Was bedeutet es für dich, jetzt endlich mal wenigstens am Freitag fahren zu dürfen - du hast ja lange dafür gekämpft?
Bruno Senna: Natürlich freue ich mich riesig, es ist eine sehr wichtige Chance für mich. Und es bedeutet auch eine zusätzliche Motivation, weiter zu kämpfen, alles dafür zu tun, nächstes Jahr einen Platz zu kriegen. Wenn man als Fahrer monatelang nur zuschauen kann, dann besteht ein bisschen die Gefahr, dass einem das allerletzte bisschen Motivation verloren geht. Insofern ist das ein neuer toller Push...

Spürst du auch einen gewissen Druck?
Bruno Senna: Natürlich ist da ein gewisser Druck, ich will ja schließlich eine sehr gute Leistung abliefern und mich damit auch für weitere Aufgaben empfehlen. Aber ich muss auch realistisch sein, ein halbes Jahr Pause, eine halbe Saison, das ist viel Zeit. Ich denke, ich muss einfach zeigen, dass ich mich schnell wieder reinfinden und steigern kann.

Das Wetter könnte auch noch stören.
Bruno Senna: Es wird so oder so ganz bestimmt nicht einfach, vor allem, weil es ja wohl ein Training mit nur einem Satz Reifen für mich sein wird. Was das Wetter angeht, so ist meine größte Sorge, dass es so gießen könnte, dass das Team gar nicht raus fährt, weil es nichts bringt. Sie haben mir aber gesagt, bei normalem, schwächeren Regen wird auf jeden Fall gefahren - das beruhigt mich dann doch schon ein bisschen. Aber am liebsten wäre mir natürlich, wenn es trocken bliebe und ein ganz normales Training wird.

Halber Tag auf der Kartbahn

Wie hast du dich auf diesen Einsatz vorbereitet?
Bruno Senna: Ich war am Dienstag einen halben Tag Kart fahren, in Südfrankreich, in der Nähe von St. Tropez, das war super, um die Reflexe wieder zu schulen, um ein bisschen "aufzuwecken", was nach sechs Monaten Formel-1-Pause ein bisschen eingerostet sein könnte. Das lief auch sehr gut, ich merkte, wie ich immer besser wieder reinkam..

Hast du auch ein bisschen Trockentraining mit dem Lenkrad gemacht, damit du all die Knöpfe, das DRS, das KERS, wieder im Griff hast?
Bruno Senna: Eigentlich nicht, das reine Knöpfe finden ist nicht das Problem. Da habe ich das Lenkrad, die ganze Anordnung, schon sicher drin. Es geht viel mehr darum, im ganz exakt richtigen Moment die richtigen Veränderungen an den Einstellungen vorzunehmen.

Im Februar, nach deinem Jerez-Test, hast du gesagt, so nach gut zehn Runden hättest Du alles ganz gut im Griff gehabt, seist im Rhythmus gewesen. Wie viel brauchst du jetzt, beim zweiten Mal? Fünf?
Bruno Senna: So einfach kann man das auch nicht sagen, der Punkt ist, dass sich das Auto seit damals gewaltig verändert hat. Also ist das quasi schon wieder ein Neuanfang. Aber andererseits ist das Auto auch inzwischen besser, reagiert wohl normalerweise sanfter als damals. Das könnte ein bisschen helfen, wenn das so ist.

Was ist dein Ziel für morgen?
Bruno Senna: Ich möchte natürlich so nahe wie möglich an Petrov dran sein, er ist eine gute Referenz, denn er war hier auch immer gut unterwegs. Aber man muss auch sehen, dass ich bisher überhaupt nur zwei Sätze der weichen Pirelli-Reifen in diesem Jahr gefahren bin. Ich werde es also schon auch erst Mal etwas vorsichtig angehen lassen. Es hat keinen Zweck, zu versuchen, irgendwelche Wunder zu vollbringen, den Helden spielen zu wollen, um dann in der Wiese zu landen. Und wenn Vitaly dann noch mal einen neuen Satz Reifen nimmt, kann das leicht eine Sekunde ausmachen. Außerdem geht es auch nicht nur um Zeiten. Ich bin sicher, das Team will auch noch einmal sehen, wie ich technisch arbeite, welche Informationen ich geben kann, das spielt sicher auch eine große Rolle. Damals nach dem ersten Test waren sie ja ziemlich zufrieden mit mir.

Ist das jetzt eine einmalige Sache oder kommt da noch mehr?
Bruno Senna: Im Moment ist es nur für dieses eine Mal, aber ich hoffe natürlich, dass mehr daraus wird, dass ich noch öfters fahren kann. Aber das wird natürlich auch sehr stark von meiner Leistung abhängen. Ich glaube, nach den Gesprächen, die in Richtung 2012 geführt werden, dass das Team schon ein gewisses Interesse hat, mich ins Auto zu setzen. Aber dafür müssen sie natürlich auch ein bisschen mehr beobachten, wie ich unter dem Druck eines Rennwochenendes reagiere – sollten die sonstigen Voraussetzungen stimmen.

Du meinst, die Sponsorenseite...
Bruno Senna: Natürlich spielt das eine Rolle. Wir hatten in den letzten Wochen verschiedene Gespräche in Brasilien und in Europa, Vorschläge liegen bei Unternehmen auf dem Tisch. Aber das dauert alles noch ein bisschen. Zwischen einer gut gelaufenen Verhandlung und einem unterschriebenen Scheck ist immer noch ein ein langer Weg. Ich kann nur versuchen, mein Bestes zu geben, um meine Position zu verbessern, auch das Team und die Ingenieure zu motivieren, mich noch ein paarmal ins Auto zu setzen. Dann kommen hoffentlich die Dinge überall weiter in Bewegung...