenstopp ausnutzen und wenn nicht Cristiano da Matta und Christian Klien beim Restart zwischen ihm und Michael Schumacher gewesen wären, dann hätte der Finne noch eine Attacke reiten können.
In einem von Taktik geprägten und an Überholmanövern sehr armen Rennen hätten wir ein solches Überholmanöver an der Spitze natürlich gerne gesehen. Nichtsdestotrotz ist Michael Schumacher der absolut verdiente Sieger. Aber in der Formel 1 B, was hier einmal nicht für besser steht, spielt nun neben B·A·R, Renault und teilweise Williams auch McLaren Mercedes wieder eine ganz große Rolle.
Denn was insbesondere Kimi Räikkönen und seine silberne Truppe hier geboten haben, verdient für mich das Prädikat Superklasse. Aus dem von Motorschäden sowie achten und zehnten Plätzen geprägten Nirgendwo plötzlich auf Platz zwei zu fahren verdient Respekt.
Wie gut die persönliche Leistung des Finnen an diesem Wochenende war, zeigt dabei das schlechte Abschneiden seines schottischen Teamkollegen David Coulthard, der sich mit dieser Leistung nicht gerade für ein Renncockpit empfehlen konnte.
Kimi Räikkönen ist hingegen ein Typ, der mit dem richtigen siegfähigen Material noch einmal einen Zacken zulegen und einen gewissen Extraspeed abrufen kann. Allerdings verstehe ich nicht ganz, warum man bei McLaren nach einem solch starken Rennen von Kimi so enttäuscht war. Denn ein zweiter Platz ist unter den gegebenen Umständen und dem zurückliegenden "Tiefen Tal der Tränen" unglaublich hoch einzuschätzen und ich halte es nicht für unmöglich, dass dieses Auto in diesem Jahr noch einmal ganz oben auf dem Podest stehen kann. Allerdings nur dann, wenn Ferrari in technische oder anderweitige Probleme kommen sollte...
Sollte dies nicht der Fall sein, dann ist es durchaus möglich, dass Michael Schumacher 17 von 18 Rennen gewinnen kann. Die große Unbekannte bleibt dabei natürlich Shanghai, wo noch niemand gefahren ist. Ansonsten sind die verbleibenden Kurse sicherlich alles Strecken, auf denen Michael Schumacher gewinnen kann, wobei zumindest in Ungarn die Renault noch einmal eine ganz gewichtige Rolle spielen könnten.
Aber der rote Triumphzug ist noch lange nicht zu Ende und wir sind zu diesem Zeitpunkt auf alle Fälle Zeugen einer sporthistorischen roten Superdominanz.
Keine Dominanz aber eine sehr starke Leistung zeigte unterdessen das Sauber Team, welchem man zu seinem neuen hervorragend funktionierenden Rear-Bodywork nur gratulieren kann. Denn neben Schumacher und Räikkönen war Giancarlo Fisichella der dritte Held des Rennens. Schließlich fuhr er bravourös vom 20. Startplatz auf den sechsten Rang nach vorne. Auch das war eine sagenhafte Leistung des Italieners, welcher sich im Gegensatz zu Coulthard hier für ein Top-Team empfehlen konnte.
Erneut enttäuschend war hingegen Williams-BMW, die ebenfalls ein neues Auto haben, aber klar von McLaren überholt wurden. Das neue Kräfteverhältnis der Formel 1 sieht deswegen nach Silverstone wie folgt aus: Ferrari, B·A·R, Renault, McLaren, Williams und Sauber.

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