DTM

DTM Norisring: 7 Brennpunkte zum Rennwochenende

Safety Cars, Rene Rasts Horror-Bilanz und ein wegweisendes Wochenende für Aston Martin: Viel Gesprächsstoff vor dem DTM-Rennwochenende auf dem Norisring.
von Robert Seiwert

Brennpunkt #1 - Safety-Car-Kontroversen

Die Safety Cars waren das große Thema des ersten Saisondrittels in der DTM. In vier der ersten sechs Rennen sorgte eine Neutralisationsphase teilweise für Chaos und entschied dank gewagter Reifen-Strategien einiger Fahrer mehrfach über den Sieg. Die oft gestellte Frage, ob nicht auch eine Slow Zone gereicht hätte, hat sich inzwischen erübrigt: Die DTM bevorzugt ganz klar Safety Cars wegen der folgenden, spektakulären Indy-Restarts.

Auf dem Norisring besteht wegen der fehlenden Auslaufzonen stets eine erhöhte Safety-Car-Wahrscheinlichkeit. Seit der Rückkehr in der Saison 2015 zu zwei Rennen an einem DTM-Wochenende kam das Safety Car am Norisring in fünf der acht Rennen zum Einsatz. Im vergangenen Jahr gab es keine Neutralisationsphase.

Entscheidet diesmal wieder ein Reifen-Poker über Sieg oder Niederlage? "Das wird sicher ein Thema sein", sagt BMW-Pilot Marco Wittmann. "Entsprechend muss man die Strategie anpassen. Das Thema wurde in letzter Zeit oft angesprochen, mal ist es Fluch, mal Segen."

Wittmann selbst stand in dieser Saison auf beiden Seiten. In Misano siegte der zweifache Champion vom letzten Startplatz - dank gewagter Strategie, klugem Reifen-Management und vor allem einer Safety-Car-Phase. Zuvor in Zolder kostete den von der Pole Position gestarteten Wittmann ein Safety Car den sicher geglaubten Sieg.

Brennpunkt #2 - Wer ist hier der Boss?

Audi hat nach den ersten drei Rennwochenenden die Oberhand in der DTM. Die Ingolstädter führen die Hersteller-Meisterschaft mit 340 Punkten vor BMW (263) an. Aston Martin liegt mit 15 Zählern auf dem dritten Platz. Eine echte Hierarchie hat sich zwischen Audi und BMW allerdings noch nicht herauskristallisiert.

Die Big Points teilten bislang Rene Rast und Marco Wittmann unter sich auf. Beide Fahrer blicken auf je zwei Siege und Pole Positions aus den ersten sechs Rennen zurück. Der amtierende Vize-Meister Rast führt die Wertung nach insgesamt vier Podestplätzen allerdings mit 93 Punkten an, während Lokalmatador Wittmann mit 68 Zählern den vierten Rang belegt.

Dicke Punkte sind gut, doch in der ersten Saison mit den noch immer anfälligen Class-1-Wagen könnte die Konstanz den Unterschied ausmachen. So belegen Philipp Eng (1 Sieg, 3 Podiums) und Nico Müller (1 Sieg, 3 Podiums) die Positionen zwei und drei in der Meisterschaft.

"Bei der Rennpace sind wir auf Augenhöhe", glaubt Wittmann. "Ich glaube, dass es immer wieder schwanken wird." Das zeigte sich auch in den bisherigen Qualifyings, als BMW sich die vier ersten Poles des Jahres schnappte, bis Audi in Misano fulminant zurückschlug. "Der Kompromiss zwischen Qualifying- und Renn-Setup ist größer als früher, weil der Reifenverschleiß höher ist", erklärt Audi-Fahrer Müller. "Es ist nicht einfach, diesen Kompromiss einzuschätzen. Vieles wird von den Strecken-Charakteristiken abhängen."

Pos Fahrer Hersteller Punkte
1 Rene Rast Audi 93
2 Philipp Eng BMW 83
3 Nico Müller Audi 76
4 Marco Wittmann BMW 68
5 Mike Rockenfeller Audi 51

Brennpunkt #3 - Rasts Horror-Bilanz

Rene Rast reist als Führender in der Meisterschaft nach Nürnberg. Will der Audi-Pilot das vierte Saisonwochenende als Spitzenreiter verlassen, muss er seine Norisring-Bilanz allerdings kräftig aufbessern. Bei bislang vier Starts steht für den amtierenden Vize-Meister ein zwölfter Platz (2017, Rennen 1) als bestes Ergebnis zu Buche. Rast weitere Resultate auf dem Stadtkurs: ein Ausfall 2017 und die Plätze 16 und 14 in der vergangenen Saison, als sich Audi in der ersten Saisonhälfte schwer tat.

