Formel 1

Ich neide Schumacher nichts - Gachot spricht über sein Taxi-Abenteuer

Bertrand Gachot hat über den Taxi-Zwischenfall gesprochen, der vor 20 Jahren Michael Schumachers Formel-1-Debüt ermöglichte.
von Falko Schoklitsch

Motorsport-Magazin.com - Wenn es um Michael Schumachers Formel-1-Einstieg 1991 geht, dann wird Bertrand Gachot immer als tragische Figur hingestellt. Dem mittlerweile 48-jährigen Franzosen geht es heute aber gut, seine Firma produziert den Energy Drink Hype und davon werden rund 24 Millionen Dosen im Jahr verkauft. Er wohnt auf Marbella, hat eine Frau, drei Kinder und genießt das Leben. "Ich bereue nichts. Ich bin zufrieden mit den Karten, die mir mein Leben gegeben hat", erklärte er der Bild am Sonntag.

Es begann im Dezember

Ihm ist heute klar, dass er wohl auch ohne seine Episode mit einem Taxilenker in London nie so berühmt oder erfolgreich geworden wäre wie Schumacher. Was damals genau passiert ist, hat er nun noch einmal erzählt. Alles begann im Dezember 1990, als Gachot zu einem Termin im Sheraton Hotel musste, aber schon spät dran war. Es gab Stau und vor ihm drängte sich ein Taxifahrer in die Schlange von Autos.

Er kommt an mein Auto, packt mich am Kragen. Ich habe eine Dose Tränengas, sprühe ihm ins Gesicht. Im Nu waren so viele andere Taxifahrer um mich, dass ich in ein Gebäude flüchte und die Polizei rufe
Bertrand Gachot

"Ich telefoniere, fahre dem provozierenden Taxi-Kerl ganz leicht hinten auf die Stoßstange. Er kommt an mein Auto, packt mich am Kragen. Ich habe eine Dose Tränengas, sprühe ihm ins Gesicht. Im Nu waren so viele andere Taxifahrer um mich, dass ich in ein Gebäude flüchte und die Polizei rufe. Sie kommt, nimmt mich mit auf die Wache. Eine halbe Stunde später bin ich frei und gehe zum Meeting", berichtete Gachot.

Eine Gefahr für die Bevölkerung

Damit war der Anfang gemacht. Denn erst acht Monate später wurde er wegen der Geschichte vor Gericht zitiert. Zunächst hatte er keine großen Sorgen. "Die Anwälte sagten mir, dass es eine Kleinigkeit ist. Sie sagten nicht, dass ich als ausländischer Staatsbürger ohne festen Wohnsitz in England im Falle eines Urteils sofort verhaftet werden könne. Und das ist passiert." Damals war es genau die Woche vor dem Grand Prix von Belgien 1991. Der Richter teilte Gachot mit, er könne auch nicht für eine Kaution von zwei Millionen Pfund freikommen, weil er eine Gefahr für die englische Bevölkerung sei. "Acht Monate danach", wundert sich Gachot heute noch.

Michael Schumacher fuhr vor dem Formel-1-Einstieg Sportwagen - Foto: Sutton

Schließlich wurde der Franzose zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und musste bis zur Berufungsverhandlung zwei Monate ins Gefängnis. "Und weil Tränengas damals als Waffe galt, haben sie mich in eine Zelle mit einem Mörder gesteckt." Derweil erhielt Schumacher seine erste Chance in der Formel 1 und Teamchef Eddie Jordan kassierte doppelt, weil er von Gachot bereits 1,5 Millionen Dollar für die Saison kassiert hatte und später, als Gachot ab Japan wieder im Auto saß, noch 500.000 Dollar bekam und dann auch noch von Schumachers Sauber-Rennstall eine Antrittsgage erhielt.

Mein Pech war sein Glück

Dass Jordan damals den Fall von sich aus vor Gericht gebracht hat, will Gachot nicht so direkt behaupten. "Ich will diesen Namen nicht in den Mund nehmen. Ich meine nicht Michael. Das ist ein feiner Kerl. Der hat sich sofort nach meiner Freilassung mit mir getroffen und wir haben immer mal Kontakt. Ich neide ihm nichts. Er ist ein toller Rennfahrer. Mein Pech war sein Glück. Seine Karriere wäre vielleicht ganz anders verlaufen, wenn ich nicht ins Gefängnis gemusst hätte", erklärte Gachot.

Vielleicht gibt er mir noch die Schuld, aber ich habe dem Taxifahrer nichts getan
Eddie Jordan

Jordan selbst beteuert, sich selbst darüber gewundert zu haben, wie mit Gachot umgesprungen wurde. In Spa sprach er mit Motorsport-Magazin.com darüber, was Gachot heute wohl so macht. "Ich habe keine Ahnung. Vielleicht gibt er mir noch die Schuld, aber ich habe dem Taxifahrer nichts getan. Es ist etwas seltsam, aber ich war überrascht, was für eine harte Strafe er erhalten hat. Manchmal sind die Richtersprüche eben nicht vorherzusehen."


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