Es gibt wohl keinen Formel-1-Piloten oder Rennfahrer, der nicht gerne in Spa fährt. Alle lieben sie Eau Rouge, Blanchimont & Co - sogar im schlimmsten Regen. Auch am Freitag waren die Fahrer heiß darauf, sich auf der Ardennenachterbahn zu vergnügen und zu beweisen. Aber sie durften es nicht, jedenfalls nicht so oft und so lange, wie es ihnen lieb gewesen wäre.

"Wir haben leider nicht genügend Reifen", gab Sebastian Vettel die ernüchternde Erklärung für den geringen Fahrbetrieb in den beiden nassen Trainings. Tatsächlich stehen jedem Fahrer für das gesamte Wochenende von Freitag bis Sonntag nur vier Sätze Intermediates und drei Sätze Regenreifen zur Verfügung. "Durch das Reglement sind wir in diesen Dingen etwas eingeschränkt", so Vettel. "Ansonsten könnten wir einige Sachen austesten, aber keiner will unnötig Reifen verschwenden."

Sparen am falschen Fleck

Diese Aussage zog sich wie ein roter Faden durch die Statements der Piloten. "Ich bin absichtlich nicht viele Runden auf den Regenreifen gefahren, weil ich sie nicht zerstören wollte", erklärte Jenson Button. Das könne man sich nicht leisten. "Das ist wirklich ein Problem", bestätigte Pedro de la Rosa. "Wir haben heute einen Satz Regenreifen und einen Satz Intermediates verbraucht. Jetzt stecken wir fest, denn mehr dürfen wir nicht verwenden." Sonst fehlen die Reifen im Qualifying oder im Rennen.

Der Spanier fordert deshalb: "Uns sollten mehr Regenreifen und Intermediates für so ein Wochenende zur Verfügung stehen." Doch die Limitierung hat einen Grund: Reifenhersteller Bridgestone möchte nicht mehr Reifen zu den Rennen mitbringen, um unnötige Kosten zu verhindern - denn wann werden so viele Regenreifen schon gebraucht? De la Rosa dreht den Spies um: "Wir wollen fahren und die Zuschauer wollen uns fahren sehen. Es ist schade, dass wir in der Garage abwarten müssen, bis es trocken ist."

Die Regenreifen bauen in Spa zu stark ab, Foto: Sutton
Die Regenreifen bauen in Spa zu stark ab, Foto: Sutton

Das gleiche Bild erwartet die ohnehin nicht zu beneidenden Zuschauer auf den nassen und kalten Tribünen am Samstagvormittag im 3. Training. "Dann werden wir etwas weniger fahren, um Reifen zu sparen", sagt Norbert Haug voraus. Für de la Rosa bedeutet dies, dass an der falschen Stelle gespart wird. "Wir müssen den Zuschauern mehr bieten und das können wir nur, wenn wir auf der Strecke fahren. Wenn wir Reifen sparen müssen wie morgen, dann ist das nicht der richtige Weg."

Schlechte Haltbarkeit

Aber nicht nur die reine Anzahl der Regenreifen ist ein Problem, auch die Haltbarkeit der wenigen verfügbaren Reifen ist alles andere als gut. "Die beiden Regenreifen geben beide sehr schnell auf", klagte Nico Hülkenberg. "Die Mischungen sind einfach zu weich und leben hier nicht lange." Die schnellen Kurven in Spa fordern Opfer, gerade bei den stark belasteten Vorderreifen.

Das könnte im Laufe des Wochenendes noch ein großes Problem werden. "Wenn es morgen nass bleibt, haben wir vielleicht gar nicht genug Sätze, um am Sonntag zu fahren", sagt Hülkenberg. "Es kann sehr kritisch werden, vielleicht fährt man dann nur eine Runde im Qualifying oder es gibt mehr Reifen von Bridgestone. Ich weiß es nicht."

Adrian Sutil bemerkte das gleiche Problem in anderer Ausprägung. "Der Regenreifen ist noch besser als der Intermediate", sagt der Force-India-Pilot. Der Intermediate hielt bei ihm vier Runden, im ersten Run gab er sogar schon nach drei Runden nach. Ähnlich verhielten sich die Reifen schon im Regenrennen in Shanghai. "Dort brauchte es viele Stopps, weil die Reifen einfach nicht durchgehalten haben." Diesmal könnten im Rennen jedoch nicht mehr genügend Reifen für viele Stopps übrig sein.

Sutil verwendete am Freitag nur einen Satz pro Reifensorte, um für das Qualifying und Rennen gut gerüstet zu sein. Der Spannung kommt das zugute. "Man muss damit leben, was man hat", so Sutil. "Man hat nicht so viele Runden, die man fahren kann und das macht es auch wieder interessanter, weil die Vorbereitung nicht hundertprozentig ist. Man muss in der Lage sein, sich superschnell an die Bedingungen zu gewöhnen. Ich denke, das ist ganz interessant."