"Es war alles Tohuwabohu", sagte Ralf Schumacher und wusste auch eine Stunde nach Rennende noch nicht genau, was eigentlich dazu führte, dass sein Rennen bereits in der ersten Runde abrupt endete. "Ich kann es nicht identifizieren. Ist das euch gelungen?", fragt er die Motorsport-Magazin.com-Redakteure.
Sein Versuch einer Analyse sah so aus: "Vorne haben sie sehr früh gebremst, hinten sehr spät, ich war mittendrin. Vor mir stand einer quer, hinten ist mir einer reingefahren." Schumacher bremste, aber auch Ekström zog rein. "Da bin ich ihm reingefahren. Dann ist mir einer hinten rein gefahren und ich bin quer in den nächsten rein gerutscht."
Als er weiter fahren wollte, wurde er umgedreht. "Dann kam auch noch Katherine (Legge) von vorne." Sein Auto war danach nicht mehr fahrtüchtig. "Es war vorne platt, an der Seite platt. Ich habe noch nicht mal den Rückwärtsgang reinbekommen." Schuldzuweisungen machte Schumacher nicht.
"Das Problem war die Ketten-Reaktion. Aber eins kann man sagen: Keiner hat es absichtlich gemacht." Als Erklärungsversuch nennt er die neue Doppelkurve: "Im Starttumult waren alle wohl noch im alten Modus, wollten geradeaus fahren zur Haarnadel. Aber ich muss es mir selbst noch mal ansehen."
Coulthards Kontakt mit Legge
David Coulthard hatte eine ähnliche Sicht der undurchsichtigen Ereignisse. Nach einem durchschnittlichen Start fuhr er außen neben Maro Engel. "Alle waren innen, also dachte ich, ich bremse einfach außen und halte mich aus dem Ärger raus", so Coulthard gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Doch dann wurde Coulthard seitlich von CongFu Cheng getroffen. "Das ist das Unglaubliche an DTM-Autos. Wenn man es im Fernsehen ansieht, sehen die Unfälle so langsam aus, aber wenn man mittendrin steckt, scheint man keine Option zu haben und bang - man ist draußen."
Plötzlich war Coulthard nur noch ein gelb-schwarzer Spielball in einem Autoscooter. "Franky trifft mich und es sieht aus, als ob ich in Katherine rein fahre, aber als er mich trifft, stehe ich voll auf der Bremse - ich werde nur nicht langsamer", erklärte er die "verrückte" Situation.
Sein nicht ganz jugendfreier Vergleich: "Ich bin tief in Katherine eingedrungen, es hat das Heck ihres Autos angehoben und ging ein paar Mal hin und her. Als ich fertig war, bin ich an die Box, aber leider hatte ich keinen Schutz verwendet und konnte nicht weiter machen."
Verpasste Punktechance
Durch den Ausfall kam Coulthard wenigstens in den Genuss ungewohnter Vorzüge: "Sie schenken bei der Zieldurchfahrt Champagner aus, wenn ein Mercedes-Fahrer gewinnt. Es ist ein fantastischer Ort, um ein Rennen anzuschauen!"
Viel lieber wären Coulthard und Schumacher aber in die Punkteränge gefahren - was bei 50% Ausfallquote wohl möglich gewesen wäre. "Klar, der Speed des Autos stand außer Frage", betonte Schumacher. "Wir hätten heute Punkte holen können."
Coulthard steckte die verpasste Punktechance locker weg: "Ich hatte große Hoffnungen für dieses Rennen. Ich hatte eine gute Strategie geplant, die mich aufs Podium gespült hätte. Aber leider..."
Grund zum Feiern gab es bei Mercedes trotzdem. "Wichtig ist, dass Mercedes Meister geworden ist - wer auch immer von uns", sagte Ralf Schumacher. Einen Favoriten im Titelkampf hat er schon: "Ich gönne es meinem Teamkollegen Paul di Resta, der in den letzten drei Rennen den besten Job von uns allen gemacht hat."



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