Der Niederländer Christijan Albers ist in Formel 1 Kreisen kein Unbekannter. Schon in den Jahren 2001 und 2002 agierte der diesjährige Mercedes-DTM-Pilot und letztjährige DTM-Vizemeister erfolgreich als Testfahrer für das Minardi Team, für welches er in den vergangenen Jahren auch als fleißiger Chauffeur der Minardi-Doppelsitzer unterwegs war.

Ralf Schumacher, Foto: xpb.cc
Ralf Schumacher, Foto: xpb.cc

Da es aufgrund der notwendigen Sponsorengelder für ihn leider nicht möglich war direkt in die Königsklasse aufzusteigen, wechselte er in die DTM wo er vor einem Jahr zum HWA-Werksfahrer aufstieg. Das zweite Rennen der Saison, gleichzeitig sein zweiter Start im 2003er AMG-Mercedes CLK, gewann er und wurde am Ende der Saison 2003 mit insgesamt vier Siegen Zweiter in der Meisterschaft. Vier Punkte lag er hinter Champion Bernd Schneider, seinem Teamkollegen, zurück. 2004 fuhr Albers für das DaimlerChrysler Bank AMG-Mercedes Team von HWA, für welches er am Ende mit 50 Punkten Meisterschaftsdritter hinter Sieger Mattias Ekström und Mercedes-Kollege Gary Paffett wurde.

Christijan hat in seiner vergleichsweise kurzen Karriere viel erreicht. Mit 17 Jahren saß er erstmals in einem Rennkart, auf einer Indoor-Kart-Bahn. 1997 bestritt Albers die Niederländische Kart-Interkontinental-Meisterschaft, die Niederländische Formel-Ford-Meisterschaft sowie die Benelux Formel-Ford-Meisterschaft; Bilanz: drei Titel. 1999 gewann er die Deutsche Formel-3-Meisterschaft mit sechs Siegen. 2001 gelang ihm der Einstieg in die DTM. 2003 wurde er DTM-Vizemeister, bevor er in diesem Jahr Gesamtdritter wurde.

Jacques Schulz, Foto: Toyota
Jacques Schulz, Foto: Toyota

Für Albers ist körperliche Fitness eine der Grundvoraussetzungen für seine Leistungsfähigkeit im Rennfahrzeug. Wenn er nicht im Rennauto sitzt, arbeitet er an seinem persönlichen Fitnessprogramm. So ist beispielsweise Squash für ihn nicht nur Hobby, sondern auch Möglichkeit, die Reaktionsschnelligkeit im Wettbewerb zu schärfen. Nur während der Weihnachtszeit – von Mitte Dezember bis Anfang Januar – gönnt er sich eine Pause, um Kraft für die neue Saison zu tanken. "Du musst immer etwas tun und darfst nie nachlassen", ist seine Devise. Mit seiner Unterschrift unter einen Minardi-Vertrag für 2005 kam er dieser Maxime – nach F1-Tests für Minardi und Jordan sowie einem ChampCar-Test – nun auch in den ansonsten freien Weihnachtstagen nach.

Dabei ist Christijan Albers ein eher ruhiger Typ, nennt sich gar zurückhaltend. Im Rennauto kommt seine andere Seite zum Vorschein: "Wenn es mal nicht so läuft wie erhofft, werde ich sehr emotional und ärgere mich maßlos, dann geht man mir besser aus dem Weg", sagt der Niederländer.

Christijan Albers im motorsport-magazin.com Interview

Wann sind Sie zum ersten Mal Kart gefahren?

Christijan Albers: Im Alter von 14 Jahren.

Wie haben Ihre Eltern darauf reagiert, dass Sie Rennfahrer werden möchten?

Christijan Albers: Meine Eltern haben mich zu 100 Prozent unterstützt. Allerdings war meine Mutter überrascht, wie schnell die Autos sind.

Viele sagen, dass es schade ist, Fahrer in der Formel 1 zu haben, die nur aufgrund ihrer Sponsoren dort sind, während Piloten wie Björn Wirdheim, Ryan Briscoe, Franck Montagny, die 2003 Meisterschaften gewonnen haben, in diesem Jahr nur Testfahrer waren. Wie denken Sie über diese Entwicklung?

Christijan Albers: Ich würde es auch gerne sehen, dass sich die Situation ändert, aber ich kann sie nicht ändern. Leider ist es wahr und obwohl einige Fahrer einen exzellenten Lebenslauf haben, benötigen sie ein dickes Sponsorenpaket. Aber Fernando Alonso brauchte auch Sponsorengelder, um in die F1 zu kommen.

Nach Ihrem einzigen F3000 Jahr wechselten Sie in die DTM. Warum? War es der richtige Schritt?

Christijan Albers: Das Jahr in der F3000 war nicht erfolgreich für mich und im Nachhinein war es sogar eine Fehlentscheidung in die F3000 gegangen zu sein. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich noch eher in die DTM gehen. Aber damals dachte ich, dass die F3000 die beste Serie für meine Karriere war. Wenn man sich nun die F3000 anschaut, so denke ich, dass die Qualität in den letzten Jahren gesunken ist.