"Höchste Zeit, das zu ändern", sagt Rast. "Vielleicht ist ja das Design meines Autos ein gutes Omen." Rast startet am Norisring und auch 14 Tage später in Assen mit einem Audi RS 5 DTM in den Farben des FC Bayern München. Mit dem Logo des Fußball-Rekordmeisters auf dem Dach wirbt er für den Audi Cup, der am 30. und 31. Juli in der Allianz Arena in München ausgetragen wird.

Rene Rasts spezielles Design für die kommenden zwei DTM-Läufe - Foto: Audi Communications Motorsport

Brennpunkt #4 - Bremspunkte

Die Bremsen spielen auf dem Norisring wegen der harten Bremszonen eine besonders wichtige Rolle - noch mehr in diesem Jahr mit den leistungsstärkeren Class-1-Rennwagen. Auf dem Stadtkurs werden die Bremsanlagen ohnehin mit Wasser gekühlt, diesmal kommen zusätzlich stärker durchlüftete Bremsscheiben zum Einsatz.

Im vergangenen Jahr erzielte der amtierende Champion Gary Paffett im Mercedes den Topspeed mit 269 km/h. Audi spricht mit Blick auf das anstehende Wochenende von über 270 km/h Topspeed, R-Motorsport erwartet Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 265 km/h. BMW-Pilot Marco Wittmann setzte noch einen obendrauf: "Wir werden sicherlich 20 km/h schneller ankommen und entsprechend schneller an die Bremspunkte heranfahren."

Audi-Werksfahrer Nico Müller, der 2016 am Norisring sein erstes DTM-Rennen gewann: "Die Strecke ist wegen der beiden Spitzkehren am Ende der schnellen Geraden superhart für die Bremsen. Im Rennen müssen wir mit den Bremsen haushalten. Es wird ein Härtetest nicht nur für uns Fahrer, sondern auch für das Material."

Brennpunkt #5 - Green-Comeback

Jamie Green kehrt wie bereits von Motorsport-Magazin.com berichtet nach seiner Blinddarm-OP ins Audi-Cockpit zurück. Der vierfache Norisring-Sieger (letzter Sieg 2012) musste in Folge der Operation Anfang Juni das DTM-Wochenende in Misano sowie das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring auslassen, meldete sich für den vierten DTM-Lauf aber wieder fit.

"Auch wenn die Narben noch nicht ganz verheilt waren, konnte ich bereits zwei Wochen nach der OP wieder mit dem Training beginnen", sagt Green. "Bisher verläuft der Heilungsprozess planmäßig." Ärzte empfehlen allgemein: Bis zu sechs Wochen nach einer Blinddarm-Operation sollte insbesondere das Heben schwerer Lasten (mehr als 5 Kg) vermieden werden.

Brennpunkt #6 - Fingerzeig für R-Motorsport

Gelingt DTM-Neueinsteiger R-Motorsport ausgerechnet auf dem Norisring ein Performance-Fortschritt? Nach Misano nutzte das Team seine zwei verbliebenen Testtage, um weiter am Aston Martin Vantage DTM zu feilen. Die größte Schwachstelle des neuen Autos war bislang der Motor - auf dem Papier keine gute Voraussetzung für den Nürnberger Stadtkurs mit seinen langen Geraden.

Die Resultate könnten wegweisend sein, ob R-Motorsport für den weiteren Verlauf der Saison Nachbesserungen im Zuge einer Zusatzhomologation anstrebt. Nach Informationen von Motorsport-Magazin.com ist bislang kein Antrag bei der DTM-Kommission eingegangen. Teamchef Dr. Florian Kamelger sprach diesbezüglich von einer aus mehreren Optionen in Folge des Vallelunga-Tests.

Brennpunkt #7 - Ein bisschen Drama muss sein

Am Norisring geht es nicht zuletzt wegen der hochsommerlichen Temperaturen oft ein wenig hitziger zu. Selten vergeht ein Rennwochenende in Nürnberg ohne Kontroversen und kleinere oder größere Dramen. Von der Watergate-Affäre rund um Mattias Ekström über die Arschloch-Affäre durch Christian Vietoris bis hin zum Horror-Crash von Gary Paffett und Mike Rockenfeller: Die größten Dramen haben wir für euch in dieser Geschichte zusammengefasst:


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