Die DTM und die Formel E bei einem gemeinsamen Event in Berlin: Diese Idee wurde vor einigen Monaten von der Berliner CDU und dem ADAC Berlin-Brandenburg ins Spiel gebracht. Im exklusiven Interview mit Motorsport-Magazin.com hatte sich am Rande des DTM-Wochenendes auf dem Norisring auch ADAC-Motorsportchef Thomas Voss offen für diese Idee gezeigt.
Nur eine Woche später wurde dann genau jenes Rennwochenende der Formel E in Berlin abgehalten, bei dem sich Nissan-Werksfahrer Oliver Rowland vorzeitig zum Weltmeister kürte. Motorsport-Magazin.com hat sich im Fahrerlager bezüglich eines möglichen gemeinsamen Events mit der DTM umgehört. Zumindest der Unterstützung des ADAC Berlin-Brandenburg, der als Ausrichter des Formel-E-Laufs in Deutschlands Hauptstadt fungiert, kann sich der Vorstoß sicher sein.
ADAC Berlin-Brandenburg will DTM-Comeback: Kommt nach der Avus Tempelhof?
„Als Regionalclub wären wir nach dem Ende der Avus natürlich sehr froh, wieder einen DTM-Lauf in Berlin zu haben“, so der Motorsportchef des ADAC Berlin-Brandenburg Janko Garbsch. Die DTM fuhr zuletzt 1995 auf der Autobahn 115 im Berliner Südwesten. „Wir sind uns aber schon bewusst, dass es natürlich große Hürden gibt, die es zu nehmen gilt.“ Allen voran der Lärmschutz bereitet den Veranstaltern Kopfzerbrechen. Naturgemäß sind die Lärmemissionen bei den mit Verbrenner fahrenden DTM-Boliden höher als bei den Elektrofahrzeugen der Formel E.
Das bleibt jedoch nicht die einzige Baustelle. Auch eine Flüchtlingsunterkunft, in der auf dem Gelände im April 2024 rund 2.700 Menschen lebten, muss bei den Planungen bedacht werden. Zudem stellt das 2014 von der Berliner Landesregierung verabschiedete sogenannte Tempelhofgesetz die Verantwortlichen vor Herausforderungen, welches strikte Vorschriften zur Nutzung vom Gelände des 2008 geschlossenen Flughafens macht.

Baustellen und Strecke erschweren Planungen
Zahlreiche Baustellen auf dem Gelände könnten zudem die Unterbringung zweier großer Rennserien erschweren. Diese Baustellen führten bereits im vergangenen Jahr dazu, dass sich die Haupttribünen nun nicht mehr auf Seite des ehemaligen Terminals befinden, wobei die Zuschauer durch das Terminal zu den Tribünen gelangen, sondern auf Seite des Tempelhofer Feldes. Im Jahr 2025 stand erneut weniger Hangar für die Formel E zur Verfügung. „Und diese Baustelle wird auch noch ein paar Jahre hier sein“, so Garbsch.
Hinzu kommen Fragen rund um die Strecke. „Für GT3-Autos ist hier natürlich auch der Untergrund ein Thema. Die Formel E fährt hier mit profilierten Regenreifen, in der DTM wird mit Pirelli-Slicks gefahren. Ob das alles funktioniert, müssen die Experten und der Promoter klären“, erklärt Garbsch. „Aber die Idee ist für uns natürlich toll.“
Formel E und DTM in Berlin: So entstand die Idee
Unmittelbar involviert ist der ADAC Berlin-Brandenburg in die Planungen übrigens nicht. Die Gespräche finden hauptsächlich zwischen dem Promoter der DTM, dem ADAC München, und der Formel E statt. Diese Gespräche stehen jedoch aktuell (noch) nicht im Mittelpunkt. „Der Ball liegt gerade zwischen dem Promoter der DTM und der Berliner Politik, der Senatsverwaltung. Da müssen jetzt auch mal fundierte Gespräche her, wo man sich dann über alles unterhalten kann“, fordert Garbsch.
Entstanden ist die Idee für ein gemeinsames Event übrigens bereits im Vorjahr, als Berlin sein zehnjähriges Jubiläum als Austragungsort der Formel E feierte. Als einzige Stadt überhaupt war die Metropole in jedem Jahr der Elektro-WM vertreten. „Man hat gesagt: Wenn es hier schonmal eine Rennstrecke gibt und der ganze Aufwand betrieben wird, wäre es auch schön, wenn man das auch für eine weitere ADAC-Serie verwenden könnte, nämlich die DTM“, berichtet Garbsch. Beteiligt waren damals unter anderem Voss und Berlins seit 2023 amtierender Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Gleichwohl ist die grundsätzliche Idee nicht neu: In der Vergangenheit gab es bereits Gespräche, dass die Formel E zur DTM auf dem Norisring dazustoßen könnte. Diese blieben aber ergebnislos.
Rennen in Berliner Innenstadt ausgeschlossen: „Außer in Nürnberg heutzutage in keiner deutschen Stadt“
Fest steht: Die Bemühungen um ein DTM-Rennen in Berlin drehen sich ausschließlich um ein Rennen in Tempelhof. Hoffnungen auf einen Lauf in der Innenstadt erteilte ADAC-Mann Garbsch eine klare Absage: „Ich glaube das wird heutzutage außer in Nürnberg in keiner deutschen Stadt mehr funktionieren. Und deshalb wäre das hier ideal für uns. Und selbst hier sind die Herausforderungen schon relativ groß.“
Die Formel E fuhr bislang nur einmal in der Innenstadt, und zwar auf der Karl-Marx-Allee im Jahr 2016, als Tempelhof im Zuge der damaligen Flüchtlingskrise nicht zur Verfügung stand. Eine Kombination aus fehlender Akzeptanz der Anwohner für die Straßensperrungen sowie die hohen organisatorischen und finanziellen Hürden ließen die Formel E jedoch mit keinen guten Erinnerungen zurück.

