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Das Rennwochenende in Japan war schon etwas ganz Besonderes. Ich bin zum ersten Mal in einem F1-Auto mit Extrem-Regenreifen gefahren. Suzuka ist nach Spa-Francorchamps die schönste Rennstrecke, aber auch sehr schwierig. Deshalb war alles nicht so einfach. Zuerst wusste ich gar nicht, wie alles über die Bühne gehen soll, denn es war unglaublich stark am regnen. Wir haben zuerst eine Installationsrunde gedreht und dann hieß es warten. Nach zehn Minuten funkte ich Paul Stoddart und andere Teammitglieder an, ob ich auf die Strecke fahren darf, aber sie sagten "nein". Wir mussten also warten und quasi alle fünf Minuten fragte ich wieder nach. Auf einmal durfte ich dann raus, zumal auch andere Autos auf der Strecke waren.
Leider hatten wir ein Problem mit der Telemetrie, denn ich bin dann zwei am Stück gefahren, aber es wurden keine Daten aufgezeichnet. Dennoch hat es in diesem zwei Runden Spaß gemacht mit den Extrem-Reifen von Bridgestone zu fahren. Danach bin ich vier bis fünf sehr gute Runden mit viel Sprit an Bord gefahren. Das erste Training war also ein großer Erfolg!
Im zweiten Training gab es auch viel Regen, aber ich bin wieder gute Zeiten mit viel Sprit gefahren. Dabei war ich erneut schnellster Minardi-Pilot und das, obwohl meine Teamkollegen schon Erfahrungen im Regen sammeln könnten – unter anderem in Spa und vor der Saison. Im Fahrerbriefing am Abend meinte Olivier Panis zu mir: "Du bist im Regen richtig gut gefahren und hast tolle Zeiten hingelegt. Kompliment!" Ich sagte darauf: "Ja, aber ich hatte auch gute Bridgestone Reifen." Es ist toll, wenn ein so erfahrener Fahrer wie Olivier so etwas sagt. Anschließend sagte noch Hisao Suganuma, das ist der Bridgestone-Experte, zu mir: "Du hast im Regen sehr gute Runden gedreht."
Das freut mich sehr, denn ich habe nicht nur gezeigt, dass ich im Trockenen schnell fahren kann, sondern auch im Regen. Und das wichtigste ist, dass es anderen Leuten auffällt.
Was den Taifun betrifft, so gab es eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass er Suzuka trifft. Die Japaner sagten, dass ein Quali nicht möglich sein wird. Es wurde also alles geschlossen. Für die Formel 1 war das etwas spezielles, denn so etwas ist noch nie passiert. Alle warteten gespannt auf den Taifun, denn nur die wenigsten haben jemals einen gesehen. Zuerst wurde er für neun Uhr erwartet, dann zehn Uhr, elf Uhr und so weiter. Ich hatte mein Hotel übrigens in Yokaichi, rund 40 Minuten von Suzuka, und als ich gegen 16 Uhr wach wurde, schien die Sonne. Da wusste ich nicht: Kommt jetzt der Taifun oder ist er vorbei gezogen. Schließlich ist er im letzten Moment nach rechts gezogen. Wir hätten ihn schon gerne gesehen, aber andererseits waren wir froh, dass er nicht über uns gefegt ist, allein schon wenn man sieht, was in Tokio passiert ist. Denn möglicherweise hätte man in Suzuka gar nicht mehr fahren können.
Im Endeffekt hat das Qualifying und Rennen an einem Tag stattgefunden, was eventuell eine Möglichkeit für die Zukunft sein könnte. Dieses Jahr hatten wir 18 Rennen, nächstes Jahr könnten es 19 sein und da würde ein Tag weniger schon gut tun. Allerdings gibt es ein Problem: Durch die Zwei-Tage-Wochenenden würden wir 18 – 19 Tage verlieren. Im Umkehrschluss könnte das bedeuten, dass wir vier bis fünf Wochenenden mehr fahren könnten.
In Brasilien am kommenden Wochenende werde ich erneut versuchen Minardi so gut wie möglich zu helfen. Ich werde jede Möglichkeit nutzen einen guten Job zu zeigen. Minardi hat mir dieses Jahr die Möglichkeit gegeben als Testfahrer zu arbeiten und darüber bin ich sehr glücklich. Es war für mich die einzige Möglichkeit und ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, denn Minardi ist ein kleines Team mit geringem Budget und nicht so guten Autos. Ich wusste das und habe es akzeptiert. Ich habe probiert zusammen mit dem Team eine gute Vorstellung abzuliefern und ich denke, dass uns das gelungen ist. Vor allem in der zweiten Saisonhälfte habe ich zeigen können, dass ich schnell bin. Für Minardi und die Weiterentwicklung war es auch gut einen dritten Fahrer zu haben. Deshalb möchte ich mich beim ganzen Team bedanken.
Interlagos kenne ich aus der F3000 und Nissan World Series. In der F3000 war ich vorne mit dabei und in der Nissan World Series fuhr ich in beiden Zeittrainings in die erste und zweite Startreihe. Leider hatten wir dann eine schlechte Abstimmung für das Regenrennen.
Wie es nach Brasilien weitergeht, weiß ich noch nicht. Es stehen keine Tests an. Ich würde natürlich gerne 2005 Rennen fahren und hätte die Möglichkeit für Minardi zu fahren. Das wäre gegen Bezahlung. Eine andere Möglichkeit wäre Testfahrer in einem großen Team zu sein. Das wäre schon toll. In der Formel 1 ist alles möglich. Mal abwarten, was die kommenden Wochen bringen werden.
Minardi wird 2005 dabei sein. Paul Stoddart macht alles für ein Melbourne 2005. Vielleicht wird Minardi verkauft, aber das Team ist nächstes Jahr sicher dabei. Doch auch das ist noch mit Vorsicht zu genießen: In der Formel 1 ist alles möglich, sowohl positiv, als auch negativ.

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