Jenson Button kam in den Schlussrunden des Großen Preises von Kanada immer näher an den Führenden Sebastian Vettel heran. Zuerst musste er jedoch erst einmal an Mark Webber und Michael Schumacher vorbei. Als er freie Fahrt hatte schmolz der Vorsprung Vettels ebenso dahin, wie die Zeit die Button noch für die Aufholjagd blieb.

Dabei war es für den Briten enorm wichtig, vor der letzten Runde innerhalb des Zeitfensters für eine DRS-Attacke zu liegen, um seine Chance auf der langen Geraden vor dem Ziel zu wahren. Vettel spürte den Druck und war ihm letztendlich nicht gewachsen. Der Red-Bull-Pilot tat alles, um Button nicht nahe genug herankommen zulassen - dabei unterlief ihm vier Kurven vor Schluss ein Fehler, er rutschte zu weit von der Ideallinie und Button ging vorbei. Auf dem kurzen Stück ins Ziel ließ sich der Brite den Überraschungssieg vor dem Jubel der begeisterten Zuschauer nicht mehr nehmen.

Rennen war ein großer Kampf

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll - das waren hochemotionale drei Stunden", war Button nach der Zieldurchfahrt völlig aus dem Häuschen. "Erst der Zwischenfall mit Lewis - da habe ich im Spiegel einfach gar nichts gesehen, als er neben mir war", so der 31-Jährige, der anfügte: "Ich habe mich bei ihm entschuldigt." Danach sei das Rennen ein Kampf gewesen. "Ich habe eine Strafe wegen Speeding hinter dem Safety Car bekommen. Insgesamt musste ich drei oder vier Mal an die Box", resümierte der Weltmeister von 2009, der seinem Team für die harte Arbeit dankte.

Der Zwischenfall mit Teamkollege Hamilton war nur einer von vielen im unglaublichen Rennen des Jenson Button, Foto: Sutton
Der Zwischenfall mit Teamkollege Hamilton war nur einer von vielen im unglaublichen Rennen des Jenson Button, Foto: Sutton

Nach der langen Unterbrechung und dem Re-Start war Button auch noch in eine Kollision mit Fernando Alonso verwickelt, die das Aus für den spanischen Ferrari-Piloten nach sich zog. Zwar muss Button auf Grund dieses Vorfalls nach dem Rennen noch zum Rapport bei der Rennleitung, der Zwischenfall dürfte seitens der Kommissare aber wohl als normaler Rennunfall gewertet werden, genauso wie sein früheres Zusammenkommen mit Teamkollege Hamilton. "Ich habe mit Lewis gesprochen und wir sind uns einig - solche Zwischenfälle passieren einfach", so der McLaren-Fahrer.

Das Meisterstück eines Champions

"In den letzten Runden habe ich dann Sebastian gejagt. Er ist ein bisschen von der Ideallinie abgekommen und ich konnte ihn überholen. Das war einfach ein fantastisches Rennen, selbst wenn ich am Ende nicht gewonnen hätte", zog Button Bilanz und fügte an: "Ich hatte Riesenspaß und werde heute ganz sicher feiern. Ein paar gute Freunde sind hier, von denen einer gestern Geburtstag hatte. Auch Jessica ist hier und ich freue mich auf die Party."

Die Leistung des Engländers, der lediglich von Position sieben aus ins Rennen gestartet war und sich nach seiner Durchfahrtsstrafe zwischenzeitlich fast am Ende des Feldes befunden hatte, zog auch ein kräftiges Lob von Teamchef Martin Whitmarsh nach sich. "Wir wussten, dass wir Druck auf Sebastian ausüben mussten und dann hat er auch einen Fehler gemacht. Von Jenson war das wirklich das Meisterstück eines Champions", so Whitmarsh, der erklärte: "Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind."

Herzschlag bei 250

"Er hat das gesamte Feld aufgerollt. In den beiden letzten Runden war mein Herzschlag bei 250", so der McLaren-Chef. "Sebastian war in diesem Jahr noch nie so viel unter Druck und man hat gesehen, dass er absolut am Limit fährt, um Jenson hinten zu halten - doch der hat weiterhin Druck ausgeübt und das hat sich ausgezahlt", freute sich der Brite.

Die Kollision seiner beiden Piloten zu Beginn des Rennens konnte die Freude ob des Sieges auch nicht trüben. Zudem seien sich beide Fahrer einig, dass es sich um einen Rennunfall handele, bei dem sicher auch die choatischen Rennbedingungen eine Rolle gespielt hätten. "Da kann es schnell passieren, dass die Fahrer irrational reagieren und ihren Teamkollegen beschimpfen. Aber bei uns ist der Teamgeist stark und die beiden Fahrer verstehen gut genug, um auch das überstehen zu können", war sich Whitmarsh sicher.