DTM

DTM Zandvoort: Rene Rast führt Audi zum ersten Sieg 2018

Wer hätte das gedacht: Audi kann doch noch Rennen gewinnen. Rene Rast triumphiert beim Sonntagsrennen der DTM in Zandvoort.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Es ist fast schon eine kleine Sensation: Rene Rast gewinnt das Sonntagsrennen der DTM in Zandvoort! Damit beschert der amtierende Champion Audi den ersten Sieg überhaupt in der Saison 2018. Bislang waren die Ingolstädter fast ausschließlich chancenlos hinterhergefahren. Rast gelang das Kunststück vom dritten Startplatz. Es war sein erster Sieg seit September 2017.

Rast profitierte von einem missglückten Boxenstopp seines Widersachers Gary Paffett. Im ersten Renndrittel nutzte der Audi-Pilot seine Chance und übernahm die Führung, als Paffett gerade aus der Boxengasse auf die Strecke abgebogen war. Auch bei einer Safety-Car-Phase zur Rennmitte behielt Rast die Nerven und erzielte seinen insgesamt vierten Sieg in der Tourenwagenserie.

"Leck mich am Arsch", prustete Rast nach der Zieleinfahrt am Teamfunk. Kein Wunder: Verfolger Paffett hatte nur 0,8 Sekunden Rückstand. Mit seinem 24. Sieg wäre der Brite in der ewigen Statistik an Mattias Ekström vorbeigezogen und alleiniger Dritter gewesen.

Das Podium: Somit musste der Mercedes-Fahrer auf seinen zweiten Sieg in Zandvoort verzichten, baute seine Führung in der Meisterschaft aber weiter aus. Paul Di Resta erzielte Platz zwei im Samstagsrennen ein weiteres Podium und darf sich weiter gute Chancen auf den Titelgewinn in der letzten DTM-Saison von Mercedes ausrechnen.

Die Punkteränge: Philipp Eng verpasste das Podest vom zweiten Startplatz als Vierter knapp. Der DTM-Rookie war aber bestplatzierter BMW-Pilot am Sonntag. Mit Augusto Farfus schaffte es ein Markenkollege auf den fünften Platz. Pascal Wehrlein, Nico Müller und Edo Mortara komplettierten die Top-8. Timo Glock holte nach einer Aufholjagd von ganz hinten als Zehnter noch einen Punkt.

Die Meisterschaft: Gary Paffett ist inoffizieller Halbzeitmeister. Nach 10 von 20 Saisonrennen führt der Mercedes-Pilot die Gesamtwertung mit 148 Punkten an. Mit seinem Sieg am Samstag sowie Platz 2 am Sonntag baute Paffett seinen Vorsprung auf Mercedes-Markenkollege Paul Di Resta aus. Der Schotte hat nach zwei Podestplätzen in Zandvoort 121 Zähler auf dem Konto. Timo Glock ist Dritter mit 101 Punkten vor BMW-Kollege Marco Wittmann, der bislang 98 Punkte sammeln konnte. Bester Audi-Pilot ist Meister Rene Rast (49) auf dem neunten Platz.

Rast, Paffett, Di Resta: Stimmen der Top-3

Rene Rast: Das war eine extrem lange Durststrecke, die letzten Wochen waren hart. Jetzt ganz oben zu stehen, ist ein Befreiungsschlag. In den Rennen hatte ich oft eine gute Pace, aber immer wieder Pech. Diesmal haben wir wieder eine aggressive Strategie gewählt. Mit dem Safety Car wurde es noch spannend, aber es hat gepasst. Genau heute vor zwei Jahren saß ich zuhause auf dem Sofa, als ich einen Anruf bekam, ob ich für Adrien Tambay einspringen kann. So bin ich zu meinem DTM-Debüt gekommen. Jetzt stehe ich als Meister und heutiger Sieger hier."

Gary Paffett:"Rene hat das Ergebnis nach gestern verdient, da hatte er schon eine starke Rennpace und dann einfach Pech mit dem Safety-Car. Als er in der Startaufstellung hinter mir startete, wusste ich, dass er ein direkter Konkurrent ist. Er ist früh an die Box gegangen und das Risiko eingegangen, aber er hatte ein perfektes Rennwochenende. Ich bin aber auch sehr glücklich, denn wir hatten ein fast perfektes Wochenende, man hätte es sich nicht besser wünschen können. Brands Hatch wird ein großer Spaß, es ist mein Heimrennen. Die erste Hälfte der Saison war unglaublich und auch wenn wir nicht immer Glück hatten, führen wir die Meisterschaft an. Die zweite Saisonhälfte startet jetzt in Brands Hatch."

