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DTM

Kommentar: GT3 nur Notlösung - DTM muss bald elektrisch werden

Die DTM macht nach dem schnellen Ende der Class-1-Ära mit GT3-Autos weiter. Warum das nur eine Notlösung sein kann und wie die Zukunft aussehen muss.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Mit der Einführung eines aus der Not heraus geborenen GT-Pro-Klassements hat Gerhard Berger die Weichen für die Zukunft der DTM nach dem Abschied der kurzen Class-1-Ära gestellt. Rennen mit Autos auf Basis von GT3-Fahrzeugen mit V8-Verbrennungsmotor dürfen aber nur eine kurzfristige Übergangslösung sein!

Das weiß Gerhard Berger seit langer Zeit. Wer erinnert sich noch an das futuristisch anmutende Konzept aus dem November 2019, in dem die Rede von Rennwagen mit 1.000 PS war, die wahlweise von Batterien oder Brennstoffzellen angetrieben werden?

Was damals als Vision verkauft wurde und mit seinen Ideen von Roboter-Boxenstopps etwas über die Stränge schlug, muss tatsächlich die langfristige Zukunft der DTM sein.

Nach dem Audi-Ausstieg kam heraus, dass eine Elektro-DTM für 2025 geplant war. Dieses Ziel muss Berger weiter verfolgen - der Zeitrahmen hat sich allerdings verschoben. Vier Jahre Wartezeit wären zu lange, um weitere nationale Grabenkämpfe mit dem ADAC und DMSB auszufechten und sich mit GT3-Autos 'durchzuschlagen'.

Beschleunigt haben könnte Bergers großen Plan ausgerechnet Hans Werner Aufrecht. Mit der Vorstellung seiner auf Wasserstoff-Autos basierenden Rennserie hat der langjährige DTM-Chef und Bergers direkter Vorgänger ordentlich Druck in den Motorsportkessel gebracht.

Dabei ist Wasserstoff nur eine Variante für die langfristige automobile Zukunft. Batteriebetriebene Fahrzeuge heißt die andere. Mit der Formel E, die bei den Herstellern zunächst eingeschlagen hat wie der Blitz, gibt es bereits eine Elektro-Rennserie. Aber: Mit Formelboliden verkauft man nur bedingt Autos.

Das wissen auch die involvierten Hersteller, die nicht gänzlich happy sind mit ihren Formel-E-Engagements und sich nach einer prestigeträchtigen und vor allem reichweitenstarken Rennserie mit Fahrzeugen sehnen, die ihren Produkten in den Schaufenstern gleichen. Dafür bietet die DTM allein dank ihrer großen Geschichte (Berger: "Der Name bleibt für immer!") die perfekte Plattform.

Es wird garantiert nicht ohne Grund gewesen sein, dass Audi und BMW auch nach dem Class-1-Ende und dem DTM-Ausstieg den früheren Formel-1-Fahrer und heutigen Geschäftsmann Berger weiter unterstützen...

Ganz ursprünglich war vorgesehen, Bergers Konzept einer 'Elektro-DTM' schon ab 2022 im Rahmenprogramm der DTM starten zu lassen. Der Zeitplan wird sich angesichts der aktuellen Zeiten kaum umsetzen lassen. Nach dem Ende der jetzigen DTM könnte eine solche Studie aber in Zukunft den attraktiven Platz als Star im Hauptprogramm einnehmen - mit Herstellern als Hauptakteuren?


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