Die 54. Auflage des 24h-Rennen Nürburgring (14.-17. Mai 2026) verspricht einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern des Eifel-Klassikers einzunehmen. Während die Motorsportwelt weiterhin gespannt auf die offizielle Zusage von Max Verstappen wartet, jagt eine weitere Sensation die nächste.

So zählen das Renndebüt des irren HWA-Projekts mit drei 'Legenden-Benz' in der SPX-Klasse sowie die Rückkehr des ikonischen BMW Z4 GT3 in die SP9-Topkategorie schon jetzt zu den Highlights. Weitere sollen folgen, wie wir aus unterschiedlichen Quellen hören. Vor allem der Start des alten, unter Fans aber weiterhin beliebten 'Zetti' war eine echte Überraschung im Vorfeld des 24-Stunden-Rennens.

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24h Nürburgring: BMW Z4 GT3 gegen M4, Mercedes-AMG und Co.

Ebenso überraschend: Der vom Privatteam Saugmotoren Motorsport eingesetzte BMW Z4 GT3 ist tatsächlich in der höchsten Klasse neben aktuellen GT3-Fahrzeugen wie BMW M4 GT3 oder Mercedes-AMG GT3 startberechtigt. Laut dem Reglement können auch ältere GT3-Autos, die in der Vergangenheit schon einmal homologiert waren, vom Veranstalter ADAC-Nordrhein in Absprache mit dem Technik-Ausschuss zugelassen werden.

Das ist im Falle des offiziell bis 2019 homologierten BMW Z4 GT3 bereits geschehen, wie uns der Veranstalter auf Nachfrage bestätigt hat. "Der BMW Z4 GT3 erfüllt alle Aspekte, die für den Antritt in der SP9-Klasse benötigt werden", sagt Fahrzeugbesitzer, Projektinitiator und Fahrer Julian Reeh zu Motorsport-Magazin.com. "Ich war dazu in enger Abstimmung mit dem ADAC und wir haben grünes Licht erhalten."

BMW Z4 GT3 beim 24h-Rennen Nürburgring
Der BMW Z4 GT3 beim 24h-Rennen Nürburgring 2015, Foto: imago/Thomas Frey

Julian Reeh: "Durchrollen und schauen, wo wir am Ende rauskommen"

Mit dem Z4 GT3 verfügt das Team Saugmotoren Motorsport also zumindest in der Theorie über ein performantes Auto und die Möglichkeit, gegen die große GT3-Konkurrenz um den Gesamtsieg bei den 24h Nürburgring kämpfen zu können. In der Realität sieht es allerdings ganz anders aus, wie Reeh nachvollziehbar erklärt.

"Der Technikstand des Autos liegt elf Jahre zurück", sagt der 30-Jährige. "Und darüber hinaus: Wir sind keine Profi-Werksfahrer. Wir alle können zwar Auto fahren und kennen die Nordschleife - aber ich würde mich niemals auf eine Ebene mit Werksfahrern stellen. Theoretisch könnten wir die Amateur-Wertung gewinnen, aber das mag ich gar nicht auf die Zielflagge schreiben. Wir wollen durchrollen und schauen, wo wir am Ende rauskommen."

Bei dem Z4-Start handelt es sich vielmehr um ein 'Spaßprojekt', das vornehmlich aus einem Zusammenschluss von Freunden und Familie umgesetzt wird. Rund 20 Leute sind beteiligt. Am Steuer des V8-Saugers mit seinem eindrücklichen Sound wechseln sich die ambitionierten Amateur-Fahrer Reeh, Walkenhorst-Chef Henry Walkenhorst, Schall-Racing-Teambesitzer Ralf Schall sowie Christian Scherer - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Automobil-Großhändler - am Steuer ab.

Julian Reeh auf dem NLS-Podium
Julian Reeh (links) 2024 auf dem NLS-Podium, Foto: Jan Brucke/VLN

"Mehr oder weniger egal, ob das Auto fünf Sekunden schneller oder langsamer ist"

Der Einsatz des GT3 erfolgt vollständig durch private Hände - BMW liefert hier aktuell keine Werksunterstützung. Um die Kosten bei diesem dennoch aufwendigen Projekt in Zaum zu halten, erklärt Reeh: "Mir ist mehr oder weniger egal, ob das Auto fünf Sekunden schneller oder langsamer ist. Es geht darum, sicher durchzufahren und allen eine tolle Show zu bieten. Wenn es Möglichkeiten gibt, die Laufkosten etwas zu reduzieren, dann machen wir das. So können wir zusammen mit Sponsoren einen Weg finden, der finanziell erträglich ist."

