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DTM Electric - Schröder: Künstlicher Sound wäre der falsche Weg

Die Präsentation der neuen DTM Electric sorgt für rege Diskussionen. Dr. Jochen Schröder, Leiter E-Mobilität bei Schaeffler, im exklusiven Interview.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Man kann ein neues Motorsport-Projekt per Power Point präsentieren - oder gleich ein richtiges Rennauto auf den Asphalt stellen. So geschehen am Rande des DTM-Finales in Hockenheim, wo Schaeffler und die ITR die sogenannte DTM Electric als eine von mehreren Säulen der ITR-Plattform präsentiert haben.

Das reinelektrische Demo-Fahrzeug mit einer Leistung von 1.200 PS sorgte neben spektakulären Burnouts für zahlreiche Diskussionen unter den Motorsport-Fans. Die DTM Electric könnte 2023 ihr Debüt geben und soll schon vorher ins Rahmenprogramm eingebunden werden.

Dr. Jochen Schröder, Leiter Unternehmensbereich E-Mobilität bei Schaeffler, im Interview mit Motorsport-Magazin.com über die weitere Entwicklung des Rennwagens und rege Debatten über Elektro-Sound.

Herr Dr. Schröder, ist das beim DTM-Finale in Hockenheim vorgestellte Fahrzeug bereits die finale Version für eine möglich DTM Electric ab 2023?
Dr. Jochen Schröder: In Hockenheim handelte es sich um ein Demo-Fahrzeug, aber eines mit beeindruckenden Fahrleistungen. Das konnte man nicht nur in der Beschleunigung, sondern auch rund um die Rennstrecke sehen. Mit Blick auf das Gesamt-Setup war es aber noch kein Rennfahrzeug. Das Auto wurde auf Basis unseres Schaeffler 4e Performance aufgebaut, der vom Grundaufbau her kein reinrassiger Rennwagen ist. Im nächsten Schritt müssen wir ein Gesamtfahrzeugkonzept für die DTM Electric auf die Beine stellen.

Motorsport-Magazin.com konnte das DTM Electric Auto als erstes Online-Medium der Welt unter die Lupe nehmen - Foto: Motorsport-Magazin.com

Stehen bestimmte Komponenten des Fahrzeuges schon jetzt fest oder könnte es im Verlauf der Entwicklung technologische Veränderungen geben?
Dr. Jochen Schröder: Beim Grundkonzept wollen wir bei der Leistungsklasse bleiben, die wir jetzt vorgestellt haben, um wirkliches Racing zu ermöglichen. Das ist eine ganz wesentliche Komponente. Im nächsten Schritt müssen wir schauen, wie wir das in ein stimmiges Gesamtkonzept überführen können. Da kommen Fragen auf, ob man etwa beim Allradantrieb bleiben möchte, oder welche Kapazität die Batterie haben wird. Wir sind flexibel und wollen das richtige Gesamt-Setup mit einem stimmigen Fahrzeug erstellen, auf der man die Plattform aufbauen kann.

Wieso wurde das Jahr 2023 als mögliche Einführung für die Elektro-DTM kommuniziert?
Dr. Jochen Schröder: Hinter dem Projekt steckt noch einiges an Pionierarbeit. Der erste Schritt war, in Hockenheim den Prototypen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Da das Auto über einen Formel-E-Motor pro Rad als Antrieb verfügt, konnten wir ein Stück weit auf bestehende Technologien zurückgreifen. Im nächsten Schritt geht es darum, ein Konzept für das Gesamtfahrzeug zu entwickeln - also einen Racing-Prototypen - der zu einem späteren Zeitpunkt in einer gewissen Stückzahl für den Rennbetrieb aufgebaut werden kann. Das soll im Idealfall zum Ende des nächsten Jahres der Fall sein. Darauf aufbauend, müssen wir gemeinsam mit der ITR eine Plattform erstellen mit Partnern und schlussendlich einem kompletten Starterfeld, das den Rennbetrieb aufnehmen kann. Das Projekt ist stufenweise aufgebaut und deshalb sehen wir diesen Zeitplan als realistisch an.

Das Elektro-Auto bei Demo-Fahrten auf dem Hockenheimring - Foto: Toni Alex

Sind Engagements eines oder mehrerer Autohersteller zwingend erforderlich für die Einführung einer Elektro-DTM?
Dr. Jochen Schröder: Wir wollen Partner und Fahrzeughersteller begeistern, bei dem Projekt mitzumachen. Das ist der klare Wunsch. Wie eine Aufteilung des technischen Beitrages aussehen kann, müssen wir gemeinsam diskutieren. Wir sind ein renommierter Automobil- und Industriezulieferer, schon heute Hersteller von Antriebssystemen sowie Performance-Antrieben für die E-Mobilität. Wir würden es gerne sehen, wenn sich unsere Kunden an der DTM Electric beteiligen und wir gemeinsam Rennsport zeigen können.

