Über Jahre hinweg hatte Opel den Manta als Sinnbild für den emotionalen Neustart der Marke im Elektrozeitalter positioniert. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt der elektrische Umbau eines klassischen Manta A, der öffentlichkeitswirksam präsentiert wurde. Das Einzelstück sollte weniger als konkreter Ausblick auf ein Serienmodell dienen, sondern vielmehr zeigen, dass sich historische Designsprache und moderne Elektrotechnik miteinander verbinden lassen.

Dieser „Elektro-Manta“ blieb bewusst ein Symbol. Technische Daten, Plattformangaben oder Zeitpläne wurden nie kommuniziert. Dennoch entstand bei vielen Beobachtern der Eindruck, Opel bereite schrittweise eine Rückkehr des Manta vor. Diese Erwartungshaltung relativiert der Hersteller nun deutlich. Opel-Chef Florian Huettl machte in einem Interview klar, dass es zwar weiterhin konkrete Designstudien und interne Vorarbeiten gebe, das Projekt aktuell jedoch keine Priorität habe. Eine Serienumsetzung liege klar jenseits des aktuellen Produktzyklus. Damit verabschiedet sich Opel von früheren Zeitfenstern, die eine Wiederbelebung des Manta bereits in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts in Aussicht gestellt hatten.

Der traditionsreiche Modellname, der seit Jahren immer wieder als emotionales Aushängeschild der Marke gehandelt wird, wird demnach frühestens nach 2030 in Serie gehen.

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Neue Prioritäten im Stellantis-Konzern

Der Grund für die Verschiebung liegt weniger im fehlenden Willen als vielmehr in veränderten Rahmenbedingungen. Innerhalb des Stellantis-Konzerns wurden die strategischen Prioritäten neu gesetzt. Opel konzentriert sich in den kommenden Jahren klar auf volumenstarke Baureihen und Segmente mit hoher Nachfrage. Entwicklungsbudgets und Kapazitäten fließen bevorzugt in Modelle, die einen direkten Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität der Marke leisten.

Ein emotional aufgeladenes Nischenmodell wie der Manta passt aktuell nicht in diese Planung. Laut Huettl gehe es zunächst darum, die Wettbewerbsfähigkeit der Kernbaureihen zu sichern, bevor zusätzliche Projekte mit begrenztem Absatzpotenzial realisiert werden. Die Entscheidung ist damit weniger eine Abkehr vom sportlichen Erbe, sondern vielmehr Ausdruck einer nüchternen Portfolio-Strategie.

Fokus auf Corsa und Mokka

Im Zentrum der aktuellen Modellpolitik stehen vor allem zwei Baureihen. Der Opel Corsa zählt seit Jahren zu den wichtigsten Säulen im Portfolio. Die aktuelle Generation ist seit 2019 auf dem Markt und wurde 2023 umfassend überarbeitet. Zusätzlich ist für dieses Jahr eine sportlich positionierte GSE-Version angekündigt, deren Elektromotor 207 kW (281 PS) leisten soll und damit ein deutliches Leistungsstatement im Kleinwagensegment setzt.

Ebenfalls von zentraler Bedeutung ist der Mokka. Das kompakte SUV kam 2021 auf den Markt, erhielt 2024 ein Facelift und ist seit Ende 2025 auch als Mokka GSE mit leistungsstärkerem Elektroantrieb erhältlich. Beide Modelle sollen nach aktueller Planung innerhalb der kommenden anderthalb Jahre jeweils eine neue Generation erhalten. Entsprechend hoch ist der Ressourceneinsatz in Design, Entwicklung und Industrialisierung.

Emotion muss warten

Vor diesem Hintergrund erscheint die Verschiebung des Manta-Projekts konsequent. Ein Sportcoupé mit ikonischem Namen mag für das Markenimage wertvoll sein, bindet jedoch erhebliche Mittel bei vergleichsweise geringen Stückzahlen. Opel setzt stattdessen auf eine schrittweise Elektrifizierung und sportliche Ableger bestehender Modelle, um Emotion und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden.

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Ob und in welcher Form der Manta nach 2030 zurückkehrt, bleibt offen. Klar ist nur, dass Opel den Namen nicht aufgegeben hat. Er bleibt Teil der internen Zukunftsplanung – allerdings ohne konkreten Zeitdruck.