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DTM-Boss Berger: BMW-Aus, GT3-Szenario, ADAC-Hobbymeisterschaft

Wie soll es in Zukunft mit dem Motorsport in Deutschland weitergehen? DTM-Chef Gerhard Berger äußert sich am Lausitzring zur aktuellen Situation.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Fest steht: die DTM in ihrer jetzigen Form wird es in der Saison 2021 nicht geben. Offen ist: wird es nach dem Ende der letzten Saison mit den Class-1-Turboautos eine Alternative geben? Die wahrscheinlichste Möglichkeit bleibt laut Gerhard Berger die Gründung einer GT3-Plattform als Profisportmodell und mit Sprintrennen, um sich vom ADAC GT Masters, das seit 2007 mit Kundenteams GT3-Rennen mit Fahrerwechseln austrägt, abzuheben.

"Audi ist ausgestiegen aus der DTM und auch BMW", sagte Berger am Freitagabend bei einer virtuellen Medienrunde am Rande des Lausitzring-Rennwochenendes. "Nicht nur Audi, in der Folge ist auch BMW ausgestiegen. Wir sind jetzt in der Phase, wo wir überlegen müssen, ob diese Plattform weiter bestehen kann und wenn ja, wie sie bestehen kann."

Audi und BMW als Mitglieder der ITR seien laut dem Österreicher mitverantwortlich, das Thema sauber zu lösen: "Es gibt einige Vorschläge von mir zu Fortführungsszenarien. Aber am Ende des Tages liegt der Ball bei den Mitgliedern des Vereins, diese Szenarien mitzutragen und zu bewilligen. Die Alternative ist das Abwicklungsszenario."

Mit 50/50 bewertete Berger die Wahrscheinlichkeit, dass 2021 auf einer Plattform der ITR weiterhin Rennsport betrieben wird. Mehrere Privatteams hatten unterdessen öffentlich Interesse an einem Einstieg mit GT3-Autos bekundet.

Berger: "Die namhaften Teams haben sich alle schon gemeldet. Sprintrennen mit Profis, das finden alle interessant. Für viele Teams ist das attraktiv, aber es gab noch keine konkreten Gespräche mit Herstellern oder Teams. Das ist verlorene Zeit, wenn Audi und BMW sagen, dass sie das ganze Thema abwickeln und einstellen wollen."

Einen direkten Konflikt mit dem ADAC GT Masters sah Berger beim Fortführungsszenario mit GT3-Boliden nicht. Es gebe unterschiedliche Geschäftsmodelle und Bedürfnisse. Einen Teil davon decke der ADAC mit seiner Plattform sehr gut ab. "Die machen einen guten Job, aber es ist eine Hobby-Meisterschaft. Mit Profi-Rennsport hat das nichts zu tun", meinte Berger.

Die Lage unter den ITR-Mitgliedern ist verzwickt, Audi, BMW und Berger fordern sich momentan gegenseitig zu einer schnellen Lösungsfindung auf. "Die Entscheidung muss so schnell wie möglich stattfinden", sagte zuletzt Audi-Motorsportchef Dieter Gass. "Nicht nur von unserer Seite, auch seitens der ITR. Wenn du eine neue Meisterschaft machen willst, muss viel passieren, die Teams müssen planen."

BMW Motorsport-Direktor Jens Marquardt machte zuletzt darauf aufmerksam, dass die GT3-Kategorie Kundensport sei und BMW kein GT3-Werksprogramm betreibe: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in einen Wettbewerb treten und der Kundensport unter Druck gerät. Man muss das große Bild betrachten und Wege für eine stabile Aufstellung in der Zukunft finden statt einer einzelnen Lösung, die mehr Probleme verursacht."


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