Bei Ferrari ist man nach wie vor mit der Aufarbeitung des verlorenen WM-Titels in Abu Dhabi beschäftigt. Teamchef Stefano Domenicali versucht dabei, dem Team die positiven Dinge der abgelaufenen Saison vor Augen zu führen, auch wenn er weiß, dass das Ende klarerweise negativ war. "Was passiert ist, war eine negative Episode, aber das kann die ganzen guten Dinge, die wir während der Saison gesehen haben, nicht ausradieren. Dass wir bis zum Ende um den Titel mitkämpfen konnten, lag an der tollen Arbeit, mit der wir bereits Ende des vorigen Jahres begonnen hatten. Es lag auch an unserem Zusammenhalt und der Fähigkeit, zu reagieren, die wir in den schwierigsten Momenten der Saison gezeigt haben", betonte Domenicali.
Er wollte den Vergleich zum Fußball bemühen, wo es bei Gleichstand im Finale der Weltmeisterschaft zum Elfmeterschießen geht. Wenn alle fünf Elfmeter getroffen werden, sei man der Held, werde verschossen, sei man der Verlierer. "Es ist einfach, jene zu verfluchen, die ihren Strafstoß am letzten Tag der Weltmeisterschaft verschießen, aber vielleicht hat jemand schon beim ersten Match ein unnötiges Tor zugelassen. Die Punkte zählen immer gleichviel, egal ob es der Anfang oder das Ende der Saison ist", erklärte der Teamchef. Er wollte vor allem daran erinnern, dass Ferrari gegen ein Auto kämpfen musste, das besser als das eigene war. In Abu Dhabi habe man Red Bull ein Geschenk gemacht, die Weltmeisterschaft sei aber nicht nur dort verloren worden, meinte er.
Stolz auf das Erreichte sein
"Ich könnte andere Rennen nennen, wo wir wichtige Punkte liegen ließen - und da zähle ich Grands Prix wie Valencia und Silverstone nicht dazu, die einfach unglückliche Episoden waren. Wir haben in den vergangenen zwölf Monaten so hart gearbeitet und die Ergebnisse waren erkennbar. Wir müssen stolz darauf sein, was wir erreicht haben, auch wenn es klar ist, dass wir auch die ersten sind, die unglücklich darüber sind, nicht gewonnen zu haben", sagte Domenicali. Einige Bereiche, die sich verbessern lassen, hat er schon ausgemacht. An erster Stelle steht dabei die Leistung des Autos, die nach seiner Ansicht besser werden muss. Die Ingenieure wüssten das und daher erwartete der Teamchef auch eine passende Reaktion.
Bei der Zuverlässigkeit sah er hingegen schon Fortschritte und die Motorsorgen, die es zu Beginn des Jahres gab, seien gut gelöst worden. "Wer die Formel 1 kennt, weiß, wie schwierig es ist, so viele Jahre an der Spitze zu bleiben - fragt nur das Team, das voriges Jahr dominierte [Brawn GP/MercedesGP] und dieses Jahr nichts gewann. Oder fragt die Herstellerriesen dieser Welt, die sich mit viel Mühe an diese Herausforderung machten und sie aufgrund fehlender Resultate wieder aufgaben. Wir waren beinahe eineinhalb Jahrzehnte an der Spitze - in den vergangenen 14 Jahren haben wir viele Titel geholt. Wir haben 107 Siege aus 242 Grands Prix geholt und die Änderungen im Team Management waren immer klein. Die Leute, die heute in den wichtigsten Positionen sind, sind schon viele Jahre bei Ferrari und haben viel gewonnen", beteuerte Domenicali.
Dank an Alonso
Statisch sei Ferrari deswegen aber nicht, der Teamchef sah sogar eher das Gegenteil. Man wisse, man müsse sich in einigen Bereichen verbessern und durch Neuverpflichtungen wie etwa Pat Fry, der stellvertretender technischer Direktor wird, habe man die Strukturen verbessert. Zudem betonte Domenicali, dass man wissen müsse, wie man Siege und Niederlagen akzeptiere. "Jeder, der in diesem Bereich arbeitet, weiß das. In diesen Momenten wissen die wahren Sportsmänner, wie sie ihre Energie nutzen, um von neuem zu starten und mit Einsatz und Entschlossenheit in die Zukunft zu blicken. Zuletzt möchte ich noch einmal Fernando [Alonso] für alles danken, was er in seinem ersten Jahr bei uns getan hat. Wir kannten sein Talent, aber die Chance zu haben, dass er in unserem Team ist, hat uns seine Qualitäten als Mensch und Anführer klar vor Augen geführt. Ich kann verstehen, was er die letzten Tage durchgemacht hat und der Fehler, den das Team gemacht hat, tut mir sehr leid."

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