Zwar war nach den Freitags-Trainings in Silverstone ein generell positiver Tenor bei den Fahrern zum neuen Layout der Strecke zu vernehmen, es gab aber durchaus den einen oder anderen kritischen Zwischenton. Vor allem die Bodenwelle in Kurve elf hatte den Piloten nicht besonders viel Spaß gemacht. "Es ist, als würde man vom Stuhl fallen. Ich bin etwas überrascht, eigentlich ist es ein neuer Streckenteil, aber er hat doch recht heftige Bodenwellen drin", erklärte Sebastian Vettel. Generell fand er aber, dass sich die neuen Kurven gut ins Gesamtbild einfügten. "Es ist gar nicht so langsam, wie es aussieht. Es ist recht flüssig, aber es passt nicht zum alten Silverstone, eine so langsame Kurve zu haben."

Die langsamen Kurven hatten auch Adrian Sutil nicht so besonders gut gefallen. "Die langsamen Kurven sind sehr schwierig, es gibt da sehr wenig Grip. Man kann sich leicht verbremsen und den Scheitel verpassen. Auch die Kombination ist nicht einfach. Ansonsten ist es schon ganz gut gelungen", erklärte er. Ein wenig fühlte er sich im neuen Streckenteil aber an die Retortenkurse neuer Machart erinnert.

Von Bahrain gewohnt

"Es ist alles etwas eckig und winklig. So sind wir es eigentlich von Bahrain und solchen Strecken gewohnt. Zum Glück ist der erste Sektor noch unverändert", sagte der Deutsche. Spaß hatte er aber doch gefunden, denn Kurve elf war gerade wegen der Bodenwelle eine Mutkurve für ihn. "Normalerweise gibt es das im Kalender nicht mehr und diese Bodenwelle wird im Fahrer-Briefing wahrscheinlich ziemlich diskutiert werden. Auf der anderen Seite macht sie aber alles etwas interessanter."

Fernando Alonso hatte es gefallen, Foto: Sutton
Fernando Alonso hatte es gefallen, Foto: Sutton

Ein Anhänger des Arena-Komplexes war Fernando Alonso, der sich abgesehen von der Bodenwelle sehr angetan vom neuen Abschnitt zeigte. "Die neue Strecke ist besser, sie bringt den Fahrern mehr Spaß und ist auch sicherer. Ich mag den neuen Streckenteil und ich denke, wir werden auf dem neuen Layout am Sonntag eine gute Show zeigen." Ein wenig anders sah es sein Ferrari-Teamkollege Felipe Massa, der ein wenig enttäuscht war, da er sich mehr Überholmöglichkeiten durch den neuen Sektor erhofft hatte.

Besser folgen als in Copse

Lotus-Pilot Heikki Kovalainen glaubte, dass es durchaus möglich sein könnte, durch den Arena-Komplex mehr Überholmanöver zu sehen. "Es scheint, dass die Rechtskurve so ist, dass man einem Auto wohl besser folgen kann als durch Copse. Man muss nicht so viel lupfen, wenn man also nahe am Auto vor sich dran bleiben kann, sollte man es ausbremsen und eine andere Linie nehmen können. Ich denke, es ist ein potentiell besserer Überhol-Ort, aber schauen wir uns das im Rennen an", erklärte der Finne laut Autosport. Generell war aber auch er nicht allzu begeistert und würde die alten Streckenführung wählen, wenn er die Wahl hätte.

So ging es auch Robert Kubica. "Es ist rutschig, es ist wellig, ich denke auch weniger fordernd - ich bin also etwas überrascht. Aber welcher Grund auch immer dahinter steckt, es ist für alle gleich. Das Rennen wird sicher toll. Silverstone ist weiter eine aufregende Strecke, vor allem im ersten Sektor, der gleich geblieben ist. Es macht also immer noch Spaß, hier zu fahren", erklärte der Pole. Wie Kovalainen hätte er das alte Layout vorgezogen, denn die neue Schleife ist etwas langsamer und nicht so unterhaltsam wie die alten Streckenteile.

Noch immer schnell

Für Lewis Hamilton war es vor allem zu wellig, wobei er meinte, der McLaren habe die Bodenwellen mehr gespürt als andere Autos. "Das müssen wir lösen. Aber sonst ist es sehr schnell und sehr flüssig. Ich denke, der Rhythmus der Strecke wird nicht gebrochen. Wie ich immer sagte, man fährt eben nun rechts in Abbey und nicht links in die Schikane. Es ist noch immer sehr schnell und der Grip kommt erst. Da ist eine große Welle in Kurve elf hinein, aber die macht es nur noch aufregender." Auch Mark Webber war einigermaßen zufrieden. Er meinte, wer auch immer das Layout entworfen habe, habe die Winkel richtig hinbekommen, um es schwierig zu machen. "An einigen Stellen ist es schwierig, wer auch immer den Planungsstift in der Hand hatte, machte gute Arbeit."

Michael Schumacher sprach vom Aha-Effekt, Foto: Sutton
Michael Schumacher sprach vom Aha-Effekt, Foto: Sutton

Michael Schumacher musste dem Australier zustimmen. Der neue Abschnitt sei schwierig und jeder Fahrer müsse am Lenkrad zaubern. "Für jeden ist es eine Art Aha-Effekt. Die Bodenwelle wird sicher noch im Drivers Briefing besprochen werden, denn sie ist ziemlich heimtückisch", sagte er und schlug vor, sie mit einer Art Schleifmaschine zu beseitigen. "Aber ich habe keine Ahnung, ob so eine Schleifmaschine hier zur Verfügung steht und ob es überhaupt möglich ist." Allgemein konnte er aber sagen, dass der neue Streckenteil sehr flüssig ist. "Mehr Überholmöglichkeiten sind dadurch keine entstanden, was ein bisschen schade ist. Ansonsten ist die Strecke sehr anspruchsvoll."