Juan Pablo, das ist Dein erstes Jahr im Team. Wie hast Du Dich eingelebt?
Juan Pablo Montoya: Es war wirklich gut. Mein Verhältnis zu jedem im Team ist richtig gut. Die Tests waren positiv und ich bin wirklich zufrieden.
Kimi, wie ist Dein Testprogramm bislang verlaufen?
Kimi Räikkönen: Es war gut. Wir haben seit einem Monat ein neues Auto und wir arbeiten noch immer an kleineren Problemen. Aber das ist bei einem neuen Auto normal und es gibt keine größeren Probleme. Dennoch beheben wir jedes Problem das uns über den Weg läuft. Der Speed ist vorhanden und das Auto lässt sich einfach fahren. Es ist jedoch schwer zu sagen wo wir stehen. Dazu müssen wir noch abwarten und sehen was beim ersten Rennen passieren wird.
Wie verliefen Deine Tests, Juan Pablo?
Juan Pablo Montoya: Sie verliefen gut. Ich fühle mich im MP4-20 jetzt etwas wohler als im letztjährigen Auto, was positiv ist. Wie Kimi schon sagte haben wir einige kleinere Probleme, aber alles wurde bereits behoben und darum geht es bei den Wintertests.
Wie gut kommt Ihr miteinander aus?
Kimi Räikkönen: Alles läuft gut. Wir kennen uns noch nicht so lange, aber wir kommen gut mit einander aus. Die Athmosphäre ist gut und wir arbeiten gut zusammen.
Juan Pablo Montoya: Wir arbeiten ziemlich gut zusammen und vor der neuen Saison haben wir zwar erst fünf oder sechs Tage zusammen getestet, doch das ist okay. Ich freue mich auf das Jahr.
Wie verliefen die Wintertests für Euch?
Pedro de la Rosa: Wie immer war es eine arbeitsreiche Zeit, da der Februar wahrscheinlich der betriebsamste Monat für Formel 1 Testfahrer ist. Mir wurde die Ehre zuteil den neuen Wagen an einem Tag in Valencia zu fahren und dann in der letzten Woche zwei Tage in Jerez. Ich war ziemlich überrascht wie einfach das Auto zu fahren ist, da dies bei neuen Boliden nicht immer der Fall ist. Ich konzentrierte mich auf Long Runs, was derzeit meine Hauptaufgabe ist und auf Reifentests. Wir erzielten gute Ergebnisse und arbeiten auch weiterhin hart.
Alex Wurz: Die Tests waren extrem arbeitsreich für mich. Ich glaube, dass ich über 40% unserer Testarbeit erledigt habe, wobei die meiste Arbeit aus Reifentests mit dem MP4-19B bestand. Wenn wir uns die Ergebnisse ansehen, dann werden wir feststellen, dass wir beinahe jeden Tag 100 bis 140 Runden gefahren sind, was bedeutet, dass wir täglich zwei Renndistanzen gefahren sind. Das ist ziemlich hart. Ich habe das Gefühl, dass wir uns bereits sehr verbessert haben, aber wie immer werden wir das erst in Australien genau wissen.
Wie schwierig war es sich an die neuen Regeln anzupassen?
Kimi Räikkönen: Die neuen Regeln sind anders, aber sie sind für alle Fahrer anders. Nach dem ersten Rennen werden wir besser wissen wie die Regeln funktionieren und was wir als Fahrer vielleicht ändern müssen.
Erwartet Ihr aufgrund der Regeländerungen große Veränderungen am Fahrstil?
Pedro de la Rosa: Ich glaube nicht, dass die neuen Regeln das Racing stark verändern werden. Der einzige Faktor für die Fahrer ist, dass man besser auf die Reifen achten muss, besonders auf den ersten zehn Runden des Rennens. Zudem muss man sichergehen, dass man die Reifen im Verlaufe des Rennens nicht überhitzt oder sie beim Bremsen beschädigt. Wenn man beispielsweise einen Bremsplatten hat, muss man den Reifen wechseln, da man viel Grip verliert. Dies dürfte aber der einzige Unterschied sein. Es könnte dadurch etwas anders werden, aber ich gehe davon aus, dass alles ziemlich ähnlich ablaufen wird. Wir müssen dennoch abwarten was in Australien geschehen wird. Aufgrund der neuen Regeln werden wir etwas langsamer sein, aber vielleicht nicht so stark wie dies vor vier Monaten noch erwartet wurde. Für mich zeigt dies wie wichtig eine gute Aerodynamikabteilung ist.
