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Nach drei sieglosen Rennen hieß es am vergangenen Sonntag in Suzuka wieder: Herzlichen Glückwunsch Michael Schumacher zum 13. Saisonsieg im 17. WM-Lauf.
Ein mehr als nur verdienter neuer Rekord für den Weltmeister, dem niemand auch nur annähernd den Sieg abspenstig machen konnte. Zu dominant war der rote Champion, auch nach einem etwas verrückten und chaotischen Ablauf an diesem Wochenende.
Ferrari zeigte dabei, dass sie auch unter diesen veränderten Umständen und Bedingungen, mit dem Qualifying und dem Rennen an einem Tag, klar am besten zurecht kamen. Dennoch ist der Rückstand der Gegner beängstigend.
Auch wenn Ralf Schumacher ein verdienter und sensationell starker Zweiter geworden ist, muss man nur in die Gesichter der Konkurrenz schauen, um zu erkennen, dass hier selbst im 17. von 18 Rennen der Vorsprung des Ferrari rund eine Sekunde beträgt.
Demzufolge hätte Michael Schumacher in Japan mit zwei oder auch drei Stopps gewinnen können – alles wäre drin gewesen und niemand hätte ihn bezwingen können. Deshalb muss zwangsläufig die Frage gestellt werden: Was haben alle anderen Teams in den vergangenen Monaten seit dem Saisonstart in Melbourne gearbeitet?
Es werden Unsummen an Geldern beim Testen ausgegeben, aber die Ferrari-Rivalen rücken den Italienern keinen Schritt näher. Ferrari ist weiterhin dominant und wird von dieser Dominanz auch zu Beginn des Jahres 2005 zehren können. Denn mit diesem F2004, mit welchem man die ersten vier Rennen der neuen Saison zu bestreiten gedenkt, hat man mehr als nur eine Bank. Das Auto ist zuverlässig, schnell und sicher.
Somit gilt Ferrari für mich schon jetzt als Top-Favorit für 2005. Für alle Schumacher-Fans ist dies natürlich traumhaft, da ihr Idol weitere Heldengeschichten in die Geschichtsbücher wird schreiben können, aber auf der anderen Seite ist es auch fast schon unheimlich.
Wie gut der Ferrari derzeit ist, dokumentieren Rubens Barrichellos Rundenzeiten, dessen Kollision mit David Coulthard passieren kann. Nun wird der Brasilianer aber natürlich alles daran setzen beim Saisonfinale in Interlagos seinen Heim-GP zu gewinnen, was ich nicht für unmöglich halte. Entsprechend ist Rubens Barrichello für mich der Top-Favorit für Sao Paulo.
Der Geheimfavorit für Suzuka war unterdessen der Lokalmatador Takuma Sato. Während dessen Teamkollege Jenson Button wieder verdienter Weise auf dem Podest stand, hätte der Kampf gegen Sato etwas anders aussehen können, wenn das Team früher reagiert und den Japaner aufgrund seiner anderen Strategien am Briten vorbei manövriert hätte.
Letztlich ist es aber selbstverständlich müßig darüber zu spekulieren, aber Satos vierter Platz ist ein Tick zu wenig. Da hatte man sich insgeheim doch etwas mehr vom japanischen Volkshelden versprochen.
Mehr als erwartet bot hingegen der Toyota-Neuling Jarno Trulli, dessen sensationeller Anfang im ersten und zweiten Stint zeigte was der TF104B kann. Den während des Rennens eher unerklärlichen Leistungsabfall gegen Ende begründete der Italiener im Nachhinein mit abfallendem Reifengrip.
Dennoch möchte ich die letzten fünf Rennen für Renault nicht mit jenem ersten Grand Prix für Toyota vergleichen. Trulli konnte aber bis Rennmitte trotzdem zeigen, welches Potenzial im Toyota Team schlummert. Und wenn die Weiß-Roten einmal alles auf die Reihe bekommen und Technikchef Mike Gascoyne sein System umsetzen kann, mit welchem er schon Jordan und Renault zum Erfolg führte, dann wird mir bei dem Budget der Köln-Marsdorfer Angst und Bange. Toyota wird in den nächsten Jahren sicherlich früher oder später den erwünschten Erfolg haben.
Jarno Trullis Nachfolger bei Renault, der kanadische Ex-Champion Jacques Villeneuve, landete derweil auch bei seinem zweiten Rennen für die Gelb-Blauen nicht in den Punkterängen. Er war zwar besser als noch in Shanghai, wo er noch die Ausrede einer neuen Strecke und eines unbekannten Autos geltend machen konnte, aber hier kannte er die Strecke und hier hätten Punkte möglich sein müssen.
Denn nun ist der Kampf um Rang zwei der Konstrukteurswertung faktisch zu Gunsten von B·A·R entschieden. Somit kann man nicht von einem zufrieden stellenden Rennen für Villeneuve sprechen. Das war nach wie vor zu wenig, wobei der Franko-Kanadier seine "enttäuschende Leistung" mit einem schlecht abgestimmten Auto entschuldigte. Letztlich war er aber erneut nicht stark genug.
Nach den Klasserennen in Belgien, Italien und China war der Japan GP für sich betrachtet kein wirklicher Knaller. Aber ich bin mir sicher, dass wir in Brasilien zur Primetime in Europa einen tollen Saisonabschluss erleben werden.
Nicht ganz so toll waren hingegen die vom Taifun Nummer 22 beeinträchtigten Arbeitsbedingungen in Japan: Noch nie haben wir unter dermaßen technisch und witterungsbedingt schwierigen Umständen übertragen müssen. Ich bin froh, dass wir das Taifun-Wetter-Chaos so gut und so sicher überstanden haben, wobei für alle Fernsehstationen gilt, dass es am seidenen Faden hing, dass wir überhaupt TV-Bilder in die weite F1Welt hinaus übertragen konnten.
Aus diesem Grund sind wir froh, dass wir überhaupt eine gewisse Grundversorgung, wenn auch nicht im gewohnt umfangreichen Stil, anbieten konnten. Nach diesem Survivaltraining in Suzuka freuen wir uns nun auf das Formel 1 Saisonfinale in Brasilien. In diesem Sinne ein herzliches Sayonara aus Suzuka.

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