"Das war heute eine Achterbahnfahrt. Ich lag irgendwo um den 20. Platz und habe versucht Anschluss an das Safety Car zu halten - zwanzig Runden später habe ich auf einmal das Rennen gewonnen. Ich kann gar nicht beschreiben wie ich mich fühle, ich kann nur grinsen", erklärte ein überglücklicher Jenson Button nach seinem Sieg in Kanada. "Insgesamt ist es einfach ein sehr besonderer Tag für mich - sich so vom letzten Platz durchzukämpfen und am Ende nochdas Rennen zu gewinnen ist unglaublich", freute sich der Brite.
"Diese Rennen mit wechselhaften Bedingungen sind immer sehr kniffelig, um auch richtig zu handeln - ich denke aber, dass wir es hingekriegt haben, auch wenn ich einige unplanmäßige Boxenstopps machen musste, weil Teile an meinem Auto beschädigt waren", so Button, der sich freute: "Wenn man jemanden mit Manövern auf der Strecke niederkämpft ist das toll und auch das Auto war heute großartig, besonders auf abtrocknender Strecke. Ich liebe diese Bedingungen, wenn man Grip finden muss, ohne zu wissen, wo er genau ist."
"Ich glaube nicht, dass ich heute irgendetwas hätte besser machen können. Es war ein unglaublicher Sieg, vor allem nach Monaco, wo ich schon dachte, dass wir den Sieg in der Tasche hatten. Aber scheinbar war das damals nicht unser Tag. Hier hatten wir am Ende dafür ein bisschen Glück, weil Sebastian einen Fehler gemacht hat", meinte der Champ von 2009, der anfügte: "Aber ich denke, dass wir es verdient haben."
Orangefarbenes im Rückspiegel

Auch sein Unfall mit Teamkollege Lewis Hamilton konnte die Freude über den Triumph nicht trüben. "Ich konnte gar nichts sehen - ich habe zwar etwas orangefarbenes im Rückspiegel gesehen, aber das hätte auch mein Heckflügel sein können. Das war das Problem, denn es ist die gleiche Farbe", erklärte Button in Bezug auf den Zwischenfall mit einem Schmunzeln. "Ich bin einfach auf meiner Rennlinie geblieben und dann habe ich einen Knall gespürt, der mich auch fast in die Wand gedrückt hätte. Das war offensichtlich das Ende für Lewis und ich dachte, das wäre es auch für mich", so Button.
"Natürlich sollte das unter Teamkollegen nicht passieren, aber wir wissen beide, dass es der Andere jeweils nicht mit Absicht gemacht hat. Ich habe mit ihm vor dem zweiten Teil des Rennens gesprochen und wir haben alles geklärt, es ist in Ordnung", versicherte der McLaren-Pilot. Angst vor dem Urteil der Rennleitung hatte er ohnehin nicht. "Ich bin bei so etwas immer ehrlich und mit den Fernseh-Aufnahmen kann ich ihnen auch gerne genau zeigen, was passiert ist", meinte Button gelassen.
Einfach nur den Sieg genießen
Über den neuen Stand in der Fahrer-WM, in der er nun Zweiter und damit erster Verfolger von Sebastian Vettel ist, wollte der Brite an diesem Tag auch noch nicht nachdenken. "Ich will das hier jetzt einfach nur genießen. Es ist schon eine Zeit lang her, dass ich letztes Jahr gewonnen habe und nun ist es ein sehr spezielles Wochenende", sagte der 31-Jährige. Glückwünsche wollte er dabei auch seinen Renn- und Dateningenieuren ausrichten, mit denen zusammen er zuvor noch kein Rennen hatte gewinnen können.
"Das war der beste Sieg meiner Karriere. Alle waren irgendwie speziell, doch dieser hier war einfach etwas ganz besonderes. Ich werde mich mein ganzes Leben lang daran erinnern, fast genauso wie an den Gewinn der Weltmeisterschaft damals", sagte der Weltmeister von vor zwei Jahren. Dass sein überraschender Triumph zum Teil aber auch den Neuerungen in der Königklasse geschuldet war, wusste er dabei trotzdem. Die neuen Regeln hätten ihm bei der Aufholjagd zweifelsfrei geholfen.
"Ohne KERS und das DRS wäre es für mich wohl sehr schwer geworden", gab der Brite im Nachhinein zu. Auch die Reifen hätten eine große Rolle gespielt und der McLaren würde hervorragend mit den Pirellis umgehen. "Auf den Trockenreifen konnte ich am Ende des Rennens voll angreifen. Ich war so am Limit als ich Vettel gejagt habe und manchmal hatte ich sogar das Gefühl, dass ich die Mauern ein paar Mal gestreift habe. Mehr ging einfach nicht", war sich der McLaren-Pilot sicher.
Noch lange ein breites Lächeln
"Insgesamt sechs Stopps einzulegen, einer davon eine Durchfahrtsstrafe, zwei davon, um Teile am Auto zu wechseln und einer davon eine Rennunterbrechung, ist einfach unglaublich. Es ist hier ja schon bei trockenen Bedingungen hart, aber im Regen und ohne Grip, ist es noch einmal schwieriger. Man steigt auf die Bremse und weiß überhaupt nicht, ob sich etwas tut, oder ob man sich verbremst und es geradeaus weitergeht", so Button.
An seine Chance, Vettel trotz der schwierigen äußeren Umstände, noch abzufangen, habe er bis zum Schluss geglaubt - das sei der Schlüssel zum Erfolg gewesen. "Am Ende dachte ich, es könnte für mich gerade so reichen, um auf der Gegengeraden mit dem DRS anzugreifen - aber soweit kam es dann ja gar nicht mehr und ich habe es nicht mehr gebraucht. Ich werde jetzt also noch einige Zeit lang ein sehr breites Lächeln auf den Lippen tragen", verriet der strahlende Sieger auf der Ile de Notre Dame.

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