DTM

Ex-DTM-Champion Wehrlein über Kubica: Umstellung braucht Zeit

Wie lange benötigt Robert Kubica für die Umstellung vom Formel-1- zum DTM-Auto? Ex-Champion Pascal Wehrlein erklärt den Switch bei Motorsport-Magazin.com.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Robert Kubica steht vor seinem vielbeachteten Debüt in der DTM-Saison 2020. Der Formel-1-Aussteiger tritt mit einem BMW M4 in den polnischen Nationalfarben rot und weiß an, sein Auto wird betreut vom Rückkehrer-Team ART Grand Prix.

Kubica, den unter anderem Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton kürzlich als eines der größten Talente bezeichnete, wird sicherlich eine Weile benötigen, um seine Performance im Tourenwagen abzurufen.

Die Vergangenheit hat mehrfach und prominent gezeigt: Der Umstieg vom Formel-1-Geschoss in einen DTM-Prototypen ist keine einfache Aufgabe. Wer könnte das besser wissen als Pascal Wehrlein? Der heutige Formel-E-Fahrer ging 2015 im Alter von 20 Jahren als jüngster DTM-Champion in die Geschichte ein.

Im Anschluss fuhr Wehrlein zwei Jahre für die Hinterbänkler-Teams Manor und Sauber in der Formel 1, bevor er 2018 für ein Jahr in die Tourenwagenserie zurückkehrte.

"Ich glaube, dass es nie einfach ist, von einem Formel-1-Auto in einen Tourenwagen zurückzukehren. Ich habe das selbst durchgemacht", sagt Wehrlein zu Motorsport-Magazin.com. "Der Schritt vom Tourenwagen ins F1-Auto ist hingegen sehr einfach, weil es schneller ist und mehr Grip hat. Um sich dann wieder zurück umzustellen, braucht es etwas Zeit."

Das bekam Wehrlein in der Saison 2018 zu spüren, als etwa das Reifen-Management in der DTM eine wesentlich entscheidendere Rolle spielte als zu seiner ersten Tourenwagen-Zeit von 2013 bis 2015. Der heute 25-Jährige landete in der letzten Saison von Mercedes vor dem DTM-Ausstieg auf dem achten Gesamtplatz, während Markenkollege Gary Paffett seine zweite Meisterschaft gewann.

DTM 2020: Das steckt hinter dem BMW-Wechsel von Robert Kubica: (08:13 Min.)

Zum Schritt vom Formel-1-Boliden ins Rennauto mit Dach erklärt Wehrlein weiter: "Wir haben in der Vergangenheit bei einigen Fahrern, die aus der Formel 1 kamen, gesehen, dass das nicht leicht ist. Da ist die DTM schon sehr speziell. Vor allem braucht man aus der vergangenen Saison immer viel Erfahrung."

Kubicas Erfahrungen mit einem DTM-Rennwagen sind äußerst überschaubar. Beim Young Driver Test in Jerez Ende 2019 fuhr der Pole erstmals das aktuelle Turbo-Auto. Auf der spanischen Rennstrecke spulte er insgesamt 245 Runden ab. Im Januar 2013 testete Kubica nach seinem schweren Rallye-Unfall zwei Jahre zuvor zudem einen V8-Mercedes in DTM-Ausführung.

"Es ist eine der härtesten Herausforderungen meines Lebens", sagte Kubica bei ran Sat.1 vor dem DTM-Debüt. "Ich habe einen riesigen Respekt vor der Serie und den Fahrern und weiß, dass es schwierig wird. Als Neuling muss man realistisch sein und sollte sich keine massiven Ziele setzen."

Wie Kubica ebenfalls feststellte, wird vieles an der Stärke des BMW liegen. In der vergangenen Saison tat sich der Autobauer aus München mit jedem Rennwochenende schwerer - im wörtlichen Sinne: Wegen der starken, durch den neuen Turbo ausgelösten Vibrationen musste immer wieder stückhaft nachgearbeitet werden. Dadurch gerieten die BMW M4 immer wieder aus der Balance.

Die BMW-Schwäche nutzte unter anderem das Audi-Kundenteam WRT, das in seinem ersten DTM-Jahr mit den Rookies Jonathan Aberdein - inzwischen BMW-Werkfahrer - und Pietro Fittipaldi mehrfach überzeugen konnte.

Wehrlein, der in 58 Rennen für Mercedes drei Siege, sieben Podestplätze und eine Pole Position errang, über Kubicas Chancen in der Saison 2020: "Ich glaube schon, dass er Highlights setzen kann. Das schafft man auch als Neueinstiger, aber um die Meisterschaft zu kämpfen, ist sehr, sehr schwierig."


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