"Wir freuen uns, denn wir sehen deutlich, dass sich unsere harte Arbeit im Winter ausgezahlt hat und wir auf jeder Rennstrecke um den Sieg mitfahren können", bilanzierte der neue DTM-Leiter Dieter Gass. Schön und gut. Das Problem ist nur, dass sich das Potential bislang kaum in Ergebnissen niederschlägt. Rang drei in der Hersteller-Wertung und 76 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter BMW sind sicherlich nicht die Ansprüche der Ingolstädter, die mit einem brennenden Auto und einer wegfliegenden Motorhaube schon mehr Action hatten, als ihnen lieb ist.

Mike Rockenfeller stand drei Mal auf dem Podest. -
Mike Rockenfeller stand drei Mal auf dem Podest. -Foto: Audi

Das Team: Audi fehlt derzeit die mannschaftliche Stärke. Mike Rockenfeller ist als Führender in der Meisterschaft so etwas wie das Feigenblatt der Ingolstädter. "Bei uns fehlt es im Moment daran, dass wir unsere Leistung einmal bei allen acht Autos abrufen. Und dass es prinzipiell möglich wäre, zeigt pro Rennen bis dato ja zumeist ein Auto immer", erklärte Gass.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Chancenverwertung, was sich vor allem in Spielberg zeigte. Drei Audi-Piloten starteten aus den Top-6, in die Punkte schafften es am Ende zwei Piloten, die außerhalb der Top-10 gestartet waren. Auch Scheider konnte seine Pole Position in Hockenheim nicht in einen Podestplatz ummünzen. Einen Anteil daran haben Fehler bei der Strategie ebenso wie Rennpech, Strafen und die Tatsache, dass aufgrund der besseren Überholmöglichkeiten mit DRS und Option-Reifen ein guter Startplatz keine Garantie für Punkte ist.

Die Fahrer: Überzeugen konnte in den ersten vier Saisonrennen einzig Mike Rockenfeller. Bis auf den Auftakt in Hockenheim, wo es noch nicht ganz rund lief, fuhr er konstant vorne mit, selbst aus schlechten Ausgangslagen. Neben dem Sieg in Brands Hatch kann er zwei weitere Podestplatzierungen vorweisen, die ihm trotz Punktgleichheit mit Bruno Spengler die Führung in der Fahrerwertung einbringen. Hinter Rockenfeller sieht es jedoch düster aus. Anders als vor der Saison erwartet, zeigt sich der Audi-Kader nicht kompakt leistungsstark.

Der zweitbeste Ingolstädter in der Gesamtwertung ist Mattias Ekström auf Rang neun. Der Schwede tat sich vor allem im Qualifying schwer. Mit rasanten Aufholjagden wie in Spielberg und in der Lausitz betrieb er immerhin Schadensbegrenzung. Neuzugang Jamie Green hat erst zehn Zähler auf dem Konto, doch Gass ist mit dem Briten mehr als zufrieden. "Er hat in den ersten drei Rennen nicht immer Glück gehabt. Am Lausitzring ist alles normal verlaufen und er hat sofort gezeigt, wozu er in der Lage ist. Ich bin mir sicher, dass wir uns mit ihm noch auf mehr freuen können."

Timo Scheider wird derweil weiterhin vom Pech verfolgt, auch wenn es nach der Pole in Hockenheim so schien, als sei das Tal durchschritten. Edoardo Mortara, der in seinen ersten beiden Saisons zahlreiche Highlights setzen konnte, klebt das Pech ebenfalls an den Füßen. Er kommt nach vier Rennen auf gerade einmal zwei Zähler. Mit Adrien Tambay, Miguel Molina und Filipe Albuquerque haben drei Audi-Piloten noch nichts Zählbares auf dem Konto. Für den Rest der Saison ist mannschaftlich gesehen also noch reichlich Luft nach oben.

Das Auto: Es sieht in der Tat danach aus, als habe Audi den A5 über den Winter verbessert. Allerdings konnte bislang nur Rockenfeller das Potential des Autos voll ausschöpfen. Das Setup spielt dabei eine wichtige Rolle, denn während 'Rocky' in Brands Hatch ein Siegerauto pilotierte, beklagte Albuquerque mangelnden Speed. Scheider erlebte in der Lausitz, dass ein kleines Teil große Wirkung haben kann. "An den ersten drei Rennwochenenden hatten wir immer das Potential für das Podest, da der Speed vorhanden war. Aber das war diesmal nicht der Fall. Daher werde ich dieses Teil sicher wieder ausbauen", erklärte er nach Platz 20. Bei den Ingolstädtern geht es also in erster Linie darum, das Maximum aus dem Paket zu quetschen und sich keine Fehler zu erlauben, um konkurrenzfähig zu sein.

Redaktionskommentar

Motorsport-Magazin.com meint: Bei Audi hatte man in den ersten vier Saisonrennen das Gefühl, dass es drunter und drüber geht. Eine mannschaftliche Stärke und Einheit, wie sie BMW und auch Mercedes mit seinem jungen Team vorweisen, haben die Ingolstädter bislang nicht gezeigt. Allerdings scheint es, als fehle nur eine Kleinigkeit, damit sich alles zum Guten wendet. Diese muss Audi nun in der Pause finden. Ansonsten hilft nur noch, sich hinter Mike Rockenfeller zu verstecken. (Annika Kläsener)