Sie testeten 2001 und 2002 für Minardi. Gab es damals schon eine Chance Stammfahrer zu werden?

Christijan Albers: Ja, absolut. Aber wegen eines Sponsoren-Problems schaffte ich es nicht den Platz zu bekommen. Zu der Zeit war ich voll darauf konzentriert das Minardi-Cockpit zu bekommen.

Welche ist Ihre Lieblingsstrecke?

Christijan Albers: Zandvoort, ohne Zweifel. Zandvoort ist nicht die modernste Strecke der Welt, aber aus einer chauvinistischen Sicht ist Zandvoort meine Lieblingsstrecke.

Was fühlten Sie, als das DTM-Rennen in Zandvoort gewannen: Der "ultimative Kick" oder einfach ein weiterer Sieg?

Christijan Albers: Der "ultimative Kick", aber es war auch nur ein weiterer Sieg, doch ich war erfreut über die vielen Fans, die zur Strecke gekommen waren und meinen Sieg sahen. In der Vergangenheit hatte ich nicht viel Glück in Zandvoort, aber an dem Sonntag spielte alles in meine Hände: das Wetter, die Atmosphäre mit 65.000 Zuschauern und der süße Genuss des Sieges vor den enthusiastischen Fans.

Nach Ihrem Sieg beim DTM-Rennen in Zandvoort sah ich Sie viele Autogramme schreiben. Ist Ihnen die Beziehung zu Ihren Fans so wichtig, dass Sie immer Zeit für die Fans haben und ist es etwas, das Sie nie vernachlässigen würden?

Christijan Albers: Die Beziehung zu den Fans ist mir sehr wichtig. Wenn ich Zeit habe, möchte ich auch mehr Zeit mit meinem Fanclub verbringen. Aber es gibt natürlich Tage, an denen man nicht so gut drauf ist, etwa, wenn das Rennen nicht so verlaufen ist, wie man es sich vorgestellt hat. Die Leute denken dann, dass man arrogant ist, obwohl das gar nicht stimmt. Viele Leute denken, dass ich ein arroganter Mensch bin… ich weiß nicht, woher sie dieses Vorurteil haben. Liegt es an meinem Auftreten, meinen Haaren, die Art und Weise zu reden? Sagen Sie es mir… Ich gebe mein absolut Bestes ein ganz normaler Mensch und nicht arrogant zu sein und mir auch Zeit für meine Fans zu nehmen.

Können Sie sich eine Saison am Ende des F1-Feldes vorstellen?

Christijan Albers: Ja, das kann ich. Ich sehe es als Investition in die Zukunft. Auch am Ende des Feldes kann man seine Qualitäten unter Beweis stellen und das wichtigste ist, dass man seinen Weg in die Formel 1 gefunden hat. Man kann seine Fähigkeiten vor den Augen der anderen Teamchefs unter Beweis stellen. Für Jos Verstappen war es bei Minardi eine ganz andere Geschichte. Jos ist fast am Ende seiner Karriere angelangt und daher kann ich mir vorstellen, dass die letzte Saison für ihn sehr hart und frustrierend war. Für mich ist es der umgekehrte Weg, denn ich befinde mich zu Beginn meiner Karriere.

Oft wurde die DTM mit der Formel 1 verglichen. Die DTM zeigte letztes Jahr im Vergleich zur F1 mehr Überholmanöver und Kämpfe sowie eine großartige Spannung im Titelrennen. Glauben Sie, dass es eine alarmierende Situation für die Spannung in der F1 ist?

Christijan Albers: Es ist alles eine Sache des Downforce. In der DTM hat man ein Dach über dem Kopf und daher mehr Abtrieb, so dass man mehr Möglichkeiten hat, in das "close-racing" verwickelt zu werden. Die Formel 1 hat ihren eigenen Charakter und zieht immer wieder viele Leute an. Natürlich kann man alles angleichen, etwa Reifen und Motor, aber es wird immer einen Unterschied zwischen den Top-Teams und den Hinterbänklern geben.

Christijans Motorsportkarriere im Überblick

1996 Kart-Sport
1997 Niederländische Interkontinental-Meisterschaft: 1. Platz
Niederländische Formel-Ford 1800 Zetec-Meisterschaft: 1. Platz
Benelux Formel Ford 1800 Zetec-Meisterschaft: 1. Platz/3 Siege
1998 Int. Deutsche Formel-3-Meisterschaft: 5. Platz/2 Siege
1999 Int. Deutsche Formel-3-Meisterschaft mit Bertram Schäfer Racing: 1. Platz/6 Siege
2000 Formel-3000-Europameisterschaft mit dem European Arrows Junior-Team
2001 DTM mit Team Original-Teile AMG-Mercedes: 14. Platz
2002 DTM mit Service 24h AMG-Mercedes: 12. Platz
2003 DTM mit ExpressService AMG-Mercedes: 2. Platz
2004 DTM mit DaimlerChrysler Bank AMG-Mercedes CKlasse

Inhalt 01/05

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