DTM

Fokus muss auf alle Fahrer gerichtet sein - Titelkampf erschwert Situation für die Hersteller

Die DTM ist spannend wie nie. Was den Zuschauer freut, ist für die Hersteller gar nicht so leicht. Der Fokus muss weiterhin auf allen Fahrern liegen.
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Mit Robert Wickens gab es in Zandvoort den achten Sieger im neunten Rennen der DTM-Saison 2016, nur Edoardo Mortara war bislang zweimal erfolgreich. Der Italiener aber belegt nach exakt der Halbzeit der Saison nur Rang drei in der Meisterschaft, 20 Punkte hinter Marco Wittmann. Der BMW-Pilot wiederum gewann in Spielberg und fuhr nun das zweite Mal überhaupt erst in dieser Saison auf das Podest. Dennoch führt er die Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung auf Robert Wickens an. Eine skurrile Situation.

Wenn die anderen meinen, sie müssten sich das Leben selbst schwer machen, dann soll mir das recht sein.
Marco Wittmann

"Man hat ja gesehen, wie die Meisterschaft momentan bunt wechselt und man profitiert von Fehlern der anderen. Effektiv muss man auch einen kühlen Kopf bewahren und Punkte mitnehmen. Wenn die anderen meinen, sie müssten sich das Leben selbst schwer machen, dann soll mir das recht sein", so Wittmann am Norisring gegenüber Motorsport-Magazin.com, als er die Führung übernahm. Denn für Wittmann spricht ganz klar: Bislang holte er an jedem Wochenende Punkte, abgesehen vom allerersten Saisonrennen in Hockenheim gar in jedem Rennen.

Marco Wittmann führt die Meisterschaft mit nur zwei Podestplätzen an - Foto: DTM

Mehrere Top-Fahrer im Titelkampf vertreten

Für die Hersteller ist diese Situation jedoch nicht so einfach. Durch die engste Meisterschaft seit langem, wenn nicht sogar in der Geschichte, kann man sich nicht auf einen Fahrer konzentrieren, sondern muss auch zur Hälfte der Saison weiterhin den Fokus auf mehrere Piloten richten. "Ich glaube, wir können uns nicht leisten, uns auf einen festzulegen. Das ist momentan absolut nicht möglich", stellte Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz gegenüber Motorsport-Magazin.com klar.

Ich denke, im Moment kann man sich nicht auf einen Fahrer festlegen.
Ulrich Fritz

"Die Situation im letzten Jahr war eine völlig andere. Ich denke, im Moment kann man sich nicht auf einen Fahrer festlegen. Da müssen wir noch mindestens zwei oder drei Veranstaltungen abwarten, bis man dann wirklich überlegt, was man tut und ob man was tut", so Fritz weiter. Im vergangenen Jahr kristallisierte sich Pascal Wehrlein frühzeitig als klare Nummer 1 bei Mercedes heraus. Nach dem ersten Rennen in Zandvoort in diesem Jahr sind Robert Wickens als Zweiter und Paul Di Resta auf Rang fünf nur um 13 Punkte getrennt.

Kopfzerbrechen bereitet Fritz diese Situation aber nicht. "Grundsätzlich hätte ich lieber fünf Autos in den ersten fünf, dann gibt's das Problem nicht", scherzt er. "Das ist aber in der engen DTM nicht möglich. Das hat aber beides seine Vorteile. In der aktuellen Situation würde ich mich niemals trauen, mich auf einen Fahrer festzulegen", betont er nochmals.

Durch seinen Sieg katapultierte sich auch Robert Wickens wieder mitten in den Titelkampf - Foto: DTM

Neun Fahrer durch 43 Punkte getrennt

Da quasi in jedem Rennen ein anderer Fahrer gewinnen kann, ist es schwierig, den Kandidatenkreis für die Meisterschaft nach der Hälfte der Saison einzugrenzen. In den noch neun verbleibenden Rennen sind im Maximalfall 225 Punkte zu vergeben. Betrachtet man die Top Neun der Meisterschaft, so liegen diese momentan 41 Zähler auseinander. Audi befindet sich in der Situation, gleich vier Fahrer dabei zu haben, BMW kommt auf drei, bei Mercedes sind es die genannten Wickens und Di Resta.

Über die Ausgeglichenheit seiner Fahrer freut sich auch BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. "Ich bin froh, dass ich acht Topfahrer habe, die alle unterschiedliche Qualitäten aufweisen", lobte Marquardt im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Und er stellt klar: "Konzentrieren auf den Fahrer tut sich das Team und das Ingenieursteam. Deswegen ist mein Job, die Besten an den Start zu bringen."


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