In zwei Tagen startet die DTM mit Corona-Verspätung im belgischen Spa-Francorchamps (01./02. August, ab 13:30 Uhr live bei Sat.1) in die Saison 2020. Geht auf der Formel-1-Rennstrecke zum letzten Mal für absehbare Zeit ein Saisonauftakt der Tourenwagenserie über die Bühne?

"Als Erstes muss man ja sagen: Sie startet! Und ob es das Abschiedsjahr wird, ist noch offen. Die Diskussionen sind voll im Gange", sagte DTM-Boss Gerhard Berger jüngst der dpa. "Ich bin immer noch positiv und zuversichtlich, muss aber auch zugeben: Es ist dieses Mal einfach eine schwere Geburt."

Die Zukunft der DTM bleibt nach dem Ausstieg von Aston-Martin-Team R-Motorsport und dem angekündigten Rückzug von Audi nach 24 Jahren zum Saisonende ungewiss. Kürzlich ließ Berger erstmals durchblicken, dass im Falle einer Fortführung ein Wechsel von Class 1 auf die kostengünstigeren und zahlreich vorhandenen GT3-Fahrzeuge eine Möglichkeit sei.

Reuter: DTM mit GT3 wäre tödlich für Motorsport in Deutschland

In der deutschen Motorsport-Szene bestehen Zweifel, ob sich ein solches Vorhaben angesichts der bestehenden Plattform ADAC GT Masters und den wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie überhaupt umsetzen ließe.

"Die DTM mit GT3-Autos fortführen zu wollen und damit diese Plattform aufzuteilen, wäre tödlich für den Motorsport im deutschsprachigen Raum", meinte der frühere ITC/DTM-Champion Manuel Reuter im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com.

ROWE und HRT bekunden Interesse an GT3-DTM

Gleichzeitig stößt die GT3-Idee auf Interesse seitens bekannter Teams. ROWE Racing und das neugegründete Haupt Racing Team des früheren DTM-Piloten Hubert Haupt könnten sich ein Engagement auf dieser möglichen Plattform der DTM-Dachgesellschaft ITR durchaus vorstellen.

Motorsport-Magazin.com berichtete schon Ende des Jahres 2018 über das Interesse seitens der Motorsport Competence Group AG (MCG), die als Dienstleister unter anderem das Projekt ROWE Racing betreibt, an einem Einstieg in die DTM. Das Vorhaben, mit einem privaten Team einzusteigen, sei laut MCG-Vorstand und ROWE-Teamchef Hans-Peter Naundorf an der Finanzierung gescheitert.

Naundorf: DTM hat immer noch große Strahlkraft

Heute sagt Naundorf: "Sollte die Plattform DTM mit aktuellen GT3-Fahrzeugen weiter bestehen bleiben, wäre das natürlich für uns sehr interessant. Die DTM hat immer noch eine große Strahlkraft sowohl bei den Fans als auch bei den Sponsoren. Für den deutschen Motorsport wäre es wichtig, diese Plattform zu erhalten, auch um den Unterbau für den Nachwuchs zu sichern."

In der Saison 2020 engagiert sich ROWE Racing mit Kundensportprogrammen von BMW und Porsche in der Nürburgring-Langstreckenserie NLS, der GT World Challenge Europe und tritt bei den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps an. Im ADAC GT Masters startete die Mannschaft aus St. Ingbert zuletzt 2015 mit einem Mercedes.

Kontakt mit Berger habe es bezüglich künftiger GT3-Möglichkeiten bislang nicht gegeben. Naundorf zeigte sich offen für Gespräche: "Erst einmal müsste bei der ITR die Entscheidung fallen, ob wirklich GT3-Fahrzeuge im kommenden Jahr die Zukunft der DTM sein sollen. Wir haben bei uns im Team entsprechende Fahrzeuge, die einsatzfähig wären, und auch viele Teammitglieder, die bereits DTM-Erfahrung haben."

Grafik von ROWE Racing: Vorgeschmack auf die Zukunft in einer möglichen GT3-DTM, Foto: ROWE Racing
Grafik von ROWE Racing: Vorgeschmack auf die Zukunft in einer möglichen GT3-DTM, Foto: ROWE Racing

Haupt kann sich DTM-Tod nicht vorstellen

Mit dem jungen Projekt Haupt Racing Team (HRT) klopft ein weiterer Interessant an. Die Mannschaft von Hubert Haupt, der zwischen 1991 und 2001 bei 36 DTM-Rennen für Audi und Opel an den Start ging, hat einen fulminanten Start hingelegt: HRT gewann zwei der ersten drei Rennen in der Nürburgring-Langstreckenserie - ehemals VLN - und engagiert sich mit zwei Mercedes-AMG GT3 in der GT World Challenge Europe.

Der 51-Jährige noch heute aktive Rennfahrer und Immobilienunternehmer erwartet in den kommenden Wochen eine Entscheidung von Berger und sagte zuletzt der Zeitung tz: "Aus meiner Sicht kann die DTM 2021 nur mit GT3-Autos überbrücken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man die DTM aufgibt und sie sterben lässt."

Starker Einstand auf der Nordschleife: Das Haupt Racing Team von Hubert Haupt, Foto: Haupt Racing Team
Starker Einstand auf der Nordschleife: Das Haupt Racing Team von Hubert Haupt, Foto: Haupt Racing Team

Zeitgleicher Auftakt: DTM und ADAC GT Masters

Um eine Planungssicherheit für Teams und Partner zu gewährleisten, darf sich die ITR mit ihrer Entscheidung nicht mehr viel Zeit lassen. Zu diesem Zeitpunkt des Jahres werden üblicherweise die Budgets für die kommende Saison verplant.

Wie ein volles Starterfeld mit GT3-Rennwagen aussehen kann, zeigt das ADAC GT Masters. An diesem Wochenende - pikanterweise zeitgleich zur DTM - startet die stärkste nationale GT3-Plattform der Welt auf dem Lausitzring in ihre Saison. 32 Autos von sieben unterschiedlichen Marken und 19 Teams treten in den beiden Rennen am Samstag und Sonntag (ab 13:05 Uhr, live bei Sport1) gegeneinander an.