Der Deutschland Grand Prix war für Jaime Alguersuari eine kleine Ernüchterung. Das lag weniger daran, dass er keine Punkte holte, sondern weil sich eine Erkenntnis in seinen Kopf schlich. "Als ich das Rennen beendet hatte, lächelte ich im Helm und sagte mir: 'Verdammt Jaime, du bist am Limit gefahren, du hast am Start alles gegeben und in den letzten Runden, als di Resta Druck machte, war es eine Herausforderung. Ich bin drei Zehntel vor einem Force India über die Ziellinie. Es war eine brutale Anstrengung... um den zwölften Platz zu holen.'"

Daraufhin meinte der Spanier zu sich, dass er eigentlich das Gleiche gemacht hatte wie in Monaco, als er sechs Runden vor Schluss Achter war und dann Lewis Hamilton traf, der bremste, um Adrian Sutil auszuweichen. Er hatte das Gleiche gemacht wie in Kanada, wo er Achter wurde, das gleiche wie in Valencia, wo er ebenfalls Achter wurde und das Gleiche wie in Silverstone, wo er Zehnter wurde. "Ich machte genau das Gleiche, aber es gab keine Umarmungen, kein Lachen, keine Punkte... mein Job war aber der gleiche."

Seele und Talent

Ein paar Stunden nach dem Rennen dachte er noch einmal an das Qualifying in Deutschland und konnte sich ein weiteres ironisches Lächeln nicht verkneifen. "Wie in jedem Qualifying können die stärksten Zehn im Feld die harten Reifen in Q1 verwenden, während die Fahrer, die darum kämpfen, sich dahinter einzuordnen, von Beginn an die weichen Reifen nutzen müssen. Ich sagte mir: 'Gott, Jaime, das ist eine WM aus Ingenieuren und Geld.' Ich kann nur meine Seele, mein Talent und meine Entschlossenheit einsetzen, deswegen kann ich mich nicht beschweren, denn mein Team und meine Ingenieure bei Toro Rosso haben toll gearbeitet, um mir das bestmögliche Auto zu geben. Außerdem hatten wir eine gute Strategie."

Ihm war klar, es muss vieles zusammenkommen, damit der Toro Rosso punkten kann und das war in Deutschland nicht der Fall. "Die Streckentemperatur war wirklich niedrig und die anderen Mittelfeld-Teams nutzten diese Bedingungen gut, das machte meine Zweistopp-Strategie weniger effektiv." Trotzdem war Alguersuari stolz auf sich, denn als er 19 Jahre alt war, dachte er, er könnte nie mit so viel Spaß und Können in der Formel 1 fahren. Vor zwei Jahren war er in Ungarn in die Königsklasse eingestiegen, ohne irgendeine Vorbereitung zu haben.

Fast zwei Jahre

Damals war er 15. geworden und dachte, er wisse nichts von der Formel 1. "Ich erinnere mich vor allem, dass ich glaubte, ich würde Zeit zum Lernen brauchen. Es werden nun fast zwei Jahre, seit ich in die Formel 1 gekommen bin, jetzt habe ich meinen 37. Grand Prix gefahren und es gibt immer noch Dinge, die mich überraschen", stellte Alguersuari fest.