Welche Veränderungen wurden am Motor für 2011 vorgenommen?
Luca Marmorini: Die Motorenentwicklung ist immer noch eingefroren, daher waren direkte Eingriffe, die sich auf die Leistung der Aggregate auswirken, nicht möglich. Wir arbeiten aber dennoch hart daran, die Zuverlässigkeit zu verbessern und auch die Kosten zu reduzieren. Was die Haltbarkeit betrifft, arbeiten wir auch an der Pneumatik, da diese 2010 einige Probleme verursacht hat. Zusätzlich haben wir dieses Jahr das KERS wieder, das natürlich zu gravierenden Änderungen im vorderen Teil des Motors geführt hat. Es gibt ein neues Verbindungselement mit dem KERS, eine neue Kurbelwelle und wir haben die Kühl- und Ölsysteme etwas verändert.

Was ist an KERS nach der Auszeit neu?
Luca Marmorini: Das 2011er KERS muss genau den gleichen Regularien unterliegen, wie schon 2009. Deshalb gibt es die gleichen Leistungs- und Energie-Level. Basierend auf der Erfahrung von 2009 haben wir aber versucht die Effizienz zu erhöhen, gleichzeitig aber die Größe und das Gewicht zu reduzieren. Wir haben bei Ferrari auch stark auf die Budgetgrenze geachtet und daher alle Kosten, die die Entwicklung des Systems betreffen reduziert und die Kosten der Betreibung analysiert. Das KERS soll auch für die kleinen Teams finanzierbar sein.

Kundenteams können das Ferrari-KERS auch einsetzen. Ist das ein Vorteil?
Luca Marmorini: Mehr Tests auf der Strecke sind immer ein Vorteil. Es ist ein positiver Aspekt, die Partnerteams konstruktiv nutzen zu können und mit KERS zu üben. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir nur ein paar Testsessions im Jahr und vor dem Saisonstart haben. Also ist es definitiv von Vorteil, wenn es noch ein zweites Team zur Entwicklung gibt.

Wie haben Sie sich auf die Arbeit in dieser Saison vorbereitet?
Luca Marmorini: Wie immer gemeinsam. Es gibt viel Arbeit und viele Aktivitäten. Wir haben viele Long-Runs simuliert, aber dieses Jahr ist es noch schwieriger, weil wir die Long-Runs mit dem Motor, dem KERS und dem neuen Getriebe machen müssen. Also haben wir uns sehr gut vorbereitet und glauben, dass wir zu Saisonstart eine gute Haltbarkeit aufweisen sollten.

Wurde etwas am Spritverbrauch geändert?
Luca Marmorini: Der Spritverbrauch ist einer der wichtigsten Aspekte was die Leistung am Ende betrifft. Man muss dieses Jahr auch miteinbeziehen, dass KERS Platz haben muss. Wenn man also einfach ein längeres und breiteres Auto baut, wirkt sich das natürlich schlecht auf den Verbrauch aus. Daher war das im Winter unser Hauptaugenmerk und es war ein Vorteil, dass wir mit Shell so einen langjährigen Partner für die Spritfragen haben.

Glauben Sie, dass die Kombination aus KERS und dem beweglichen Heckflügel wirklich Überholmanöver fördern wird?
Luca Marmorini: Auf dem Papier und in unseren Simulationen bisher schon. 2009 haben wir ja bereits gesehen, dass KERS viel Vorteil gebracht hat - wenn auch vielleicht nicht systematisch durch Überholmanöver. Die Möglichkeiten aerodynamischen Widerstand zu reduzieren, verbunden mit den zusätzlichen PS die das KERS bringt, sollten sicher einen Unterschied ausmachen. Da das davor fahrende Auto das so nicht nutzen kann, sollte es das Überholen erleichtern.

Eine letzte Frage: Fühlen Sie sich persönlich dazu verpflichtet dieses Jahr zu gewinnen?
Luca Marmorini: Sicherlich - verpflichtet und beflügelt.