Formel E für Kooperation offen – unter einer Bedingung
Klar ist: Zur Verwirklichung des Projekts wird es auch den Segen der Formel E brauchen. Der Vertrag mit de Stadt Berlin läuft noch bis 2027, inklusive der Option auf drei weitere Jahre, wie Motorsport-Magazin.com im Vorjahr zuerst berichtet hatte. Formel-E-CEO Jeff Dodds zeigte sich gegenüber MSM zwar offen für eine Kooperation, stellte jedoch auch eine Bedingung: „Wenn wir einen Weg finden können, wie beide Rennserien strahlen können, zu zeigen, was wir unseren Fans zeigen, und gleichzeitig auch neue Leute zum Sport bringen, sind wir offen für derartige Gespräche.“
“Wir sind inklusiv, nicht exklusiv“, betont Dodds aber. „Was immer mehr Fans zum Sport bringt, was immer ein aufregenderes Wochenende kreiert, interessiert uns. Ich bin nicht so eitel zu sagen, dass wir nie mit jemand anderem zusammenarbeiten würden. In der Vergangenheit hatten wir etwa bereits Gespräche mit IndyCar und NASCAR.“
Gleichzeitig betonte Dodds auch das Thema Nachhaltigkeit, dass die Berliner CDU für ihren Vorstoß als Argument für ein gemeinsames Event genannt hatte. Die DTM fährt seit dieser mit nachhaltigem synthetischem Sprit. „Wenn wir ein Event abhalten, liegt ein großer Fokus darauf, es ein nachhaltiges Event zu machen. Da müssen wir aufpassen“, so Dodds.
Porsche unterstützt Vorschlag: Stehen zur Vielfalt im Motorsport
Mit Porsche zeigt sich zumindest auch der aktuell einzige deutsche Automobilhersteller in der Formel E, der mit Manthey-Porsche auch in der DTM vertreten ist, offen für den Vorschlag. „Warum nicht“, reagiert Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach im exklusiven Interview mit Motorsport-Magazin.com. „Wir stehen zur Vielfalt im Motorsport: Verbrenner, Hybrid, vollelektrisch. Wenn man das in ein vernünftiges Format bringt, hat es durchaus Chancen.“
Die Formatfrage treibt auch Porsche-Teamchef Florian Modlinger um. „Es wäre halt die Frage: Findet es am gleichen Wochenende statt, findet es ein Wochenende nach dem anderen statt? Das müsste man sich dann überlegen, wie das aussehen könnte“, so Modlinger zu Motorsport-Magazin.com.
Für derartige Überlegungen sollte den Verantwortlichen aber noch Zeit bleiben. „Es ist nicht so, dass wir definitiv über 2026 reden“, stellt Garbsch klar, wenngleich das Event zumindest zeitnah verwirklicht werden sollte. „Wenn die Politik jetzt positive Signale sendet, ist das schonmal ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.“

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