Warum hat Schaeffler die DTM als Plattform für eine Technologie-Partnerschaft ausgewählt?
Dr. Jochen Schröder: Der Rennsport ist ein Motor für Innovationen. Es braucht eine Plattform, auf der man elektrische Silhouetten-Fahrzeuge präsentieren kann, die die Kunden ansprechen. Das gab es bislang nicht in dieser Form. Auf der DTM-Plattform können wir unsere Technologien zeigen, sie weiterentwickeln und einen Beitrag für den deutschen Motorsport leisten. Eine Überlegung war zudem, richtiges Racing abseits des Formelsports vorzustellen, um Fans eine Perspektive in Richtung der E-Mobilität aufzuzeigen. Schaeffler hat sich in Performance-Elektro-Antrieben auf dem Markt für Straßenfahrzeuge stark positioniert und Gerhard Berger verfolgt die Vision, die DTM-Plattform auch in Richtung der E-Mobilität und des elektrischen Racing weiterzuentwickeln. Das hat sehr gut zusammenpasst, um das Thema aus Sicht von Tourenwagen voranzutreiben.

Motorsport-Magazin.com im Gespräch mit Matthias Zink, Vorstand Automotive Technologies der Schaeffler AG, und Dr. Jochen Schröder, Leiter Unternehmensbereich E-Mobilität bei Schaeffler - Foto: Motorsport-Magazin.com

Was glauben Sie, wie die Motorsport-Fans auf die mögliche Einführung einer Elektro-DTM reagieren?
Dr. Jochen Schröder: Ich verfolge das Feedback der Motorsport-Fans mit Spannung. Wir erleben generell in der gesellschaftlichen Debatte rund um die E-Mobilität - so wie bei jeder neuen Technologie - eine gewisse Skepsis. Manchen Motorsport-Fans fehlt etwa der Sound. Und es stimmt, der traditionelle Sound ist nicht da. Es ist eben eine neue Technologie. Gleichzeitig gibt es viele Stimmen, die sagen: 'Wow, das ist ein Teil der Zukunft und kann tollen Rennsport liefern'. In Hockenheim haben wir von den Fahrern gehört, dass es an nichts fehlt, wenn man so ein Auto fährt: Das ist Racing, das ist Adrenalin und auch Emotion. Die Zukunft auf der Straße ist elektrisch und auch der Rennsport muss eine Antwort haben auf das elektrische Zeitalter.

Der Sound von elektrischen Rennwagen ist ein sehr emotionales Thema. Wie sehen Sie das aus auch aus Sicht eines Ingenieurs?
Dr. Jochen Schröder: Den Sound eines Verbrennungsmotors hat ja niemand erfunden. Man hat es nur mit der Zeit geschafft, ihn zu formen und schön klingen zu lassen. Am Ende des Tages ist das die Eigenschaft eines Verbrennungsprozesses, durch die Akustik generiert wird. Das passiert bei der Umwandlung von Strom nicht, die ist grundsätzlich sehr geräuscharm. Als Ingenieur bin ich der Meinung, dass es nicht der richtige Weg ist, wenn man irgendetwas künstlich erzeugt, um eine alte Physik nachzuahmen. Die Physik elektrischer Autos erzeugt keinen Sound und das muss man auch lernen zu akzeptieren. Alles andere wäre künstlich, aufgesetzt und auch nicht authentisch. Das Racing funktioniert absolut authentisch mit E-Autos und darauf kommt es am Ende doch an.

In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Rennserien mit Elektro-Antrieben vorgestellt. Läuft der Motorsport Gefahr, den Fokus zu verlieren?
Dr. Jochen Schröder: Man spürt, dass die Zeit der klassischen Renntechnologien auf Verbrennungsmotor-Basis endet und es viele Ideen gibt, etwas Neues zu erschaffen. Deshalb finde ich es nicht verwunderlich, dass es verschiedene Ansätze gibt. Außerdem sehen wir diese Vielfalt auch in der Straßentechnologie. Früher gab es Otto- oder Dieselkraftstoff, aber immer einen Verbrenner. Mittlerweile haben wir jegliche Art von Hybriden, Plug-in-Hybride, reinelektrische Fahrzeuge und Wasserstoff-Autos. Es ist naheliegend, dass wir auch im Motorsport eine Technologie-Vielfalt erleben werden. Es gibt Platz für mehr als eine Rennserie auf dieser Welt, so wie es auch in der verbrennungsmotorischen Zeit der Fall gewesen ist.

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