Regen, Ausfälle, Strategie-Coups und ganz viel Drama: Großes Spektakel beim Samstagsrennen der DTM in Zandvoort! Ayhancan Güven (Manthey-Porsche) gewann seinen zweites Rennen in der deutschen Traditionsserie nach dem Auftaktsieg in Oschersleben. Nicki Thiim (Abt-Lamborghini) und Maximilian Paul (Paul-Lamborghini) profitierten von einer mutigen Slick-Reifen-Strategie auf nasser Piste und wurden mit den Plätzen zwei und drei belohnt.
Güven vertraute beim verregneten Rennstart hingegen wie ein Großteil des Feldes auf die Pirelli-Regenreifen. Der Türke hatte das Rennen vom fünften Platz aufgenommen und schon in der ersten Runde zwei Plätze gegen Maro Engel und Ricardo Feller gewonnen - der Grundstein für seinen späteren Erfolg auf dem niederländischen Formel-1-Kurs.
Güven siegt im Spektakel-Rennen von Zandvoort
In der 16. Runde überholte Güven den zu diesem Zeitpunkt Führenden Jordan Pepper (GRT-Lamborghini, Platz 8) nach einem Boxenstopp-Problem des Südafrikaners. Nach den Boxenstopps von Regen- auf Slick-Reifen übernahm zwischenzeitlich Thiim die Führung. Der Abt-Pilot, nur von P16 gestartet, hatte sich durch den Start auf Slicks einen großen Vorteil erarbeitet.
Nach Thiims Boxenstopp gelang es Güven allerdings, in Runde 22 die Führung zurückzuerobern. Eine Runde später bog das Safety Car auf die Strecke ab, nachdem Thierry Vermeulen und Rene Rast an unterschiedlichen Stellen verunfallt waren. Nach dem Re-Start sechs Minuten vor Schluss behielt Güven die Nerven und überquerte den Zielstrich mit 0,323 Sekunden Vorsprung auf Thiim, der nach einem Horror-Saisonstart seinen ersten Podestplatz errang. "Ohne Safety Car wäre mit meinen besseren Reifen vielleicht noch mehr drin gewesen", sagte Thiim, dessen Abt-Team die Slick-Start-Entscheidung getroffen hatte.
Maximilian Paul, der das Rennen vom 13. Startplatz aufgenommen hatte, profitierte ebenfalls von einer mutigen Slick-Taktik und landete schließlich auf Platz drei. Bereits ab der 7. Rennrunde fuhren die wenigen Slick-bereiften Autos bis zu vier Sekunden schneller als ihre Regenreifen-Kontrahenten. Ein Großteil des Feldes wartete allerdings die Öffnung des Boxenstopp-Fensters ab, um keinen zusätzlichen Reifenwechsel absolvieren zu müssen.
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2025 als Tabelle
Lamborghini-Trio hinter Güvens Sieger-Porsche
Platz vier ging an Luca Engstler (GRT-Lamborghini), der das Podium nach Start von P3 um eine halbe Sekunde verpasste. Der GRT-Pilot hatte sich beim Start den zweiten Platz von Maro Engel erkämpft, konnte die Pace von Güvens Porsche aber nicht ganz mitgehen. Mit Thiim, Paul und Engstler belegten Fahrer von drei unterschiedlichen Lamborghini-Teams die Plätze zwei bis vier.
DTM-Spitzenreiter Lucas Auer (Landgraf-Mercedes) und Rookie Morris Schuring (Manthey-Porsche) erreichten in einem turbulenten Rennen mit sechs vorzeitigen Ausfällen die Plätze fünf und sechs. Marco Wittmann (Schubert-BMW) nach Start von P20 in seinem 199. DTM-Rennen und Pole-Setter Jordan Pepper komplettierten die Top-8.
Der amtierende DTM-Meister Mirko Bortolotti (Abt-Lamborghini) und Maro Engel (Winward-Mercedes) folgten auf den Plätzen neun und zehn. Engel betrieb damit sogar noch Schadensbegrenzung, denn: Der AMG-Fahrer hatte die Boxengasse eine Runde zu früh angesteuert und musste wenig später noch mal rein, um seine Reifen wechseln zu lassen.
Von Glock bis Rast: Ausfall-Orgie in Zandvoort
Für Timo Glock (Dörr-McLaren) war das Rennen nach der 7. Runde vorzeitig beendet. Der DTM-Rückkehrer flog nach einem Kontakt mit Gilles Magnus (Comtoyou-Aston-Martin) mit hoher Geschwindigkeit ins Kiesbett ab. Dabei verlor Glocks McLaren sogar das rechte Hinterrad. Nur auf der blanken Felge rollend, schlich er zurück an die Boxengasse.
Glock bildete den Auftakt einer kleinen Ausfall-Orgie von insgesamt sechs Autos. Nach den Boxenstopps schlug Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) zunächst mit kalten Reifen in die Mauer ein, bevor er wenige Runden später auf der Strecke ausrollte.
