Eigentlich hatte Pirelli nicht viel Zeit, als es sich auf den Wiedereinstieg in die Formel 1 vorbereitete. Erst im März vergangenen Jahres klingelte bei Motorsport Direktor Paul Hembery das Telefon und Bernie Ecclestone fragte, ob das Unternehmen ein Jahr später bereit wäre. Damals meinte Hembery, das wäre unmöglich, doch im Juni 2010 unterzeichnete Pirelli dann doch Verträge mit allen Teams und war plötzlich ab 2011 der Reifenlieferant für die Königsklasse. In acht Monaten musste alles auf die Beine gestellt werden, das bedeutete, die Motorsport-Fabrik in der Türkei musste umgerüstet werden und man musste ein passendes Team aus Logistikern und Ingenieuren aufbauen.

Vor allem das Anheuern der Mitarbeiter war schwierig, immerhin mussten sie ihre aktuellen Jobs aufgeben und ein neues Abenteuer beginnen. Doch es lief alles, in der Türkei wurden die Reifen gebaut, in Italien arbeitete Forschung und Entwicklung und in Großbritannien werkten die Logistiker und Strecken-Ingenieure in einem neuen Hauptquartier. Bis Februar musste alles fertig sein, zwischendurch wurde noch mit dem 2009er-Toyota getestet, denn außer dem Abu-Dhabi-Test gab es keine Möglichkeit, ohne Wettbewerbsverzerrung an ein aktuelles Auto zu kommen. Es wurde erst auf Bahrain, nach der Absage dann auf Melbourne als Saisonstart hingearbeitet.

Die Teams wollten etwas Anderes

Und obwohl alle mit Begeisterung dabei waren, gab es während der Tests immer Zweifler, immerhin hielten die Reifen nicht mehr solange wie die alten Bridgestones. "Die Veränderung war auch groß. Wir wollten uns zu einem strategischen Element für das Wochenende machen. Das machten wir nicht von uns aus, darum wurden wir gebeten. Bei den Meetings baten uns die Teams darum, die Herangehensweise an die Formel 1 zu ändern. Angeregt hat das Kanada 2010, so ein Wochenende wie dort wollten sie immer wieder haben. Das war aber eine große Abkehr von dem, was es in den Jahren davor gab", sagte Hembery.

Bei den Tests waren die Bedingungen nicht ideal, Foto: Mercedes GP
Bei den Tests waren die Bedingungen nicht ideal, Foto: Mercedes GP

Und dann fanden die Tests noch dazu bei kaltem Wetter statt, was die Sorgen noch erhöhte. Mittlerweile wird die Herangehensweise von Pirelli aber als positiv angesehen, zusammen mit KERS und dem verstellbaren Heckflügel DRS hat es eine kleine Überhol-Revolution gegeben. "Ich denke, letztendlich müssen wir zufrieden damit sein, was wir in der kurzen Zeit geschafft haben", meinte Hembery. Er gab zu, dass es für Pirelli viel leichter gewesen wäre, einen Reifen zu bauen, der ein ganzes Rennen hält, aber das sei eben nicht die Aufgabe gewesen.

Ob 100 oder 300 Kilometer ist für Straßenauto egal

Außerdem machte er sich keine Sorgen, dass der relativ rasche Abbau der Rennreifen negativ auf das Geschäft mit den Straßenreifen wirken könnte. "Ein Rennen ist nur 300 Kilometer lang, da ändert sich nicht viel. Ob der Reifen jetzt 100 oder 300 Kilometer hält, wird jemand im Straßenverkehr egal sein, er wird damit nicht zufrieden sein." Gleichzeitig versucht Pirelli, die Erkenntnisse aus diesem Jahr für 2012 umzusetzen, immerhin lernt der Reifenbauer immer dazu und versucht, die schwierige Balance zwischen nicht zu leicht und nicht zu schwer zu halten. Bei 20 verschiedenen Strecken und immer anderen Temperaturen steht dabei noch viel Arbeit bevor.

Niedrige Temperaturen und schlechtes Wetter dürften dieses Wochenende auf dem Nürburgring warten. Hembery freute sich trotzdem auf den Deutschland Grand Prix, denn die historischen Strecken in Europa sind für ihn immer etwas Besonderes. "Wenn man mit der Formel 1 herkommt, dann weiß man, es kommen viele Leute. Deswegen ist man dabei und will dabei sein. Das sind tolle Events, wo man die Leidenschaft der Fans, der Medien und der Fahrer hautnah erlebt. Das ist mit ein Grund, warum wir so viele Stunden arbeiten, um bei der Formel 1 dabei zu sein. Wir werden hier medium und soft Reifen bringen. So wie das Wetter aussieht, wird es aber mehr Regenreifen geben, was aber auch Aufregung und Interesse verspricht. Wir haben gesehen, dass die Regenrennen dieses Jahr spannend waren. Es wird aufregend", sagte Hembery.

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