Alex Wurz: Ich glaube, dass nun alles auf die Intelligenz des Fahrers abzielt. Sie wissen, dass sie die Reifen schonen müssen. Man braucht diese am Ende des Rennens um sicherstellen zu können, dass man vorne bleiben kann. Man darf seine Rundenzeiten nicht herschenken, aber man muss auch immer am Limit fahren ohne zu viel zu rutschen oder zu spät zu bremsen, denn das könnte die Reifen beschädigen. Ich habe die Michelin-Reifen im letzten Jahr sehr gemocht und sie waren auf der ersten Runde sehr stark. Sie waren also sofort sehr schnell und verloren dann etwas an Performance. Nun ist es anders herum: Wir brauchen zwei oder drei Runden um die Reifen auf Temperatur zu bringen und eine schnelle Runde zu fahren. Ich glaube, dass das Qualifying langsamer sein wird, aber über die Renndistanz gesehen werden wir ähnliche Zeiten wie im letzten Jahr sehen.
Ist es einfacher oder schwieriger sich an das neue Auto anzupassen?
Pedro de la Rosa: Man muss sich immer an ein neues Auto anpassen, aber man kann das nicht wirklich vergleichen. Als Fahrer muss man einfach seine Fähigkeiten einsetzen um sich anzupassen.
Alex Wurz: Ich glaube, dass es einen Unterschied beim Fahrstil zwischen dem MP4-20 und dem 2004er Auto gibt. Aber es ist kein großer Unterschied. Aufgrund der neuen Regeln mit dem höheren Frontflügel untersteuert das Auto schneller, aber wir wissen darüber bescheid und können uns daran anpassen. Aber grundsätzlich gibt es keinen Unterschied.
Ihr habt beide gesagt, dass Ihr auf die Reifen achten müsst. Müsst Ihr auch auf die Motoren aufpassen, die nun zwei Wochenenden halten müssen?
Pedro de la Rosa: Aus Fahrersicht würde ich während des Rennens niemals die maximale Drehzahl nutzen so lange diese nicht wirklich gebraucht wird. Denn wenn man den Motor höher dreht als es notwendig ist, holt man immer weniger Kilometer aus ihm heraus. Deswegen muss man einfach versuchen den Motor nicht zu stark zu beanspruchen. Man muss ihn einfach für den Moment schonen, in welchem man ihn wirklich im Rennen braucht.
Alex Wurz: Um daran anzusetzen: Wir werden dennoch konkurrenzfähig sein. Wir werden immer noch ein Vollgas-Qualifying und Racing sehen, denn deswegen sind wir hier. Die Formel 1 wird auch weiterhin konkurrenzfähig und spannend sein.
Kimi, was glaubst Du wie das Qualifying-Duell zwischen Dir und Juan Pablo ausgehen wird?
Kimi Räikkönen: Wir waren im Qualifying schon immer ziemlich eng zusammen und ich bin mir sicher, dass dies auch in diesem Jahr so sein wird. Sicherlich wird es einige Rennen geben bei denen ich schneller bin und andere bei denen vielleicht Juan Pablo schneller ist, aber das müssen wir einfach abwarten.
Juan Pablo, was hältst Du vom neuen Qualifying-Format?
Juan Pablo Montoya: Wie auch immer das Format aussieht, es ist für alle gleich. Natürlich wird man in den beiden Sessions unterschiedlich fahren, man wird in beiden pushen, aber man muss auch auf die Reifen achten, besonders da man mit diesen auch im Rennen antreten muss. Aber letztlich sind alle Fahrer in der gleichen Situation und ich denke nicht, dass wir vorweg beurteilen können wem das mehr liegen wird.
