DTM

Mattias Ekström am Norisring: Ein Wilder wird kein Meister

Mattias Ekström führt die DTM-Wertung nach seinem Podestplatz am Norisring an. Der Audi-Star über die Absage für sein WRX-Heimrennen und das Titel-Geheimnis.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - "Das war doch die richtige Entscheidung", sagte Mattias Ekström am Samstagnachmittag. Gemeint war natürlich sein Verzicht auf das Rallycross-Heimrennen in Schweden zu Gunsten der DTM auf dem Norisring. Ekström schnappte sich im ersten Rennen auf dem Stadtkurs nicht nur den dritten Platz, sondern übernahm erstmals die Führung in der Gesamtwertung. Mit 77 Punkten liegt der Audi-Pilot vor Markenkollege Rene Rast (72) und Jamie Green (71) an der Spitze.

"Die Entscheidung war nicht leicht, weil er in beiden Meisterschaften in aussichtsreicher Position war", sagte Audi-Sportchef Dieter Gass am Samstag zu Motorsport-Magazin.com. "Da tut es weh, wenn man so eine Entscheidung treffen muss. Letztes Jahr war es einfach, weil die Messe für ihn in der DTM schon gelesen war. Dieses Jahr aber nicht. Die Tatsache, dass die DTM für ihn das Hauptprogramm ist, hatte einen Einfluss."

Kein Streit zwischen Ekström und Gass

Es wurde im Fahrerlager gemunkelt, dass Ekström mit dem Verzicht auf sein WRX-Heimspiel in Schweden alles andere als glücklich gewesen sei. Diesen Eindruck hinterließ der DTM-Veteran am Norisring allerdings nicht. Warum auch - er führt die Meisterschaft nach dem siebten Saisonrennen an. "Da gab's auch überhaupt kein Streitgespräch", versicherte Gass. "Er hat das im Endeffekt schon gut nachvollziehen können."

Audi und Ekström nutzten die Ausnahmeregel in der WRX, um die Entscheidung so lange wie möglich hinauszuzögern. Die DTM hat Priorität für den zweifachen Meister, der in der WRX ein eigenes Team mit Audis Werksunterstützung betreibt und zumindest noch theoretische Chancen auf die Verteidigung der Weltmeisterschaft hat. Ekström über die Gespräche mit Chef Gass: "Ich habe ihm gesagt, dass es viel leichter ist, am Norisring zu fahren, wenn es in Budapest gut läuft."

Auf dem Hungaroring punktete Ekström mit den Plätzen fünf und zwei gut genug, damit ihn Audi als hoffnungsvollen Titelanwärter in der Tourenwagenserie einstufte. Zwar haben die Ingolstädter aktuell mehrere heiße Eisen im Feuer, doch in Folge der neuen Erfolgsballast-Regelung ist zumindest nicht gesichert, dass der Erfolg anhalten wird. Auf einen Top-Piloten wie Ekström möchte man in diesem Fall nicht verzichten.

Ekström liefert ab

Und Eki lieferte ab beim Auftakt auf dem Stadtkurs. Von Startplatz sechs preschte er innerhalb kürzester Zeit bis auf den zweiten Platz nach vorne. Ein auf trockene Bedingungen abgestimmtes Auto kostete ihn den zweiten Platz, die Pace von BMW-Pilot Maxime Martin konnte er in der ersten Rennhälfte nicht mitgehen. Als die Strecke nach dem heftigen Regenschauer kurz vor Rennstart abgetrocknet war, zeigte sich einmal mehr die Stärke des Audi. Ekström attackierte Martin, doch der Belgier verteidigte Platz zwei tapfer bis ins Ziel.

"Im Nassen waren wir zu langsam, um ein Siegkandidat zu sein", räumte Ekström ein. "Platz zwei war möglich. Aber man muss auch lernen, mit einem dritten Platz zufrieden zu sein." Es waren fast schon ungewöhnliche Töne von Ekström, der das Motto 'Go hard or go home' prägt wie kaum ein anderer. Er wolle nur die Big Points, sagte er seit dem Saisonbeginn. Aber auch ein dritter Platz kann mal reichen, um die Spitze in der Meisterschaft zu erobern...

Ekström zu Motorsport-Magazin.com: "Kämpfen kann man, wenn Platz da ist. Aber bevor ich im Reifenstapel lande, komme ich lieber als Dritter ins Ziel. Man muss schlau bleiben. Meister wird nur ein Schlauer - und kein Wilder." Gut für Audi, dass sie mit Ekström das wohl größte Schlitzohr der DTM in ihren Reihen wissen.


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