Die allerbeste Nachricht der letzten Zeit habe ich im Laufe des Wochenendes am Nürburgring bekommen: Ich darf in Ungarn am Freitag das erste freie Training fahren. Ich freue mich natürlich riesig, dass ich diese Chance bekomme, das ist ja gerade in einem großen Team wie Lotus Renault durchaus nicht selbstverständlich, dass mal ein Freitagsfahrer eingesetzt wird.

Wenn man so lange nur zuschauen durfte, ist das einfach toll. Ich werde natürlich alles versuchen, für mich selbst und für das Team eine optimale Leistung zu bringen, sehr gut mit den Ingenieuren zusammen zu arbeiten und Nick dann ein für den Rest des Wochenendes schon gut abgestimmtes Auto zu übergeben. Es ist einfach eine große Chance für mich, mein Potenzial zu beweisen.

Man darf allerdings nicht erwarten, dass ich auf Anhieb die absoluten Top-Zeiten hinlege. Schließlich bin ich das Auto außer bei den Straightlinetests seit dem Testtag in Jerez im Februar nicht mehr gefahren. Das ist erstens eine ziemlich lange Pause und zweitens hat sich das Auto seitdem stark verändert, da werde ich mich also erst ein bisschen eingewöhnen müssen.

Ob ich mit dem neuen Auspuff fahren werde, den Nick am Nürburgring schon getestet hat, weiß ich noch nicht – ich glaube aber eher nicht, es ist wohl auch besser, nicht zu viele Sachen auf einmal zu probieren. Zumindest mit der Strecke dürfte ich keine Probleme haben. Ich bin erst vor kurzem bei einem PR-Event dort mit dem Lotus Evora über 50 Runden gefahren – also sollte ich den Hungaroring von Anfang an gut im Griff haben.

Aber zurück zum letzten Wochenende: Am Nürburgring hatte ich schon am Mittwoch viel Spaß, da haben wir auf der Nordschleife Filmaufnahmen für Renault gemacht, mit Clios und Renault Meganes. Wir sind zwar keine kompletten Runden gefahren, immer nur einzelne Passagen, die dafür aber hin und zurück, also auch in der Gegenrichtung, was an einigen Stellen ziemlich heftig ist. Am Karussell zum Beispiel, das ist in umgekehrter Richtung noch deutlich schwieriger.

Da bin ich beim ersten Versuch mit dem Clio ganz schön in Probleme geraten, war nicht weit von einem Abflug weg. Beim nächsten Mal ist Romain Grosjean vor mir gefahren, wollte mir wohl zeigen, wie man es besser macht – und ist erst recht in Schwierigkeiten gekommen. Ich konnte mir dahinter ein kleines Grinsen nicht verkneifen, hab ihm auch mal kurz gewunken...

Bruno ist auch die Eau Rouge schon verkehrt herum gefahren, Foto: Renault Sport
Bruno ist auch die Eau Rouge schon verkehrt herum gefahren, Foto: Renault Sport

Marc Surer hat mir später im Laufe des Wochenendes erzählt, dass er vor vielen Jahren mal bei einer Rallye die Nordschleife in umgekehrter Richtung als Sonderprüfung gefahren ist – und da hat sein Beifahrer schnell sein Gebetbuch zugeklappt und gemeint, er brauche ja jetzt keine Ansage mehr, Marc kenne die Strecke ja bestens aus seinen Rundstreckenrennen. Der war freilich anderer Meinung, wenn man Kurven in eine Richtung genau kennt, ist das umgekehrt noch lange nicht so. Er meinte, er habe damals mindestens viermal die Leitplanken leicht touchiert, allerdings ohne größere Folgen, Rallyeautos vertragen so was ja eher.

Ich selbst bin 2007 schon mal - richtig rum - eine komplette Runde auf der Nordschleife gefahren, mit einer Mercedes C-Klasse, einer Dieselversion, glaube ich, in so ungefähr neun Minuten, das war schon toll. Wirklich eine Superstrecke, die Riesenspaß macht.

Auf dem Grand-Prix-Kurs war ich am Donnerstagabend unterwegs, hatte mit meinen Passagieren ziemlich viel Spaß, habe schon ein bisschen Tempo und Action für sie gemacht. Wobei ich am Ende gemerkt habe, dass ich mit dem Auto im Vergleich zu meinem Teamkollegen Vitaly Petrov noch recht sanft umgegangen bin. Mit Vitaly bin ich nämlich zum Schluss mal mitgefahren, und was der so aufgeführt hat, war gewaltig.

Der hat den Megane so hart rangenommen, dass die Bremsen zu heiß geworden sind, woraufhin er so extrem mit der Motorbremse gearbeitet hat, dass vorne die Räder blockiert haben und die Drehzahl auf über 8000 hochgesprungen ist... Wie das der Motor überstanden hat, weiß ich nicht – zeigt aber, dass Renault stabile Autos baut.

Das Rennen selbst war für die Zuschauer eine absolute Show, ich habe jedenfalls das Zuschauen genossen, vor allem der Dreikampf an der Spitze zwischen Lewis, Fernando und Mark war vom Allerfeinsten. Für uns bei Renault lief es nicht optimal, im Training und Qualifying haben wir zumindest gegenüber Silverstone besser ausgesehen – dort hatten uns die Reglementänderungen ziemlich getroffen. Aber im Rennen hat Nick gleich am Anfang Pech gehabt, während es für Vitaly wenigstens für einen Punkt gereicht hat.

Aber ich schaue jetzt schon ganz gespannt nach vorn, auf den Freitag in Ungarn, auf meine Premiere an einem offiziellen GP-Wochenende in diesem Jahr. Drückt mir die Daumen, dass was Gutes daraus wird!