Es bahnt sich schon jetzt an, eine der größten Motorsport-Geschichten des Jahres 2026 zu werden: Max Verstappen steht vor seiner Rückkehr auf die Nordschleife und dem Debüt beim 24h-Rennen Nürburgring. Ein vierfacher Formel-1-Weltmeister und neben Lewis Hamilton der berühmteste Rennfahrer unserer Zeit in der Eifel - ein wahrgewordener Traum.

Dass die NLS-Serie extra für Verstappen ihr zweites Saisonrennen um eine Woche vorverlegt, um damit überhaupt erst die Voraussetzung für seinen Start beim 24-Stunden-Rennen zu schaffen, war eine goldrichtige Entscheidung der Verantwortlichen um NLS-Geschäftsführer Mike Jäger. Es ist eine womöglich einmalige Chance, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen darf.

Bei aller weltweiten Begeisterung über Verstappens Leidenschaft für die Nordschleife waren auch die üblichen Kritiker und Besserwisser wieder einmal schnell zur Stelle - vornehmlich in diversen Facebook-Kommentaren... Nehmen wir die Vorwürfe doch im Einzelnen mal unter die Lupe.

NLS-Rennen für Verstappen verlegt! Porsche-Thriller in Daytona (14:53 Min.)

Vorwurf 1: 'Wie kann man es nur wagen, für einen einzelnen Fahrer ein Rennen zu verlegen! Der NLS geht es doch nur ums Geld!''

Meine Meinung: Es handelt sich hier nicht um irgendeinen Fahrer, sondern um Max Verstappen. Die weltweite Aufmerksamkeit, die der Niederländer der international kaum bekannten NLS schon letztes Jahr bei seinen Starts gebracht hat, ist von unschätzbarem Wert. Davon profitiert die NLS bzw. VLN langfristig, kann neue Fans erreichen, weitere prominente Fahrer anlocken und die Serie nachhaltig weiterentwickeln. Natürlich spielt Geld eine Rolle, aber die VLN ist nun mal kein Wohlfahrtsverein - Breitensportserie hin oder her.

Und - das finde ich viel entscheidender - Verstappen erhielt keine Extrawurst, als es um die Erlangung der Permit ging. Hier wären einige andere Veranstalter womöglich eingeknickt und hätten eine Sonderregelung eingeführt, um seinen Start bloß nicht zu gefährden. Die NLS wusste aber, dass eine Ausnahme die Büchse der Pandora geöffnet hätte - und das am Ende auf Kosten der Sicherheit gegangen wäre.

Max Verstappen beim NLS-Rennen am Nürburgring auf dem Podium
Max Verstappen bei seinem NLS-Debütsieg 2025, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Vorwurf 2: 'Die anderen Teams müssen nur wegen Verstappen ihre Hotels umbuchen, Urlaub neu planen, Mehrkosten aufwenden!'

Meine Meinung: Die kleinen Teams bilden die Seele der Nordschleife, das ist ein unumstößlicher Fakt. Und auch die Leidenschaft der Fans für 'ihre' Nordschleife ist einzigartig, das ist grundsätzlich wunderbar. Und ja, die Terminverschiebung sorgt für einen Mehraufwand, der vor allem die Hobby-Sportler in einem gewissen Maße belastet.

Interessanterweise wurde dieser Umstand aber vor allem von Fans und viel weniger von den Teams, die tatsächlich die Kosten tragen müssen, kritisiert. Aus Kreisen der NLS hören wir, dass die meisten Teilnehmer sich vor allem auf Verstappen freuen. Wie sagte mir ein Teamchef dazu: "Wenn das der Preis ist, um im selben Rennen wie Verstappen fahren zu können, dann zahlen wir den gerne."

