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Der Brasilien Grand Prix erlebte einen versöhnlichen Abschluss, auch wenn natürlich die Hoffnungen der Massen auf einen Heimsieg von Rubens Barrichello nicht erfüllt wurden. Immerhin konnte der ebenfalls aus Südamerika stammende Kolumbianer Juan Pablo Montoya die Partylaune erhalten.
Vor 60.000 Zuschauern und vielen unglaublich schönen Frauen erlebten wir in Südamerika vor allem in der Anfangsphase des Rennens einen Knaller-Grand Prix. Allerdings nur, weil wieder einmal äußere Faktoren maßgeblichen Einfluss auf den Rennverlauf nahmen.
So bevorzugten die leichten Regenfälle die Michelin-Pneus, weswegen Rubens Barrichello den Grand Prix allein aufgrund der Regenintensität im ersten Teil des Rennens verlor. Der Grund dafür war, dass die Michelin-Reifen von Montoya und Räikkönen in dieser Phase mehr Grip aufbauen konnten, als die japanischen Gummis des Ferrari-Stars.
Barrichello verlor somit zu viel Zeit und war dann im Verlaufe des Rennens nicht mehr dazu in der Lage diesen Rückstand aufzuholen. Das Duell der nächstjährigen Teamkollegen zwischen Räikkönen und Montoya gestaltete sich derweil beinhart.
Bemerkenswert an diesem tollen Schlagabtausch des kühlen Finnen mit dem heißblütigen Kolumbianer war auch die Arbeit der Teams in der Boxengasse, wo die entscheidenden Überholmanöver stattfanden. Der geniale Schachzug der Silbernen Kimi im mittleren Rennabschnitt mit mehr Benzin fahren zu lassen wäre dabei fast aufgegangen – aber wieder einmal – wie schon in China – nur fast.
Deswegen war Kimi Räikkönen am Ende wieder nur Zweiter, wobei es fast schon erstaunlich ist wie viele zweite Plätze der Finne einfährt. Es hat hier im Vorjahr fast gereicht und in diesem Jahr erneut nur fast gereicht. In Malaysia 2003 und Belgien 2004 hat es hingegen geklappt. Räikkönen steht zweifelsohne vor dem ganz großen Sprung – jedenfalls so lange ihm McLaren Mercedes ein verbessertes Auto hinstellt.
Sollte dies geschehen, dann besitzt Räikkönen allemal das Potenzial aus diesen zweiten Plätzen erste Ränge zu machen und auch Weltmeister zu werden. Deswegen freue ich mich schon jetzt auf das silberne Duell Montoya gegen Räikkönen in der Saison 2005.
Der Kolumbianer hat beim Saisonfinale gezeigt, dass er, wenn er motiviert ist und das Material gestellt bekommt um zu siegen, auch seine Emotionen und seine Unlust im Zaum halten und überragende Rennen fahren kann.
Die enttäuschende CRB-Entscheidung im Fall Jenson Button rundete vor dem Saisonfinale ein desaströses Jahr für BMW-Williams ab, was auch der Sieg von Juan Pablo Montoya, der nicht mehr als einen Tropfen auf einen heißen Stein darstellte, nicht mehr aufwiegen konnte.
Die so genannte Buttongate-Affäre setzte einem verkorksten BMW-Williams Jahr, in welches man mit Titelambitionen gestartet war, somit die Krone auf. Williams hat jetzt ein echtes Problem – ein Fahrerproblem. Denn es gibt derzeit keinen Spitzenfahrer der in einem Spitzencockpit eine Spitzenleistung bringen könnte. Weder Heidfeld noch Pizzonia oder Coulthard sind geeignete Kandidaten, wobei ich den Weiß-Blauen immer zu einem GP-Sieger wie Coulthard an der Seite des schnellen, aber noch sieglosen Mark Webber raten würde.
Insgesamt war der Brasilien Grand Prix durchwachsen, da sich nach dem Abtrocknen der Strecke zu wenig tat. Michael Schumacher steckte im Verkehr, Barrichello fuhr einsam auf Platz drei und dem Rennen hätte sicherlich noch der ein oder andere Regentropfen gut getan. Dennoch war Brasilien einer der spannenderen Grand Prix dieses Formel 1 Jahres 2004.
