Sebastian Vettel ist noch immer das Maß der Dinge in der Formel 1, doch die Rivalen haben Morgenluft geschnuppert. In Barcelona musste sich der Red-Bull-Pilot rundenlang gegen Lewis Hamilton verteidigen, in Monaco hatte es lange Zeit danach ausgesehen, als ob Fernando Alonso und Jenson Button den Sieg unter sich hätten ausmachen können. Für das anstehende Wochenende in Montreal hat sich vor allem der große Rivale McLaren einiges ausgerechnet.

Vettel kennt die Gründe für den Optimismus der Konkurrenz. "Wir wissen, dass unser Auto auf den langen Geraden nicht immer favorisiert ist", gestand der 23-Jährige. Spätestens der Spanien GP hat gezeigt, dass der McLaren-Speed auf der Geraden mindestens ebenbürtig ist. "Wir haben zwar einen Vorteil in den schnellen Kurven - aber davon gibt es hier nicht so viele", stellte Vettel weiter fest.

Pace in Ordnung

Trotzdem war Vettel zuversichtlich, dass der RB7 in Sachen Pace in Ordnung sein werde. Das Team um Adrian Newey habe ein paar neue Teile für den Boliden im Gepäck, verriet Vettel. Dabei handele es sich allerdings eher um kleine Schritte. Die meisten Teams vertrauen für den Kanada GP auf ein Low-Downforce-Paket, um den Streckenanforderungen gerecht zu werden. Vor allem den von Red Bull nicht so geliebten Geraden wird einiges an Aufmerksamkeit zukommen: Die FIA entschied, dass auf dem Circuit Gilles Villeneuve erstmals zwei DRS-Geraden eingerichtet werden.

Laut Vettel würde allerdings vor allem Zone 1 eine Rolle spielen. "Sie ist viel länger als die andere, das macht den großen Unterschied. Dort werden wir wirklich Überholmanöver zu sehen bekommen", glaubte der 23-Jährige. Die zweite Zone für den Einsatz des verstellbaren Heckflügels sei laut Vettel vielmehr ein Experiment. Experimentell wird es wohl auch in Sachen Reifen zugehen. Pirelli hat, wie schon in Monaco, die weiche und superweiche Mischung für die Teams parat.

Ein langer Weg

Aus vergangenen Rennen wusste Vettel zwar, dass der Abrieb auf der temporären Strecke stark war - doch wie sich die Pirelli-Mischungen auf dem Kurs verhalten, weiß noch niemand. "Ich denke, dass wir schon ein paar Stopps einlegen müssen", vermutete der Heppenheimer. "Ich weiß aber noch nicht, wie viele." Dazu müsse das Team erst einmal die Trainings abwarten. Dann könne man grob einschätzen, wie viele Sätze benötigt werden.

Vettel ist für das siebte Rennen der Saison zwar zuversichtlich, doch er wollte den Ball flach halten. Viele haben ihn schon als Weltmeister eingeplant, doch Vettel ruderte zurück. "Es wird auch Rennen geben, in denen wir Probleme bekommen", mahnte er. "Vielleicht mache ich einen Fehler oder das Auto geht kaputt. Es ist noch ein langer Weg." Ein Weg, den es taktisch klug zu bestreiten gilt. Denn in Rennen, wo es einmal nicht am Schnürchen läuft sei es besonders wichtig, trotzdem in die Punkteränge zu fahren auf dem Weg zur Titelverteidigung. "Dabei kann der gute Start aber nur helfen", schmunzelte Vettel.