Liebe motorsport-magazin.com Leserinnen und Leser,
Ja, das war nun meine erste Formel 1 Saison. Und ich muss sagen: Sie ist wirklich sehr positiv verlaufen. Der Kontakt zu Minardi kam erst recht spät, aber dann ging alles sehr schnell und ich durfte das ganze Jahr für Minardi testen, was einfach toll ist!
Es ist schade, dass ich wegen eines Problems mit der Superlizenz nicht in Melbourne fahren durfte, denn ich glaube, dass ich die Chance verdient hätte, in Melbourne zu fahren.
Nichtsdestotrotz gab ich dann meine Formel 1 Premiere in Malaysia und hatte zu Beginn sofort eine neue Strecke zu lernen. Insgesamt ist das schon mal einer der ganz wichtigen und positiven Punkte: Mit Malaysia, Bahrain, Kanada, Indianapolis, Shanghai und Japan habe ich neue Strecken kennen gelernt und bin – bis auf Melbourne – auf allen Rennstrecken des Rennkalenders gefahren.
Nach meinem ganz guten Debüt in Malaysia und Bahrain war ich sehr froh nach Europa zu kommen, weil ich die Strecken hier kenne. Das zahlte sich schon in Imola aus, wo ich sehr stark unterwegs war. Auch Barcelona habe ich in sehr guter Erinnerung. Ich habe dem Team gezeigt, dass ich von Beginn an richtig schnell sein kann.
Negativ war eigentlich das Wochenende auf dem Nürburgring. Die Strecke ist nur unweit von mir entfernt und ich kenne sie sehr gut, aber wir hatten ein Problem mit dem Setup und den Dämpfern. Insgesamt war das Auto ein Problem. Das war mein schwächster Freitag. Wir haben dann alles geändert und ab Kanada lief es richtig gut. Was ich auch feststellte: Nach dem Nürburgring reagierte das Team zum ersten Mal auf mein Feedback und führte meine gewünschten Änderungen durch. Anschließend hat sich das Team die Evolution des Setups immer notiert.
Interessant waren auch die drei Heimrennen der Minardi-Fahrer: Budapest, Spa und Monza. Budapest war das Heimrennen von Zsolt und Monza der Heim-GP von Bruni. In jeweils beiden Trainings habe ich sie jedoch geschlagen und das will schon etwas heißen! In meinem Heimrennen war ich im ersten freien Training der schnellere und im zweiten gab es leider ein Problem an meinem Auto. Ganz toll war aber, dass sehr viele Fans am Freitag zur Strecke gekommen sind. Es waren am Freitag sogar mehr Leute da als am Samstag. Aber das hing auch damit zusammen, dass es für den Freitag gute Angebote und günstige Tickets gab.
Eine traurige Sache erschütterte dieses Jahr aber auch unser Team: Zwischen den Rennen in Magny-Cours und Silverstone verstarb unser Sportdirektor John Walton. Er war mein erster Fan im Team. John hatte mich immer unterstützt und wurde mein Supporter. Er stand mir stets zur Seite. Der Tod war sehr bitter für mich und natürlich das Team.
Insgesamt habe ich dieses Jahr rund 4000 Kilometer abgespult, was grob gesehen nicht wirklich viel ist. Aber ich habe vom ersten Tag an Fortschritte erzielt. Der Anfang war natürlich nicht so einfach, weil ich nie mit einem F1-Auto gearbeitet habe. Aber nach ein paar Trainings lief es schon viel besser. Mit den wenigen Kilometern habe ich ganz gute Sachen zeigen können.
In Japan bin ich sogar zum ersten Mal mit einem F1-Auto im Regen gefahren – und das dazu in Suzuka, einer sehr schwierigen Strecke, die ich auch nicht vorher kannte. Allgemein fahre ich gerne im Regen und auch da habe ich eine gute Leistung gezeigt und neue Erfahrungen gesammelt.
Was die Formel 1 im Allgemeinen betrifft, so habe ich schon damit gerechnet, dass Michael Schumacher wieder Weltmeister wird. Aber dagegen hätte ich nicht gedacht, dass er so viele Rennen gewinnen würde. Die positive Überraschung waren ganz klar B·A·R und Jenson Button, während McLaren bis auf die letzten drei bis vier Rennen enttäuscht hat. Auch bei Williams gab es viele Up and Downs.
Aber man darf auch nicht nur nach oben schauen, sondern auch Zsolt Baumgartner ist eine gute Saison gefahren. Anfangs hatte er Probleme im Qualifying, doch er verbesserte sich in der Disziplin und wurde auch im Rennen schneller. Jeder dachte vorher, dass er gegenüber Bruni untergehen würde, weil Bruni mehr Talent hat. Vielleicht stimmt das ja, aber Zsolt hat einen großen Schritt nach vorne erzielt und hat natürlich den Punkt in Indianapolis geholt. Es gilt ja: Wer Punkte holen möchte, muss zuerst die Rennen beenden. Und das hat Zsolt geschafft. Bei Bruni war das öfters ein Problem.
Meine Zukunft ist derweil noch nicht entschieden. Wenn ich ein Budget habe, dann fahre ich 2005 für Minardi. Aber es ist nicht leicht dieses Budget zu finden und wenn andere Fahrer das nötige Geld aufbringen, dann fahren die. Ich habe aber auch andere Möglichkeiten und rede mit einigen Teams. Aber es gibt im Moment noch einige Dinge, die unklar sind, etwa wie oft nächstes Jahr getestet wird oder ob am Freitag wieder ein dritter Fahrer eingesetzt werden darf. Auch die Zukunft von Jaguar ist noch nicht geklärt.
Mit Midland F1 und Dubai F1 wollen 2006 zwei neue Teams antreten, aber was die betrifft, so will ich erst mal abwarten. Das haben schon andere Teams versucht und hatten im Endeffekt kein Geld. Ich denke, dass beide Projekte seriös sind, aber man muss mal abwarten und schauen, ob sie tatsächlich 2006 am Start sein werden.
Für mich hat die Formel 1 auf jeden Fall ganz klare Priorität. Wenn es hier nicht klappen sollte, dann schaue ich mich nach anderen Serien um, aber vorher nicht. Es ist schwierig in die F1 zu kommen, aber noch schwieriger drin zu bleiben. Doch ich werde all meine Energie da rein stecken und versuchen ein Cockpit für 2005 zu bekommen!
Im Allgemeinen habe ich mich sehr gefreut dieses Jahr Kolumnen für motorsport-magazin.com geschrieben zu haben und werde Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch in Zukunft über mich auf dem Laufenden halten.

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