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DTM heute vor 21 Jahren: Der Beginn einer Neuen Ära

Heute vor 21 Jahren wurde die Neue DTM aus der Taufe gehoben. Motorsport-Magazin.com blickt zurück auf den Beginn einer neuen Zeitrechnung im Motorsport.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Nach einer Pause von drei Jahren und Anstrengungen verdienter Motorsportmänner war es nicht weniger als der Beginn einer neuen Zeitrechnung im deutschen Rennsport. "Ich weiß, dass es sehr pathetisch klingt", sagte einst der langjährige DTM-Chef und AMG-Mitbegründer Hans Werner Aufrecht. "Aber das war fast so wie die Geburt eines Kindes." Als am 28. Mai 2000 die Ära der Neuen DTM begann, waren echte Tourenwagen endlich wieder auf die Rennstrecke zurückgekehrt.

19 Autos standen beim Auftakt auf dem Hockenheimring am Start, je acht Mercedes CLK und Opel Astra, dazu noch die von Abt Sportsline in Eigenregie aufgebauten drei knallgelben Audi TT-R. Die Sieger der beiden ersten Läufe der neuen DTM hießen genauso wie die des letzten Rennens vier Jahre zuvor in Suzuka: Mercedes und Bernd Schneider, der später die Meisterschaft vor Opel-Pilot Manuel Reuter und Stern-Kollege Klaus Ludwig (im zarten Alter von 50 Jahren) gewinnen sollte.

DTM Hockenheim 2000: Highlights zum ersten Rennen der neuen DTM: (50:10 Min.)

In Hockenheim erlebten die 56.000 Zuschauer an diesem Tag ein knackiges Programm bestehend aus einem Qualifying sowie zwei anschließenden Rennen inklusive kurzer Reparaturpause. Angeführt von einem Opel Speedstar als Vorausfahrzeug starteten 19 Rennwagen bei trockenen Bedingungen in ein neues Tourenwagen-Zeitalter, damals noch per rollendem Start.

Mister DTM, Bernd Schneider, ließ ab der ersten Minute keinen Zweifel daran, dass er auch die Neue DTM dominieren würde. In den beiden Hockenheim-Rennen siegte die Mercedes-Ikone mit 20 respektive 13 Sekunden Vorsprung vor Markenkollege und Rookie Marcel Fässler.

Mr. DTM Bernd Schneider holte 43 Siege und fünf Titel in der DTM/ITC - Foto: Sutton

Während Schneider wie so oft mit Perfektion glänzte und nur im zweiten Lauf für einen kleinen Aufreger sorgte, als er bei einsetzendem Regen zunächst durch Fässlers Boxenplatz fuhr, bevor die eigene Mannschaft auf Regenreifen wechseln konnte, sorgten die Jungspunde im Feld für beste Unterhaltung.

Allen voran der damals 21-jährige Timo Scheider im Opel Astra. Der spätere zweifache Audi-Meister - in der offiziellen Einblendung des ersten Hockenheim-Rennens als 'Timo Schneider' bezeichnet - lieferte sich im 38 Runden langen ersten Lauf ein packendes Duell mit Fässler, bevor er sich dem Schweizer und wenig später Reuter geschlagen geben musste, der Opel den ersten Podestplatz in der Neuen DTM bescherte.

Das Duell der Neuen DTM: Mercedes gegen Opel und Audi - Foto: Sutton

Scheider war es auch, der im anschließenden zweiten Rennen für Furore sorgte. Von Platz vier gestartet - damals erfolgte die Startreihenfolge nach dem Ergebnis des ersten Laufes - wurde er schon in der ersten Kurve angeschubst und bis auf den letzten Platz hinter die beiden Audis von Christian Abt und Kris Nissen zurückgeworfen. Deren Teamkollege Laurent Aiello, 2002 im Audi TT mit verlängertem Radstand Meister - konnte das Rennen gar nicht erst aufnehmen.

Scheider profitierte von einsetzendem Regen und einigen Fahrern, die keinen Wechsel auf Regenreifen vornahmen. So wie Marcel Tiemann im Mercedes, der das Rennen auf Slicks hinter dem Opel-Safety-Car anführte, aber chancenlos zurückfiel. Schneider als Drittplatzierter bekam einen weiteren Platz geschenkt, weil Vordermann Ludwig zuvor bei roter Ampel die Boxengasse verlassen hatte und dafür eine Stop-and-Go-Strafe antreten musste.

Hockenheim 2000: Der Beginn einer neuen Ära im deutschen Rennsport - Foto: Sutton

Kurios und aus heutiger Sicht fragwürdig: Ludwig trat die Bestrafung umgehend nach dem Re-Start an und überholte dabei sogar das Safety Car bei der Einfahrt in die Boxengasse! Wenig später rempelte Reuter auf dem Weg zu einem weiteren Podestplatz Vordermann Peter Dumbreck von der Strecke und kassierte dafür eine Strafe. Das machte den Weg frei für das Opel-Duo Michael Bartels und den vorgepreschten Scheider, die hinter den beiden Mercedes von Schneider und Fässler die Ziellinie als Dritter und Vierter überquerten.

Die Siegerehrung erfolgte in der damaligen Zeit erst nach Beendigung des zweiten Rennens und nachdem alle Punkte zusammengezählt worden waren. Ganz oben auf dem Podium stand natürlich Doppelsieger Schneider, der sich vor dem zweifachen Zweitplatzierten Fässler und Jungspund Scheider durchsetzte. Ein fulminanter Auftakt in eine neue Zeitrechnung der DTM!

21 Jahre später steht die DTM erneut vor einem Umbruch. Audi und BMW haben sich werksseitig verabschiedet, an Stelle der teuren Class-1-Autos treten nun GT3-Fahrzeuge. Heute sind es Männer wie Gerhard Berger, die den Wert der DTM für den Motorsport erkannt haben und erneut für die Zukunft kämpfen. Die DTM, sie ist und bleibt eben der Überlebenskünstler des Rennsports.

Das DTM-Starterfeld in der Saison 2000 - Präsentation in Berlin - Foto: LAT Images

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