1. Warum schied Vettel aus?

Es gab keine Anzeichen, ohne Vorankündigung platzte Sebastian Vettels Renault-Motor. "Mitte Kurve 14 habe ich die erste Zylinderbankreihe verloren und bin dann zwei Kurven nur mit vier Zylindern gefahren. Ich hatte starke Vibrationen und es war nur mehr eine Frage der Zeit, bis die zweite Reihe flöten gehen würde", erklärte Vettel. Der Schaden an sich stellt für den Red-Bull-Piloten kein Problem dar, da er in Brasilien sowieso einen neuen Motor bekommen hätte.

"In dem Moment, in dem ich gemerkt habe, dass der Motor hochging - das war Ausgang der letzten Kurve - habe ich mir erst auf die Zunge und dann ins Lenkrad gebissen", so Vettel. Renault entschuldigte sich für den Defekt. Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko: "Es war unser erster Motorschaden dieses Jahr. Der Motor war bei ungefähr 1.600 Kilometer Laufleistung, normalerweise halten die Motoren 2.000 oder 2.100 Kilometer. Es scheint etwas im Ventilbereich kaputtgegangen zu sein." Einen derartigen Schaden hatte es bislang noch nicht gegeben.

2. Warum schlug Webber in die Wand ein?

Alles sah nach einem Red-Bull-Doppelsieg aus, dann klebte Mark Webber plötzlich in der Mauer. "Ich kam durch die Kurven elf und zwölf und berührte außen den Kerb. Dabei habe ich das Auto verloren", gestand Webber seinen Fehler. "Ich knallte in die Wand, zwar nicht sehr schwer, aber ich rutschte auf die andere Seite der Strecke, wo Nico mich traf."

Der Mercedes-Pilot konnte dem Australier nicht mehr ausweichen. "Normalerweise steigt man da in die Eisen, damit man sich nicht weiterdreht, weil das Auto ohnehin kaputt ist", kritisierte Rosberg. "Ich habe die falsche Ecke gewählt, ihn erwischt und das war das Ende." Christian Danner nahm Webber zumindest für den zweiten Teil des Unfalls in Schutz: "Webber konnte nichts dafür. Er hatte nur noch drei Räder, dann kann er nicht bremsen, weil kein Druck mehr im System herrscht."

3. Warum griff Vettel selbst zum Feuerlöscher?

Wie sich die Bilder doch gleichen können: In Singapur löschte Heikki Kovalainen seinen brennenden Lotus, in Korea griff Sebastian Vettel selbst zum Feuerlöscher, um die Flammen aus dem Heck seines Red Bull zu ersticken. "Man weiß als Fahrer besser, wo man reinhalten muss, um das Feuer zu löschen als ein Koreaner, der das Auto zum ersten Mal sieht", so Vettel.

Mark Webber schmiss sein Auto weg -, Foto: Sutton
Mark Webber schmiss sein Auto weg -, Foto: Sutton

Den Gedanken, durch seinen Ausfall eine weitere Safety-Car-Phase auszulösen, hatte er nicht. "Man muss zwar eine Drecksau sein, aber nicht so sehr. Wenn es andersherum gewesen wäre, will man auch nicht, dass der eine Pilot das Auto so abstellt, das wieder das Safety Car herauskommt und was hätte es mir auch gebracht?"

4. Wer war schuld: Glock oder Buemi?

Timo Glock fuhr in Korea ein starkes Rennen und machte sich Hoffnungen auf eine gute Platzierung um Platz 12 herum. Schnellere Fahrer wie Vitaly Petrov ließ er sogar kampflos vorbei, um keine Kollision zu riskieren. "Ich hatte mir sogar schon überlegt, auch Sebastien Buemi vorbeizulassen. Aber soweit sind wir nicht gekommen", so der enttäuschte Glock. Denn: Buemi schoss ihn bei einem Überholversuch ab.

"Er hat ein bisschen zu spät gebremst, das Auto verloren und ist mir dann reingeschossen", schilderte Glock die Situation, die beider Rennen beendete und Buemi eine Strafversetzung um 5 Plätze für Brasilien einbrachte. Der Schweizer sah die Situation so: "Ich war viel schneller als Timo und wollte ihn überholen. Ich probierte, innen zu bremsen, aber erst blockierten die Vorderräder, dann die Hinterräder. Dann habe ich das Auto auf der Bremse komplett verloren."

Während Buemi den Unfall nicht ganz auf seine Kappe nehmen wollte, hatte Christian Danner eine klare Meinung: "Es war komplett Buemis Schuld. Wenn du überholen möchtest, musst du das Auto auch gerade halten können."

5. Warum war Button so langsam?

Theoretisch kann Jenson Button noch immer Weltmeister werden, aber sein Rückstand lässt dies realistisch betrachtet nicht mehr zu. In Korea war er der langsamste der fünf Titelanwärter. "Ich hatte einfach keinen Grip und war so langsam", so Button, der sich auch Michael Schumacher im Mercedes geschlagen geben musste.

"Ich war wohl der Langsamste auf der Strecke", klagte Button. "Ich hatte Probleme mit blockierenden Vorderrädern. Sobald ich auf die Bremse stieg, blockierten die Reifen. Jedes Mal, wenn ich auf eine Kurve hin bremste, ging es geradeaus, weil ich das Auto nicht stoppen konnte." Dabei hatte er die Bremsbalance ohnehin schon ganz nach hinten gestellt.