Rene Rast (Schubert-BMW) kam zweimal von der Strecke ab, wobei der zweite Mauereinschlag sein Rennen endgültig beendete. Thomas Preining (Manthey-Porsche) fiel in der zweiten Rennhälfte mit einem Reifenschaden aus. Auch Arjun Maini (HRT-Ford) und Gilles Magnus (Comtoyou-Aston-Martin) sahen die Zielflagge nicht.
DTM in Zandvoort: Später Rennstart am Sonntag
Das Sonntagsrennen in Zandvoort beginnt zur unüblichen Startzeit um 16:30 Uhr. Grund für die Verlegung: Jack Aitken und Jules Gounon reisen per Charter-Flieger zwischen den Niederlanden und Frankreich hin und her, um parallel den offiziellen Testtag für die 24 Stunden von Le Mans bestreiten zu können. Das Qualifying für das Sonntagsrennen fand bereits am Freitagabend statt. Rene Rast sicherte sich seine 26. Pole Position in der DTM und überholte damit Rekord-Champion Bernd Schneider in dieser Kategorie.
DTM in Zandvoort: So lief das Rennen am Samstag
Die Startaufstellung: Jordan Pepper erzielte im regnerischen Qualifying am Samstagmorgen seine erste Pole Position in der DTM. Dem Lamborghini-Team GRT war wieder einmal eine Meisterleistung bei nassen Verhältnissen gelungen: Peppers Teamkollege, Luca Engstler, eroberte den dritten Startplatz. Zwischen die beiden Grasser-Lambos schob sich Maro Engel auf den zweiten Startplatz - alle vier Mercedes-AMG GT3 fuhren in die Top-10 der Startaufstellung. Ricardo Feller führte seinen Land-Audi auf den starken vierten Startplatz. Mit Ayhancan Güven, Morris Schuring und Thomas Preining auf den Plätzen fünf, sieben und acht landeten auch alle drei Porsche von Manthey auf den vorderen Startpositionen.
Der Start: Jordan Pepper kam beim Start gut weg und behielt komfortabel die Führung. Sein Teamkollege Luca Engstler schob sich währenddessen in Kurve 1 auf der Innenseite an Maro Engel vorbei und sorgte für eine GRT-Doppelführung. Engel musste sich zusätzlich auch noch Güven geschlagen geben und fiel auf Rang vier zurück. Am Funk beschwerte sich Engel über das Manöver Engstlers, das von der Rennleitung untersucht wurde, aber keine Strafe nach sich zog.
Die wechselhaften Bedingungen sorgten für unterschiedliche Strategien im Feld. Während der Großteil der Piloten auf dem Regenreifen ins Rennen ging, starteten neben Nicolas Baert im Aston Martin von Comtoyou Racing auch Maximilian Paul im Paul-Lamborghini und Nicki Thiim im Abt-Lamborghini auf Slicks. Tom Kalender, der von Rang zehn ins Rennen gegangen war, kam bereits am Ende der ersten Runde an die Box und wechselte von Regenreifen auf Trockenreifen.
Die erste Rennhälfte: Nach dem gelungenen Start setzte sich Jordan Pepper in der Startphase ab und konnte bereits nach fünf Runden seinen Vorsprung auf mehr als drei Sekunden ausbauen. Hinter Engstler staute sich das Feld bis zu Thierry Vermeulen (Emil-Frey-Ferrari) auf dem zehnten Platz. Die Strecke trocknete in der Zwischenzeit weiter ab. Am Ende der sechsten Runde wurde Kalender per Funk mitgeteilt, dass die Slick-Reifen mittlerweile schneller als die Regenreifen seien, was von der zu diesem Zeitpunkt schnellsten Rennrunde von Maximilian Paul untermauert wurde.
Kurz darauf krachte es zwischen Timo Glock (Dörr-McLaren) und Gilles Magnus (Comtoyou-Aston-Martin) im Kampf um P13. In Kurve sechs setzte sich Glock auf die Außenseite von Magnus, wobei es zum Kontakt kam. Glock kam aufs Gras ab, zog sich einen Reifenschaden zu, konnte seinen Boliden aber spektakulär im Kiesbett von Kurve 7 vor einem Dreher bewahren. Magnus fiel auf den 16. Platz zurück, Glock kehrte an die Box zurück und beendete das Rennen vorzeitig.
Auch zwischen Mirko Bortolotti (Abt-Lamborghini) und Vermeulen gab es in der Anfangsphase einen Kontakt im Duell um Rang zehn. Nachdem Bortolotti Vermeulen berührte und anschließend überholte, ordnete die Rennleitung einen Platztausch an und verwarnte den amtierenden DTM-Champion zusätzlich. Das kostete Bortolotti auch noch eine zusätzliche Position gegen Rene Rast im Schubert-BMW, der Vermeulen in der Zwischenzeit ebenfalls überholt hatte. Währenddessen zeigte sich Thomas Preining im zweiten Manthey-Porsche gut aufgelegt und ließ von Rang acht aus innerhalb von wenigen Runden Schuring, Auer und Feller hinter sich.