Nur die Vorbereitung auf das 24h-Rennen Nürburgring läuft über das Profi-Team von Walkenhorst Motorsport, inzwischen für Aston Martin im Werkseinsatz tätig. Das Team kennt den BMW Z4 bestens aus der Vergangenheit und hat unzählige Kilometer sowie zahlreiche Rennen auf der Nordschleife absolviert. 2015 errang Walkenhorst mit dem jetzigen Saugmotoren-Z4 in den Händen von Felipe Laser, Michela Cerruti, John Edwards und Daniel Keilwitz den sechsten Platz beim 24-Stunden-Rennen. Im Folgejahr löste der massige BMW M6 GT3 den Z4 ab - mit einer rückblickend überschaubaren Erfolgsbilanz.

Damals und heute ein Hingucker: Der BMW Z4 GT3, Foto: Patrick Funk
Damals und heute ein Hingucker: Der BMW Z4 GT3, Foto: Patrick Funk

Saugmotoren Motorsport: Steigerung mit BMW Z4 nach Klassensieg

Dass das Team Saugmotoren Motorsport um Reeh bei aller Freude am Fahren auch durchaus erfolgreich sein kann, bewies die Truppe im vergangenen Jahr beim Eifel-Klassiker. Reeh/Lachenmeyer/Trompeter/Schall holten den Sieg in der SP7-Klasse auf einem Porsche 911 GT3 Cup (997) - obwohl das Auto im Training am Donnerstag vor dem Rennen durch einen Feuerschaden schwer beschädigt worden war (hier eindrucksvoll zu sehen in einer Doku auf YouTube).

"Danach haben wir gesagt, dass es eigentlich nicht mehr besser werden kann. Selbst, wenn wir dieses Jahr noch mal mit dem Porsche die Klasse gewonnen hätten", sagt Reeh. "Deswegen habe ich gedacht: Wenn man so einen 24-Stunden-Einsatz bei uns im kleinen Familienteam noch einmal macht, dann mit einem anderen Auto. Und so kam es, dass in der Garage noch der Z4 stand und mich angelächelt hat..."

Fahrzeugbesitzer Reeh: Über Umwege zum BMW Z4 GT3

Reeh hatte den einst von Walkenhorst eingesetzten BMW Z4 GT3 über Umwege Ende 2021 erworben: "Ich habe das Auto 2021 im Rahmenprogramm der DTM beim Rennwochenende in Assen fahren sehen. Der Besitzer wollte nach der Saison auf einen BMW M6 umrüsten und so bin ich schlussendlich zu dem Auto gekommen." 2024 setzte Saugmotoren Motorsport den 'Zetti' bereits in der RCN-Breitensportserie am Nürburgring ein - dieses Jahr folgt die Krönung mit dem Start beim 24-Stunden-Rennen.

Beim 24er soll der BMW Z4 in einer ähnlichen Folierung wie einst 2015 antreten, damals in einem auffälligen Gelb als 'Dunlop Art Car' aus der Feder des bekannten Tuners Jean Pierre Kraemer. Reeh erklärt dazu: "Mein Ziel lautet, dass Fans das Design des Autos in gewissen Teilen wiedererkennen. Da wir jetzt aber andere Partner und Sponsoren haben, müssen wir die Folierung ein wenig abändern. Eins zu eins wie damals wird es nicht mehr fahren."

In Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen planen Reeh und Co. die Teilnahme an den 24h-Qualifiers im April, die ebenso zur Wertung der NLS-Meisterschaft zählen. "Aktuell ist der Z4 mehr oder weniger bis auf die Rohkarosse runtergebaut", sagt Reeh. "So ziemlich alles wird neu gemacht und revidiert. Wir müssen schauen, wann das Auto einsatzbereit ist. Wenn sich vor den Qualifiers noch etwas ergeben sollte, dann überdenken wir das."

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