Die Haupterkenntnis des 18. WM-Laufes ist dabei, dass Ferrari schlagbar ist! So kann man durchaus nach diesem Rennen Hoffnung für die nächsten Jahre schöpfen, dass die rote Maschinerie besiegbar ist – was allen Teams für den Winter jede Menge Auftrieb geben sollte.
Die Politik in Interlagos: V8 Motoren sind Unsinn
Hinter den Kulissen sorgte an diesem Rennwochenende aber auch die F1-Politik wieder einmal für jede Menge Diskussionsstoff und Aufregung.
Zunächst erließ der Motorsportweltverband FIA seine neuen Regeln für die kommenden Jahre, bevor man am Samstag dann auch noch ein neues Qualifying-Format folgen ließ. Daraufhin konterten neun von zehn Teamchefs mit einem weiteren Papier, in welchem sie die lange gehegte Absicht erklärten die Testfahrten einzuschränken.
Die 2,4 Liter V8-Motoren, welche ab der Saison 2006 eingeführt werden sollen, halte ich generell für Unsinn, weswegen ich mich hier gerne der Meinung von BMW, Mercedes und Honda anschließe, die alle strikt gegen eine solche Änderung sind. In die Königsklasse gehören V10 Motoren und 1.000 PS sollten für die besten Artisten der F1Welt beherrschbar sein. Zudem führen neu entwickelte V8 nicht zu einer Kosteneinsparung.
Bei den Reifenregeln kann man unterdessen geteilter Meinung sein, die Beschneidung der Aerodynamik stellt hingegen einen wichtigen und auch richtigen Schritt dar. Der Motorenteil im so genannten Paket Nummer 2 ist und bleibt für mich jedoch Unsinn.
Das Qualifying-Format hätte man ebenfalls noch besser gestalten können. Dennoch stellt die neue Version einen deutlich Schritt in die richtige Richtung dar.
Trotzdem bleibt die Frage bestehen: Warum hat man nicht zumindest am Freitag das alte offene Qualifying-Format mit zwölf Runden wieder eingeführt?
Zusammengefasst wird der Sonntag durch das neue Samstags-/Sonntags-Format allerdings endlich wieder aufgewertet, wobei man insbesondere für die Zuschauer an der Rennstrecke mit einem Qualifying, einer Fahrerparade, einem Rahmenrennen sowie dem eigentlichen Hauptrennen nun wieder jede Menge Action anbieten kann.
Noch bemerkenswerter empfand ich aber, dass sich neun von zehn Teams auf einen Vorschlag zur Testlimitierung verständigen konnten. Denn diese unsäglichen Testfahrten sind für mich der wahre Kostenkiller in der Formel 1.
Deswegen glaube ich nicht, dass die von Max Mosley auserkorenen Regeländerungen sehr viele Kosten sparen werden, aufgrund der Motorenumstellung dürfte sogar das Gegenteil eintreten. Denn der Hauptkostenfaktor ist das immense Reifentestprogramm. Und wenn man hier dazu in der Lage wäre diese Testarbeit auf den GP-Freitag zu verlagern, und da sollen sie ruhig stundenlang testen dürfen, dann könnte man das meiste Geld sparen.
Enttäuscht bin ich allerdings von Ferrari, die sich aufgrund ihrer zwei hauseigenen Teststrecken in Fiorano und Mugello sowie ihrer starken Hausmacht bei der FIA gegen diesen Schritt ausgesprochen haben. Sollte sich Ferrari hier wirklich als einziges Team weigern einer solchen Testreduzierung zuzustimmen, dann haben die Roten in diesem Fall den schwarzen Peter ganz alleine. Aber in dieser Angelegenheit wird in den kommenden Tagen und Wochen sicherlich noch jede Menge Wasser über die Strecke laufen...
Jetzt heißt es erst einmal den letzten Caipirinha auf die Formel 1 Saison 2004 zu trinken und nach 18 Rennen und dem mit Abstand anstrengendsten F1-Jahr aller Zeiten ein bisschen auszuspannen, um dann mit voller Kraft in die Wintertests sowie die Vorbereitung auf die bereits jetzt schon mit Spannung erwartete neue Saison 2005 durchzustarten.

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