Anschließend wurde es chaotisch. Zunächst kam Engel an die Box – und das, obwohl das Boxenstoppfenster zu diesem Zeitpunkt knapp noch nicht geöffnet war. Engel schied somit aus dem Kampf um Top-Positionen aus. Zeitgleich begann es in Zandvoort erneut zu regnen, was die Teams so vor eine schwierige Aufgabe bei der Reifenwahl stellte. Der Wechsel auf Slicks blieb letztlich aber die Wahl aller Piloten. In der Boxengasse ging es teilweise wild zu, vereinzelt kam es gar zu Kontakten. Engstler sowie Jules Gounon im Winward-Mercedes wurden aufgrund eines möglichen Unsafe Release untersucht. Gounon erhielt eine Strafe von drei Penalty-Laps.
Der weitere Rennverlauf: Auch nach den Boxenstopps ging der Regenschauer zunächst weiter, wurde jedoch nie so stark, dass ein Wechsel zurück auf Regenreifen nötig wurde. Die Fahrer kamen dabei sehr unterschiedlich mit den Bedingungen zurecht. Besonders Güven präsentierte sich in starker Form und übernahm in der 16. Runde gar die Führung von Jordan Pepper. Innerhalb von nur einer Runde distanzierte der Türke Pepper im Anschluss auf ganze neun Sekunden. Für Pepper ging es in dieser Phase nur rückwärts. Der Südafrikaner musste sich nur wenig später auch Teamkollege Engstler geschlagen geben.
Nach seinem Boxenstopp am Ende der 17. Runde griff schließlich plötzlich Maximilian Paul in den Kampf um den Sieg ein. Pauls alternative Strategie zahlte sich aus, kurzzeitig führte er das Rennen virtuell sogar an, musste diese virtuelle Führung auf kalten Reifen aber schnell an Güven abgeben.
In Runde 18 folgte der nächste Unfall. Rast konnte seinen Boliden bei der Anfahrt auf Kurve 1 nicht zum Stoppen bringen und schlug in die Barrieren ein. Der dreifache DTM-Champion konnte seinen beschädigten BMW zwar wieder befreien, fiel jedoch weit bis außerhalb der Punkteränge zurück.
Auch Pepper fiel immer weiter zurück und verlor weitere Positionen gegen Schuring, Auer und Kalender, der seinen Pflichtboxenstopp zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht absolviert hatte. Schuring zeigte sich hingegen nach den Boxenstopps gut aufgelegt und überholte nicht nur Auer und Pepper, sondern kurz darauf auch Engstler und schob sich somit auf P3 der Fahrer, die bereits ihren Pflichtboxenstopp bereits absolviert hatten.
Zu dieser Gruppe gesellte sich schließlich auch Nicki Thiim auf der alternativen Strategie. Wie für Paul ging die Strategie auf und der Däne führte das Rennen kurzzeitig an. Doch in Runde 22 machte Güven von seinen aufgewärmten Reifen Gebrauch und überholte Thiim, der sich vor Paul, Schuring und Engstler auf P2 einsortierte. Da zum Zeitpunkt des Überholmanövers von Güven in Kurve 5 jedoch Gelbe Flaggen geschwenkt wurden, wurde dieser Vorfall von den Stewards untersucht. Schlussendlich kam Güven aber ohne Strafe davon. Auch Pepper wird für ein möglicherweise ahndungswürdiges Verhalten unter Gelber Flagge nach Rennende untersucht werden.
Auch hinter der Spitze blieb das Samstagsrennen in Zandvoort unterhaltsam. Nachdem Vermeulen zunächst in Kurve 6 zum Stillstand kam, nachdem er sich zuvor am Boxengassenausgang gedreht hatte und dabei von Schuring getroffen wurde, flog Rast in seinem beschädigten Schubert-BMW kurz darauf in Kurve 8 endgültig ab und sorgte für eine Safety-Car-Phase. Auch Preining musste das Rennen vorzeitig aufgeben, nachdem er sich einen Reifenschaden zugezogen hatte.
Beim Restart behielt Güven die Führung vor Thiim und Paul. Letzterer wehrte in Kurve 1 einen Überholversuch von Schuring ab, der aufs Gras abkam und hinter Engstler und Auer auf Rang sechs zurückfiel. Dahinter komplettierten Feller, Pepper, Wittmann und Bortolotti die Top-10. Feller kam kurz darauf in Kurve 8 jedoch von der Strecke ab, was den Schweizer auf P18 zurückwarf und Engel wieder in die Top-10 beförderte.
An der Spitze änderte sich schließlich bis ins Ziel nichts mehr, lediglich Wittmann überholte noch Pepper im Kampf um P7. Zudem erhielt Nicolas Baert eine Penalty-Lap-Strafe, da beim Boxenstopp einer seiner Mechaniker ein Rad nicht entsprechend den Regularien dauerhaft unter Kontrolle hatte. Dies beförderte den Belgier von P15 bis außerhalb der Punkteränge.

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