Kimi Räikkönen: Ich glaube nicht, dass es für die Fahrer ein großer Unterschied zum letzten Jahr sein wird, aber vielleicht wird es für die Zuschauer schwieriger zu verstehen sein was auf der Strecke geschieht, da beide Zeiten addiert werden müssen. Ich hoffe, dass die TV-Sender gute Arbeit leisten und den Zuschauern in Echtzeit zeigen können wer hinten liegt und wer vorne ist.
Juan Pablo Montoya: Das ist der entscheidende Faktor. Die Organisatoren müssen einen Weg finden es für die Fans leicht verständlich zu machen. Man könnte zum Beispiel im 1. Qualifying langsam, aber im zweiten megaschnell sein. Dann könnten die Zuschauer etwas verwirrt sein, aber ich bin mir sicher, dass sich alle daran gewöhnen werden.
Juan Pablo, kannst Du den Mercedes-Benz-Motor mit dem BMW-Triebwerk der letzten Saison vergleichen?
Juan Pablo Montoya: Ich möchte sie nicht vergleichen, da zwei komplett unterschiedliche Reglements zugrunde liegen. Zudem können zwei verschiedene Motorenhersteller nicht die gleichen Motoren haben. Was ich bislang gesehen habe hat Mercedes-Benz einen wirklich guten Job gemacht und ich bin ziemlich glücklich damit.
Juan Pablo, Du giltst als einer der aggressivsten Fahrer. Wie stark beeinflussen die neuen Regeln Deinen Fahrstil?
Juan Pablo Montoya: Ich denke nicht, dass dies der Fall ist. Die Leute sagen immer, dass ich einen aggressiven Fahrstil hätte, aber ich würde sagen, dass ich genauso hart pushe wie jeder andere auch. Natürlich müssen wir nun etwas besser auf unsere Autos aufpassen. Ich glaube, dass es interessant werden wird und vielleicht werden es bei den ersten Rennen einige Fahrer richtig machen und andere nicht.
Werden die Fähigkeiten eines Fahrers durch die neuen Reifen- und Motorenregeln aufgewertet?
Juan Pablo Montoya: Das müssen wir erst abwarten. Es wird in diesem Jahr wichtiger sein eine gute Balance zu haben, da eine schlechte Balance einen schlechten Einfluss auf die Reifen hat. Somit müssen wir sehr eng mit unseren Ingenieuren zusammenarbeiten.
Kimi, hat sich im Team etwas verändert seit Juan Pablo dabei ist?
Kimi Räikkönen: Letztlich hat sich für mich und meine Arbeitsweise nichts geändert. Ich arbeite mit den gleichen Leuten zusammen wie im letzten Jahr. Deswegen würde ich nicht sagen, dass es ein großer Unterschied ist.
Wie wichtig wird es sein am Freitag ein drittes Auto einzusetzen?
Kimi Räikkönen: Ich glaube, dass es für das Team gut sein wird, besonders aufgrund der Zwei-Wochenend-Motoren. Wir können mit dem dritten Auto so viele Runden wie möglich fahren und viele Informationen über die Reifen und das Setup erhalten.
Sorgen die neuen Regeln für mehr Überholmanöver?
Kimi Räikkönen: Ich glaube nicht, dass sich auf diesem Gebiet viel verändern wird. Es eröffnen sich vielleicht ein paar Chancen, wenn andere Fahrer Probleme mit ihren Reifen bekommen und dann andere Autos viel schneller sind, aber wir müssen das erst abwarten. Es gab im letzten Jahr einige gute Rennen und das wird hoffentlich 2005 genauso sein.
Mit der Türkei gibt es ein weiteres neues Rennen. Wie bereitet Ihr Euch darauf vor?
Juan Pablo Montoya: Ich reise normalerweise einfach da hin und fahre einmal rum. Ich drehe einige Runden in einem Straßenauto und schau mir die Strecke an. Man kann die Ideallinie, die Bremspunkte und so weiter erkennen.
Kimi Räikkönen: Ich fahre auch einmal um die Strecke, aber normalerweise laufe ich auch einen Teil des Kurses mit meinen Ingenieuren ab. Ich habe einige Bilder der Strecke gesehen und sie sieht gut aus.



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