Paul Di Resta: "Das war ein ordentliches Wochenende. Ich wurde heute im Qualifying blockiert und hatte die langsamste Zeit von allen im dritten Sektor. Wir hätten also auf P2 stehen sollen, das hätte mir mein Leben einfacher gemacht. Aber wir hatten eine sehr gute Strategie. Das war gute Arbeit und wir können mit zwei Podestplätzen sehr zufrieden sein. Natürlich haben wir in der Meisterschaft etwas an Boden auf die Spitze verloren, aber wir haben heute immerhin den zweiten Platz weiter gefestigt. Wir sind erst bei der Saisonhalbzeit angekommen und am Ende zahlt sich die Konstanz aus."

So lief das Rennen in Zandvoort

Die Startaufstellung: Ganz anderes Bild als am Samstag bei der Mercedes-Übermacht: Am Sonntag teilten sich Fahrer aller drei Hersteller die ersten Plätze. Konstanz nur ganz an der Spitze mit Gary Paffett, der schon im ersten Rennen von der Pole Position gestartet und später zu seinem dritten Saisonsieg gefahren war. Dahinter starteten Philipp Eng (BMW) und Rene Rast (Audi) von den Plätzen zwei und drei.

Der Start: Gary Paffett verteidigte seine zweite Zandvoort-Pole beim Start locker vor BMW-Rookie Philipp Eng. Dahinter bog Rene Rast früh in die Box ab, sodass Pascal Wehrlein automatisch auf die dritte Position vorrückte. Dahinter fuhren Paul Di Resta (Mercedes), Bruno Spengler (BMW) und Mike Rockenfeller (Audi) auf den Plätzen vier bis sechs. Kein Drama in der Startphase, sämtliche Piloten wussten sich zu benehmen.

Der Re-Start: Beim spektakulären Indy-Restart zur Rennmitte verteidigte Rene Rast die Führung knapp vor Gary Paffett. Paul Di Resta hätte sich beinahe an Paffett vorbeigeschmuggelt, war beim Re-Start aber etwas früh dran und lupfte dann kurz. Er behielt den dritten Platz dem BMW-Duo Philipp Eng und Agusuto Farfus. Im hinteren Teil des Feldes kam es zu mehreren Kollisionen, bei denen sich Loic Duval und Marco Wittmann ihre Autos beschädigten.

Die Boxenstopps: Rene Rast steuerte von Platz schon nach der ersten Runde die Boxengasse an. Ihm folgte Audi-Markenkollege Nico Müller zum frühen Reifenwechsel. Timo Glock, der seinen BMW beim Start abgewürgt hatte, und das Audi-Duo Mike Rockenfeller/Jamie Green absolvierten in der vierten Runde ihren Boxenstopp. Paul Di Resta und Bruno Spengler folgten im nächsten Umlauf, weil sie nicht an Vordermann Philipp Eng vorbeikamen.

In den folgenden zwei Runden kamen mit Marco Wittmann, Augusto Farfus und Philipp Eng auch die restlichen drei BMW-Fahrer rein. Als Lucas Auer in Runde 9 zum Boxenstopp abbog, fuhren die Mercedes-Kollegen Gary Paffett, Pascal Wehrlein und Edo Mortara noch immer auf ihrem ersten Reifensatz.

Paffett kam in Runde 10 als Führender an die Box, doch sein Reifenwechsel dauerte viel zu lange. So konnte Rene Rast auf der Strecke die Führung übernehmen. Pascal Wehrlein führte das Rennen bis zur 19. Runde an, dann absolvierte auch er seinen Pflicht-Reifenwechsel. Der frühere DTM-Champion ordnete sich anschließend auf der neunten Position ein. Mit Loic Duval fuhr der letzte Fahrer in Runde 20 an die Box.

Die Zwischenfälle: BMW-Pilot Joel Eriksson erhielt eine Verwarnung, weil er in der Startphase Audi-Mann Jamie Green von der Strecke gedrängt hatte. Ebenfalls verwarnt wurde Pascal Wehrlein, der nach seinem Boxenstopp mit Marco Wittmann zusammenkachelte.

Jamie Green schoss in der 21. Runde seinen BMW-Rivalen Bruno Spengler in Kurve 1 von der Strecke. Da sich Spengler nicht selbstständig aus dem Kiesbett befreien konnte, rückte das Safety Car aus. Green kassierte eine Durchfahrtsstrafe für die Kollision.

Die Ausfälle: Für Robin Frijns war das Rennen nach 11 Runden beendet. Der Audi-Rookie rollte auf der Strecke aus. Bitter für den niederländischen Lokalmatador, der sich den gesamten Sonntag mit technischen Problemen herumplagte.


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