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Mattias Ekström im Interview: DTM-Rücktritt, Hater, Comeback?

Mattias Ekström hat seine DTM-Karriere nach 17 Jahren beendet. Mit Motorsport-Magazin.com spricht die DTM-Ikone über den Abschied und seine WRX-Zukunft.
von Robert Seiwert
DTM-Ikone Mattias Ekström: Das große Interview zum Rücktritt: (14:55 Min.)

Nach 17 Jahren endet eine der größten DTM-Karrieren aller Zeiten. Mattias Ekström hat am Montag seinen Abschied aus der Tourenwagenserie bekanntgegeben. Nach zwei Meisterschaften richtet der Schwede seinen Fokus 2018 auf seinen geliebten Rallycross-Sport sowie auf die Familie.

Motorsport-Magazin.com war bei Ekströms Pressekonferenz zu diesem Anlass in Salzburg zum großen Abschieds-Interview. Hier präsentieren wir euch einige Auszüge. Das Video-Interview in voller Länge findet ihr oben in diesem Artikel. Ekström, wie man ihn kennt: locker, lustig und immer einen Spruch auf Lager.

Mattias, wie schwer fällt dir der DTM-Rücktritt?
Mattias Ekström: Die Jahre gehen ja schnell vorbei und irgendwann steht da eine 17. Da denkst du, dass du ja auch die 20 vollmachen kannst. Ich will aber auch was anderes in meinem Leben ausprobieren. Ich habe viel Freude am Rallycross und meinem EKS-Team. Da werde ich noch mehr Energie reinstecken als je zuvor.

Was glaubst du, wer dich mehr vermissen wird: die Fans oder wir Medien?
Mattias Ekström: Es gibt mehr Fans als Medien, deshalb werden es wohl die sein. Aber viele Interviews haben mir schon Spaß gemacht. Ich mag es ja immer noch, die Leute zu unterhalten. Wahrscheinlich werden mich die Medien aber prozentual mehr vermissen, ich habe ja auch einige Hater unter den BMW- und Mercedes-Fans. Aber euch sage ich: Ohne euch hätte ich auch nicht so viel Gas gegeben. Das gehört doch dazu und ich muss es nicht haben, dass mich alle Fans mögen.

Was wird dir am meisten an der DTM fehlen?
Mattias Ekström: Das frage ich mich auch. Wahrscheinlich die gute Beziehung zu einigen Fans. Emotionales hängt ja oft mit Fans zusammen. Auch mein Abt-Team, aber die kann ich ja immer besuchen. Wahrscheinlich sind es auch die letzten Gefühle in der Startaufstellung. Die zwei Minuten, bevor man den Helm aufsetzt. Gutes Wetter, volle Tribünen - das ist schon ein gutes Gefühl.

Und worauf kannst du gut verzichten?
Mattias Ekström: Auf diese politischen Diskussionen über das Sportliche und Technische Reglement. Wie sieht die Lösung aus, wie machen wir die DTM wieder great again... Und dann gibt's nach drei Rennen wieder was Neues. Es ist diese Inkonstanz und die ewigen Diskussionen. Das habt ihr Journalisten auch zu Recht in Frage gestellt. Ich schaue jetzt aber lieber zurück und sage: Es war eine coole Zeit! Ich könnte auch sagen: Ich habe so viel Rinderfilet gegessen, jetzt freue ich mich auf ein Würstchen.

Das Rallycross-Auto macht dir mehr Spaß zu fahren als der DTM-Rennwagen?
Mattias Ekström: Es macht extrem viel Spaß, das WRX-Auto zu fahren. Egal ob auf Schotter oder aus Asphalt. Man muss versuchen, dieses Gefühl auf DTM-Rennen zu übertragen. Dann macht es sogar Spaß, alleine zu fahren. Hoffentlich kommt so etwas mal in der DTM. Dann wäre ich auch wieder dabei, wenn ich darf.

Wer waren deine Lieblings-Rivalen in der DTM?
Mattias Ekström: Mit Gary Paffett habe ich ja viel Spaß gehabt, der bleibt mir stark in Erinnerung. Das gilt auch für Bruno Spengler. Das waren die beiden, vor denen ich am meisten Respekt hatte. Es gibt ja auch andere, wo ich sage: Die waren vielleicht schneller als ich oder hatten bessere Ergebnisse. Aber meinen Respekt haben sie nie in der Form bekommen, weil die sich halt anders benommen haben und anders gefahren sind.

Wie geht es für dich nach dem endgültigen Rückzug vom Profisport weiter?
Mattias Ekström: An dem Tag, wo ich nicht mehr WRX fahre, würde ich anfangen, ein bisschen Rallye zu fahren. Das ist der einzige Sport, bei dem ich das Gefühl habe, dass ich auf Hobby-Niveau irre viel Spaß hätte. Ein ganz kleines Team, ein Anhänger, 4-5 Mann und als Spaß Rallye zu fahren. Das wird meine Motorsport-Rente sein.

Was interessiert dich abgesehen vom Motorsport?
Mattias Ekström: Am meisten begeistern mich eigentlich Menschen. Was sie für Entscheidungen treffen, warum sie manche Launen haben, wie man sie positiv oder auch negativ beeinflussen kann. Was bedeutet Anerkennung und was, zu etwas dazu zu gehören? Das habe ich auf Nehmer- und auch auf Geberseite erlebt. Ich hoffe, dass bis ich sterbe, mehr mit Menschen zu tun haben werde als mit Motorsport.

Hättest du dir zu Beginn deiner DTM-Karriere erwartet, dass du einmal so erfolgreich sein würdest?
Mattias Ekström: Niemals. Ich kann mich noch an meinen ersten Test 1999 bei Abt erinnern. Ich bin nach Hannover geflogen und wollte ein Mietauto nehmen. Das durfte ich aber nicht, weil ich zu jung war. Dann habe ich überlegt, wie ich zur Strecke nach Oschersleben komme. Ich habe mit allen Taxifahrern über den Preis verhandelt. Ich bin dann also von Hannover nach Oschersleben - und hatte mein Handy im Taxi vergessen! Der Taxifahrer kam aber zurück und hat es mir gegeben. Da habe ich mich gefühlt wie ein Super-Amateur aus dem schwedischen Urwald im Vergleich zu dem, was ich da erlebt habe.


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