Das Jahr 2011 war für Nick Heidfeld bisher ein stetiges Auf und Ab. Auch abseits der Tatsache, dass der Mönchengladbacher kein Renncockpit hatte, ging es im Jahr 2011 mit einem Schock los: Der schwere Rallye-Unfall seines Freundes und Ex-Teamkollegen Robert Kubica in Italien. Doch ausgerechnet aus dieser Tragödie entsprang für den 33-jährigen Familienvater die Chance, noch einmal in einem Top-Team in die Königsklasse zurückzukehren und er vertrat den verletzten Polen bei Lotus Renault GP.

Sportlich folgte dann wieder ein Tief. Beim Saisonauftakt gab es für Heidfeld mit einem stark beschädigten Boliden nichts zu holen, während ihm Teamkollege Vitaly Petrov die Show stahl und Dritter wurde. Doch Heidfeld drehte den Spies nur ein Rennen später wieder um und fuhr beim folgenden Grand Prix von Malaysia selbst auf das Podest. Auf den Höhenflug folgte der nächste Rückschlag. In China verpatzte Lotus Renault kollektiv das Qualifying. Punkte konnte Heidfeld im Rennen daher keine holen. So ein bisschen ist diese Achterbahn also Sinnbild für das bisherige Jahr des Nick Heidfeld. Zufrieden ist der Deutsche mit dem bisherigen Saisonverlauf aber dennoch.

Besonders angetan haben es dem Lotus-Piloten die neuen Pirelli-Reifen, die für sichtlich mehr Spannung auf der Strecke sorgen. "Ich habe Pirelli auch vorher keine Skepsis entgegengebracht", beteuerte Heidfeld. "Vielleicht auch, weil ich an der Entwicklung der Reifen beteiligt war und wusste, wie wenig Zeit Pirelli zur Verfügung hatte", erklärte der Deutsche. "Das Ziel war es, mehr Boxenstopps zu generieren, um die Rennen spannender zu machen. Die Reifen haben sich bislang gehalten, sind konstant von einem Satz zum anderen", so Heidfeld, der hinzufügte: "Ich glaube, einen besseren Job hätten sie in der Kürze der Zeit nicht machen können."

Überholen ist zu einfach

Nicht ganz so begeistert war der 33-Jährige hingegen von den technischen Neuerungen und dem verstellbaren Heckflügel, der das Überholen erleichtert. "Wenn man sich die Anzahl der Überholmanöver anschaut, ist es vielleicht sogar das Extremste, was ich seit langem in der Formel 1 gesehen haben. Manchmal war es vielleicht etwas zu einfach. Wenn man in der Vergangenheit ein Überholmanöver geschafft hat, war es meistens auf der letzten Rille und das war etwas Besonderes. Und jetzt?", fragte Heidfeld kritisch. "Wenn einer alte Reifen hat, der andere frische, dann fährt er außen rum, innen rum, eingangs oder ausgangs der Kurve - wo auch immer - einfach vorbei", meinte der Mönchengladbacher etwas enttäuscht.

Bisheriger Saisonhöhepunkt - in Malaysia schaffte es Nick Heidfeld neben Jenson Button und Sebastian Vettel aufs Podest, Foto: Sutton
Bisheriger Saisonhöhepunkt - in Malaysia schaffte es Nick Heidfeld neben Jenson Button und Sebastian Vettel aufs Podest, Foto: Sutton

Auf die Leistung seines eigenen Teams angesprochen war der Lotus-Fahrer schon etwas zuversichtlicher gestimmt. "Über die Saison hatten wir ein paar kleinere Probleme. Wir können uns in allen Bereichen und Belangen noch verbessern. Ich bin ja noch recht neu beim Team dabei und ich glaube, dass wir noch Potenzial haben, uns zu steigern", meinte er optimistisch. Das Ziel sei es, weiterhin gute Ergebnisse und Podestplätze einzufahren. "Unser Team hat das zweimal geschafft in drei Rennen. Also, die Chance ist da, auch wenn das eine oder andere Team noch schneller ist als wir. Speziell Red Bull und McLaren sind da noch etwas voraus. Doch wenn alles optimal läuft, könnten wir schon dahinter kommen", erklärte Heidfeld gegenüber RTL.

Außer Reichweite sei auch die Konkurrenz noch nicht. "Nach dem ersten Rennen haben einige gesagt, es wird ein Durchmarsch von Sebastian und Red Bull. Aber wenn man sich die letzten Jahre anschaut, ist ein solcher Durchmarsch wirklich selten", meinte der Lotus-Pilot. "Speziell McLaren hatte in den letzten Jahren leider oft ein bisschen hinten angefangen und sich dann schnell und sehr stark steigern können. Wenn sie die Entwicklungsgeschwindigkeit der Vorjahre halten, werden sie ein Ernst zu nehmender Gegner sein", lautete die Prognose des Deutschen für den weiteren Saisonverlauf.

Doch nicht nur McLaren könnte Vettel und Red Bull den zweiten Titel in Folge noch streitig machen. "Ich hoffe, dass auch ein paar andere Teams und auch wir in der Lage sein werden, ganz, ganz vorne mitzukämpfen", ließ Heidfeld verlauten. Dabei wollte er auch seinen Ex-Arbeitgeber Mercedes nicht vergessen, für die er im Vorjahr als Testpilot im Einsatz war. "Ich glaube, das Potenzial, aufs Podium zu fahren, haben sie ganz klar - vom Team her, von beiden Fahrern her und definitiv auch von dem jetzigen Auto. In China hätte nicht viel gefehlt, und der Nico wäre aufs Podest gefahren", glaubte der 33-Jährige und fügte an: "Da haben Sie schon einen guten Speed an den Tag gelegt."