DTM

DTM: Aston Martin steigt mit sofortiger Wirkung aus

Aston Martin tritt 2020 nicht mehr in der DTM an. R-Motorsport gibt den sofortigen Austritt bekannt und führt Gründe an. DTM-Starterfeld schrumpft merklich.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Diese Nachricht erschüttert die DTM-Welt bis ins Mark: Aston Martin steigt mit sofortiger Wirkung aus der Tourenwagenserie aus. Das gab Lizenznehmer R-Motorsport in einer Pressemitteilung an diesem Freitag offiziell bekannt. Nach nur einer Saison wird das Schweizer Team mit der exklusiven DTM-Lizenz von Aston Martin 2020 nicht mehr in der DTM antreten.

Durch den Wegfall der vier Aston Martin Vantage DTM schrumpft das aktuelle Starterfeld für die kommende Saison auf 14 Autos. Nach jetzigem Stand setzen Audi und BMW je sechs Werksautos ein. Zudem bestreitet das belgische Team WRT mit zwei Kundenautos von Audi seine zweite Saison in der Serie.

Das sagt Berger zum Ausstieg

DTM-Chef Gerhard Berger arbeitet nach Informationen von Motorsport-Magazin.com mit Hochdruck daran, für den Saisonauftakt in Zolder vom 24. bis 26. April 2020 eine Lösung zu finden, um den Fans ein attraktives Starterfeld bieten zu können. Dabei sind unterschiedliche Modelle denkbar, um den kurzfristigen Verlust von R-Motorsport zu kompensieren. Der Fokus liegt erst einmal auf weiteren Privatteams und japanischen Herstellern.

Berger auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com: "Der Schritt von R-Motorsport kommt zu einem späten Zeitpunkt. Wir sind von einem längeren DTM-Engagement des Teams ausgegangen. Ich möchte mich im Namen der ITR für die gute Zusammenarbeit mit Dr. Florian Kamelger und dessen Team bedanken und wünsche ihnen viel Erfolg bei ihren künftigen Projekten. Wir befinden uns in guten Gesprächen mit mehreren Automobil-Herstellern und Teams - und sind uns sicher, dass wir den DTM-Fans auch in der Saison 2020 ein volles Starterfeld präsentieren werden. Insbesondere unsere treue Fangemeinde hat es verdient, dass wir diese Herausforderung mit voller Kraft annehmen und auch meistern werden."

R-Motorsport steigt nach nur einer Saison aus der DTM aus - Foto: R-Motorsport

Kamelger: DTM-Engagement nicht zielführend

Eine Neubewertung des Motorsportprogrammes habe zum Ende des DTM-Engagements geführt, teilte R-Motorsport als Grund für das Aus mit. Zuletzt stand das Schweizer Team ohne Autos und Motoren da, nachdem die Trennung von Partner HWA Ende Oktober 2019 öffentlich bekanntgegeben wurde.

"Unsere Neubeurteilung unseres Motorsport-Programms kam zu dem Ergebnis, dass wir neue Prioritäten für die Zukunft setzen wollen und dass das DTM-Engagement dafür nicht zielführend sein würde", sagt R-Motorsport Teamchef Dr. Florian Kamelger. "Was wir hinsichtlich unseres Motorsport-Programms für 2020 entschieden haben, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben."

Kamelger weiter: "Ich möchte mich auf diesem Weg sehr herzlich im Speziellen bei Gerhard Berger und der ITR, bei Dieter Gass und bei Jens Marquardt für das gemeinsame Engagement bedanken. Insbesondere BMW war ein außerordentlich hilfreicher Partner für uns." Warum gerade der Autobauer aus München außerordentlich hilfreich gewesen sein soll, führte Kamelger zunächst nicht weiter aus.

Berger hoffte bis zuletzt

Bis zuletzt hatte R-Motorsport versichert, auch 2020 in der DTM starten zu wollen. DTM-Chef Berger hatte immer wieder und zuletzt in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass er fest davon ausgehe, dass das Team in diesem Jahr zu einer weiteren Saison in der Serie antreten wird. Nach der Trennung von HWA hatte auch Aston Martin verkündet, das DTM-Programm von R-Motorsport weiter unterstützen zu wollen.

Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com sah sich R-Motorsport bereits zur Mitte der vergangenen Saison nach einem neuen Technikpartner um. So gab es eine Anfrage an Audi für die Lieferung des von den Ingolstädtern entwickelten Turbo-Motors. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com sagte letztendlich R-Motorsport einen möglichen Deal ab.

In der Folgezeit tauchten Gerüchte über eine mögliche Partnerschaft mit BMW auf, ohne jedoch jemals vom Autobauer aus München bestätigt worden zu sein. Die Spekulationen traten nach dem Show-Rennen der DTM mit der Super GT in Fuji auf, wo die drei japanischen Hersteller Honda, Lexus und Nissan eine mögliche Motoren/Chassis-Lieferung an R-Motorsport verneinten. Danach wurde es ruhig um die Zukunft von R-Motorsport und Aston Martin in der DTM.

R-Motorsport erlebte zahlreiche Ausfälle mit dem Aston Martin Vantage - Foto: Tobias Gorges/MMPIXX.COM

Aston Martin: Schwieriges DTM-Debüt

Dem Austritt vorausgegangen war eine schwierige Saison für den Debütanten. Partner HWA hatte den Aston Martin Vantage innerhalb von nur drei Monaten und mit einem vergleichsweise geringen Budget von rund 20 Millionen Euro entwickelt. Ein Bruchteil im Vergleich zur Konkurrenz, die den schon für 2017 geplanten Zweiliter-Turbomotor wesentlich intensiver und länger entwickeln konnte.

Der enorme Rückstand auf Audi und BMW machte sich durch die Saison hinweg bemerkbar. Die R-Motorsport Fahrer Paul Di Resta, Ferdinand Habsburg, Daniel Juncadella und Jake Dennis erlebten immer wieder technische Probleme und zahlreiche Ausfälle. Achtungserfolgen wie gelegentlichen Top-10-Platzierungen stand vor allem Audi ein erheblicher Performance-Nachteil gegenüber.

Riesengroßer Rückstand auf Audi und BMW

Der Rückstand auf die etablierte deutsche Konkurrenz zeigte sich am eindrücklichsten in der Herstellerwertung. Aston Martin belegte abgeschlagen den dritten Platz mit 49 Punkten, dazu gab es einige wenige Punktabzüge in Folge von Motorenwechseln. Zum Vergleich: Audi holte den Titel mit 1.132 Zählern, BMW beendete eine schwierige Saison auf dem zweiten Platz mit 550 Punkten.

R-Motorsport hatte ursprünglich seinen DTM-Einstieg erst zur Saison 2020 vorgesehen. In Folge des Mercedes-Ausstieges zum Ende des Jahres 2018 gelang es dem Team mit Sitz im schweizerischen Niederwil dann doch, die direkte Nachfolge der Stuttgarter anzutreten. Die Entscheidung, bereits ab dem Saisonauftakt in Hockenheim mit dem gesamten Aufgebot von vier Aston Martin an den Start zu gehen, wurde erst eine Woche vor dem ersten Rennen bestätigt.


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