Ein Hotel lässt sich ohne großes Drama umbuchen und viele Teams logieren eh seit Jahren in den gleichen Unterkünften - da findet sich für die meisten sicherlich eine Lösung auf dem kurzen Wege. Die Hotellerie und Gastronomie in der leider wirtschaftsschwachen Eifel-Region weiß schließlich auch, wie wertvoll ein Verstappen-Start ist. Fakt ist ebenso: Wir reden bei den meisten Teilnehmern - ob Amateur oder Profi - nicht unbedingt von armen Kirchenmäusen, die sich den Motorsport vom Mund absparen müssen. Wenn sich jemand beschweren dürfte, dann noch am ehesten die vielen ehrenamtlichen Helfer am Nürburgring.

Was wirklich ein nennenswerter Nachteil ist, den die permanenten Teilnehmer jetzt einkalkulieren müssen: Zwischen dem NLS-Saisonauftakt am 14. März und dem auf den 21. März vorverlegten zweiten Rennen liegen jetzt nur noch wenige Tage. Da bleibt nicht viel Zeit, um beschädigte Autos zu reparieren und zu warten. Dazu sei allerdings angemerkt, dass sich die NLS ihre Termine nicht frei aussuchen kann, denn die verfügbaren Wochenenden werden tatsächlich vom Nürburgring vorgegeben.

Max Verstappens Ferrari 296 GT3 bei seinem NLS-Debüt auf dem Nürburgring
Riesengroßes Interesse an Max Verstappens Nürburgring-Projekt, Foto: IMAGO / GruppeC Photography

Vorwurf 3: 'Alles fokussiert sich nur auf Max Verstappen, und die anderen Teilnehmer bekommen überhaupt keine Beachtung!'

Meine Meinung: Max Verstappen bietet allen weiteren Teams und Fahrern sogar die beste Gelegenheit, um überhaupt Beachtung zu erhalten. Bei aller Liebe zur Nordschleife: NLS ist nicht Formel 1. Es ist in erster Linie Breitensport, und der erhält üblicherweise nun mal kaum Aufmerksamkeit. Nur dank Verstappen wird das allgemeine Interesse an der NLS und ihren Teilnehmern um ein Vielfaches ansteigen, davon profitieren am Ende alle. Auch monetär: Ein Cockpit mit integriertem Verstappen-Bonus und Firmen-Sponsorings sollten sich locker für ein paar Euro mehr verkaufen lassen als sonst.

Max Verstappen in der Startaufstellung der NLS umringt von Fans
Superstar in der NLS-Startaufstellung: Max Verstappen am Ring, Foto: IMAGO / GruppeC Photography

Vorwurf 4: 'Wegen der Terminverschiebung verpassen jetzt einige Fahrer und Teams NLS2, weil parallel das IMSA-Rennen in Sebring und das 12H-Rennen in Mugello stattfinden!'

Meine Meinung: Wie wir hören, werden sehr wenige Teams nach Mugello reisen und deshalb das NLS-Rennen auslassen müssen. Das ist natürlich schade, aber im Gesamtbild ehrlicherweise auch kein Weltuntergang.

Und was die Werksfahrer von BMW sowie Porsche angeht, deren Priorität das 12-Stunden-Rennen in Sebring genießt: Es gibt inklusive der 24h Qualifiers ganze fünf Gelegenheiten, sich bei einem NLS-Lauf auf das große 24-Stunden-Rennen vorzubereiten. Das im Vorjahr siegreiche Rowe-BMW-Team ging 2025 sogar bei nur einem einzigen NLS-Rennen vor dem 24er an den Start. Profi-Fahrer wie Kevin Estre oder Laurens Vanthoor werden seit Jahren sowieso nicht mehr für alle NLS-Rennen eingeplant. Das kann also nicht als Argument gelten.

Fazit: In Zeiten, in denen Deutschland nicht mal mehr einen eigenen Grand Prix hat, sollten wir uns alle ganz besonders über das Interesse eines Formel-1-Weltmeisters an einer heimischen Rennstrecke freuen. Nur dank Max Verstappen - sollte es tatsächlich zum Start kommen - wird 'unser' 24-Stunden-Rennen in der Eifel eine ähnliche Aufmerksamkeit erhalten wie Le Mans! Mit 100 Renault Twingos ginge das nicht... Da sollten selbst die größten Kritiker bei mitschwingenden Problemchen mal ein Auge zudrücken.

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