DTM - Horror-Unfall Norisring: So heftig war es wirklich

Mit 255 in die Mauer

Die Auswertung der Unfall-Analyse vom Norisring bringt erstaunliche Zahlen zu Tage. Der Einschlag von Gary Paffett in Mike Rockenfellers Audi hatte es in sich.
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Krass! Onboard vom Horror-Unfall am Norisring: (00:13 Min.)

Der Horror-Unfall beim Rennen auf dem Norisring brachte der DTM weltweit Schlagzeilen. Es waren wahnsinnige Bilder, als Gary Paffett mit extrem hoher Geschwindigkeit erst in die Mauer und dann auch noch in Mike Rockenfeller reinrauschte. Paffetts Mercedes wurde beim Unfall arg in Mitleidenschaft gezogen, die Sicherheitszelle verhinderte Schlimmeres.

Wie heftig der Unfall tatsächlich war, belegen nun Daten, die Motorsport-Magazin.com inzwischen vorliegen. Die Zahlen lesen sich erschreckend. Kurz vor dem Einschlag in die Mauer auf dem Weg zu Kurve eins hatte Paffett eine Geschwindigkeit von rund 255 km/h drauf.

Eine leichte Kollision mit Audi-Pilot Jamie Green hatte zuvor dazu geführt, dass Paffett die Kontrolle über seinen Rennwagen verlor. Beim Mauereinschlag wirkten 6 bis 8 G auf Paffetts Körper ein - also etwa das Sechsfache seines Gewichtes.

Bei den vom DMSB zur Verfügung gestellten und von Mercedes veröffentlichten Onboard-Aufnahmen zeigte sich, wie Paffett blitzartig seine Hände vom Lenkrad wegnahm. Ansonsten wäre ein Bruch gut möglich gewesen. Der Brite kam stattdessen mit einigen Prellungen davon. Anders Mike Rockenfeller, der sich einen Bruch des Mittelfußes zugezogen hat.

Aufprall mit 35 G

Auf den TV-Bildern sah Paffetts Kollison mit Rockys Auto auf den ersten Blick gar nicht so dramatisch aus. Die Daten aus der Unfall-Analyse zeichnen ein anderes Bild. Laut Audi-Angaben wirkten beim Aufprall 35 G, Mercedes sprach von 38 bis 40 G - so oder so eine enorme Zahl. Auf den Onboard-Aufnahmen lässt sich erkennen, dass Paffett den Audi mit einer Geschwindigkeit von rund 107 km/h an der Fahrerseite traf.

Der Knackpunkt war Rockenfellers Fuß. Das Kupplungspedal schlug ihm beim Einschlag gegen den linken Fuß, als sich dieser noch auf dem Bremspedal befand. "Man muss sich vorstellen, dass das Pedal wie eine Stahlplatte ist", erklärte der Audi-Pilot. "Wenn der Fuß daneben ist und dir einer die Fahrertür knallt, dann ist das schon eine Wucht. Der Schlag von Gary hat sich viel schlimmer angefühlt als es auf den Bildern aussieht. Die Wucht war enorm. Ein unglücklicher Umstand, dass mir das Pedal gegen den Fuß geschlagen ist."

Update zu Rockenfeller

Außerdem veröffentlichte Audi am Donnerstag ein Update zu Rockenfellers aktuellem Gesundheitszustand. Der Heilungsprozess verlaufe bisher planmäßig, teilte der Hersteller aus Ingolstadt mit. Nächste Untersuchungen und weitere Röntgenaufnahmen folgen kommende Woche. Das Ziel laute unverändert, dass Rockenfeller beim nächsten DTM-Rennen in Moskau an den Start gehen kann.

Paffett-Interview: Die Ärzte waren schockiert

Gary, das war ein heftiger Unfall. Wie fühlst du dich?
Gary Paffett: Ich habe ein paar Prellungen. Hier und da ein paar Schnitte und Schmerzen. Aber alles in allem bin ich in einem Stück und das ist sehr gut nach diesem Unfall. Zunächst möchte ich mich bei all den Leuten bedanken, die das Auto entworfen haben. Wir sprechen immer darüber, wie unglaublich sicher die DTM-Autos heutzutage sind. Am Norisring hat man gesehen, wie sicher sie tatsächlich sind. Die Sanitäter an der Strecke waren sehr gut und auch die Ärzte im Krankenhaus waren fantastisch. Sie haben sehr gute Arbeit geleistet, mich untersucht und Röntgenaufnahmen angefertigt. Alles sah okay aus. Als ich ihnen sagte, wie schnell ich bei dem Unfall war, waren sie total schockiert. Sie waren überrascht, dass ich ohne Verletzungen ausgestiegen bin. Ich hatte sehr viel Glück.

Wie hast du den Unfall im Cockpit erlebt?
Gary Paffett: Es war echt erschreckend. Ich kämpfte Seite an Seite mit Jamie. Das DRS war geöffnet und am Ende der Geraden haben wir uns berührt. Sobald dir das mit geöffnetem DRS passiert, verlierst du die Kontrolle. Ganz besonders auf solchen Bodenwellen, wie es sie am Norisring gibt. Zu diesem Zeitpunkt war ich nur noch ein Passagier. Ich hatte zwei harte Einschläge in der Leitplanke und dann die Kollision mit Rocky in der Kurve - das war nur noch erschreckend. Es fühlte sich an, als ob es nie aufhören würde. Es ging endlos weiter. Das Auto schlug immer wieder hart ein. Es war richtig Angsteinflößend. Sobald es stehen blieb, raste mein Herz. Ich musste erst einmal eine Minute sitzen bleiben und meine Gedanken sortieren. Nach so einem Einschlag weißt du nicht genau, was passiert ist.

Du bist dann aus eigener Kraft aus dem Auto ausgestiegen...
Gary Paffett: Ja, die Sanitäter kamen zu mir und schätzten die Lage im Auto ein. Sie wollten mich bergen, aber ich fühlte mich okay. Ich hatte keine Rücken- oder Nackenschmerzen. Ich wollte selbst aus dem Auto aussteigen. Ich kann mir nicht ausmalen, wie erschreckend es auf meine Frau und Kinder gewirkt haben muss, das mitanzusehen. Deshalb war es für mich wichtig, aus dem Auto auszusteigen und allen zu zeigen, dass ich okay war. Du willst nie, dass so etwas passiert. Aber dies ist Motorsport und solche Dinge geschehen. Wir müssen dem Team dankbar sein, dass es so ein unglaublich starkes und sicheres Auto gebaut hat. Manchmal hast du Glück und gewinnst ein Rennen, manchmal hast du Glück und du überstehst so einen Unfall in einem Stück. Mehr Glück kannst du nicht haben. Jetzt habe ich etwas Zeit, um mich im Urlaub gemeinsam mit meiner Familie zu erholen. Danach freue ich mich darauf, in Moskau wieder ins Auto zu steigen. Dann werde ich wie immer wieder angreifen.


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