Auch seine Regenreifen bauten viel zu schnell ab, weswegen er früh auf Intermediates wechselte und im Verkehr stecken blieb. "Das Setup, das wir hatten, war auch etwas ungewöhnlich. Keine Ahnung, in welche Richtung das gehen sollte."

6. War die Sicht gegen Rennende zu schlecht?

Es wurde immer finsterer in Yeongam -, Foto: Sutton
Es wurde immer finsterer in Yeongam -, Foto: Sutton

Zu Rennbeginn waren sich alle Piloten einig: Die Sicht war in der Gischt so schlecht, dass sie kaum den Vordermann sehen konnten. Ein Start war nicht möglich. Durch die Verzögerungen und vielen Safety-Car-Einsätze verschob sich das Rennende in die Dämmerung. "In den letzten Rennrunden fand ich die Sicht wieder sehr, sehr schlecht", sagte Kamui Kobayashi. "Diesmal nicht wegen Gischt, sondern aufgrund der Dunkelheit."

Sebastian Vettel forderte via Boxenfunk sogar, dass das Rennen abgebrochen werden sollte. "Ich hatte zum Schluss echt Schwierigkeiten die Bremspunkte zu sehen. Ich hatte auch noch getönte Visiere drauf. Es wurde immer schwieriger", verriet Vettel. Ein Abbruch hätte ihm den Tag gerettet, denn zehn Runden vor Schluss fiel er mit Motorschaden aus. "Jetzt ist klar, dass uns der Abbruch etwas gebracht hätte, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Zweifel, dass ich die zehn Runden überstehen könnte."

Lewis Hamilton sah das übrigens während des Rennens anders. Sein Team fragte bei ihm über Funk nach, ob die Sicht zu schlecht sei und er antwortete: "Die Sicht ist gut!" Nach dem Rennen sah der Brite dies jedoch ganz anders: "Es war absolut dunkel, ich konnte nicht viel sehen und meine Reifen waren am Ende." Auch Jenson Button sagte: "Das Rennen hätte früher gestoppt werden müssen, denn es war viel zu dunkel, um ein Formel-1-Auto zu fahren."

7. Warum flog Petrov ab?

Plötzlich krachte es und Vitaly Petrov wickelte seinen Renault um die Reifenstapel. Wie viele Fahrer kämpfte der Russe in den Schlussrunden mit abgefahrenen Reifen. "Ich wechselte in Runde 20 früh auf Intermediates, die zu diesem Zeitpunkt dann schon sehr abgenutzt waren", erklärte Petrov. "Ich gab noch immer alles, um die Jungs hinter mir zu halten und dabei verlor ich in der vorletzten Kurve die Kontrolle über das Auto." Er selbst blieb unverletzt. "Aber natürlich bin ich enttäuscht, dass ich in der Mauer und nicht in den Punkten landete."

8. Warum wurde Sutil bestraft?

Adrian Sutil gilt als Regenspezialist. Doch in Korea erwischte er einen rabenschwarzen Tag. "Das war ein Rückfall in alte Fehler", kritisierte Christian Danner. "Er war eigentlich schnell, aber bei jedem Überholmanöver hat er sich vertan. Irgendwann musste es krachen."

Sutil hatte mehr als nur einmal Feindkontakt, auch Jenson Button drängte er bei einer Aktion neben die Strecke. "Er war heute etwas verrückt und fuhr einige Autos von der Strecke. Ich weiß nicht, was er sich dabei dachte", klagte Button. Sutil beschwerte sich seinerseits über Bremsprobleme, die es ihm verunmöglichten, konstant zu fahren. "Am Ende habe ich versucht Kobayashi zu überholen, aber ich verlor das Auto auf einem etwas nasseren Fleck und berührte ihn."

Fernando Alonsos Boxenstopp kostete ihn fast den Sieg -, Foto: Sutton
Fernando Alonsos Boxenstopp kostete ihn fast den Sieg -, Foto: Sutton

Sutil flog aus dem Rennen, Kobayashi konnte weiterfahren. Die Stewards bestraften Sutil dennoch mit einer Strafversetzung um 5 Plätze im nächsten Rennen und 10.000 Dollar Geldstrafe. "Als mich später Adrian (Sutil) angriff, bin ich auf der Innenbahn geblieben, ich habe die Seite nicht gewechselt", so Kobayashi. "Ich habe ihn im Spiegel gesehen und hatte den Eindruck, er könnte nicht bremsen."

9. Warum verspielte Hamilton den Sieg?

Nach Fernando Alonsos verpatztem Boxenstopp (vorne rechts ging eine Mutter verloren) übernahm Lewis Hamilton den zweiten Platz hinter Sebastian Vettel - vor dem späteren Sieger Alonso. Doch beim Re-Start rutschte Hamilton in Kurve 1 von der Bahn und musste weit durch die Auslaufzone fahren.

"Ich hatte Probleme mit den Bremsen, sie blockierten vorne und hinten", erklärte Hamilton, dessen Reifen am Schluss völlig am Ende waren. "Es war beinahe so wie 2007 [in China]. Nicht mehr viele Runden und es wäre gleich gewesen und ich hätte an die Box gemusst." Trotzdem hätte er sich wohl vor Alonso halten können. Denn auch der Spanier kämpfte mit stark heruntergefahrenen Intermediates.