Die Rennplätze zwei und vier waren mehr, als sich Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali nach dem Qualifying in Ungarn erwartet hatten. Denn Red Bull hatte das Zeittraining dominiert und war auch im Rennen klar schneller. "Red Bull war heute in einer anderen Welt und viel zu stark für uns. Im zweiten und dritten Sektor sind sie geflogen. Wenn wir so eine Leistungslücke sehen wie dieses Wochenende, ist dieses Ergebnis das Maximum, das wir erreichen konnten", sage Domenicali.

Wie es kommen konnte, dass der Unterschied zwischen Ferrari und Red Bull seit Hockenheim vor einer Woche so stark gewachsen ist, konnte der Teamchef recht einfach erklären. Da war der Abtrieb, bei dem der RB6 viel besser ist als der F10. Und der Hungaroring ist eine Strecke, die maximalen Abtrieb verlangt. "Hier muss man nur in den ersten Kurven stark bremsen und Richtungsänderungen machen, bei denen unser Auto stark ist. Hier gibt es konstant schnelle und geschmeidige Kurven, wo ein guter Abtrieb den Unterschied macht. Mit dem Speed von Red Bull könnten wir hier nie in eine Kurve rein. Wenn wir das während des Wochenendes oder heute versucht hätten, wären wir rausgeflogen", erklärte er.

Chancen nutzen

Daher kam es für Domenicali nun vor allem darauf an, mehr Abtrieb zu finden, allerdings wollte er auch sehen, wie es auf Strecken wie Spa und Monza aussieht. "Schauen wir, wie es sich auswirkt, dass die Strecken eine andere Aero-Konfiguration verlangen und einen anderen Charakter haben." Da es aber nicht einfach wird, auf Red Bull aufzuholen, wollte er auch schauen, dass Ferrari weiter das maximal mögliche holt. "Bei einigen Rennen, wie in Spanien oder der Türkei, konnten sie mehr als eine Sekunde schneller sein. Ich denke, hier war das Maximum [an Vorsprung]. Wir mussten es ausnutzen, als in Kanada, Valencia oder Silverstone die Lücke viel kleiner war. Es ist unser Ziel, sie einzuholen, aber das wird nicht einfach. Damit wir um die WM kämpfen können, müssen wir bei der Entwicklung das Maximum rausholen und an den Wochenenden die maximalen Punkte holen."

Und entwickelt wird natürlich auch noch. Für Spa wird Ferrari einige Updates bringen, die den speziellen Abtriebs-Anforderungen der Strecke entgegenkommen, für Monza haben die Teams ohnehin immer eigene Niedrig-Abtriebs-Pakete. Wie gut das Spa-Paket hilft, konnte Domenicali aber noch nicht abschätzen. "Wir werden sehen, ob es genügt, um die Lücke zu schließen. Ich werde am Freitagabend in Spa ein Gefühl dafür haben."