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24 h Nürburgring

24 h Nürburgring: Frikadelli-Doppelsieg bei Renn-Generalprobe

Frikadelli Racing wiederholt seinen Erfolg aus der Vorwoche und feiert beim Qualifikationsrennen zum Langstreckenklassiker einen Doppelsieg.
von Daniel Geradtz & Arno Wester

Motorsport-Magazin.com - Frikadelli Racing hat beim Qualifikationsrennen zum 24-Stunden-Klassiker auf dem Nürburgring einen Doppelsieg gefeiert. Dennis Olsen überquerte im Porsche 911 GT3 R die Ziellinie nach der Renndistanz von sechs Stunden als Erster. Der Norweger absolvierte mit seinen Teamkollegen Patrick Pilet, Frederic Makowiecki und Maxime Martin 41 Runden. Das mit Mathieu Jaminet, Nick Tandy, Earl Bamber und Matt Campell besetzte Schwesterauto hatte einen Rückstand von 1:07.115 Minuten. Der von der Pole Position gestartete Phoenix-Audi (Michele Beretta, Frank Stippler, Nick Thiim und Vincent Kolb) komplettierte das Podest. Dem Auto mit der Startnummer #11 fehlten am Ende lediglich rund 1.5 Sekunden auf Platz zwei.

Für das Frikadelli Racing Team war es der zweite Doppelsieg auf der Nordschleife in Folge. Beim vorherigen Rennen der Nürburgring Langstrecken-Serie (ehemals VLN) vor acht Tagen gewann das Team von Klaus Abbelen in umgekehrter Reihenfolge. "Wir fahren heute zum zweiten Mal in Folge einen Doppelsieg auf der Nordschleife ein", sagte Maxime Martin. Für den Schlussfahrer von Frikadelli war es der zweite Erfolg beim Qualifikationsrennen nach 2014, als er im Marc-VDS-BMW gewann. "Das ist natürlich perfekt. An diesem Wochenende herrschten komplett andere äußere Bedingungen als bei den NLS-Rennen. Das war für die Vorbereitung für das 24h-Rennen sehr wichtig. Wir sind ein sauberes Rennen gefahren und haben viel gelernt."

Eigentlich überquerte das Manthey-Auto mit der traditionellen Startnummer #911 die Ziellinie nach Ablauf der Rennzeit auf dem zweiten Rang. Wegen eines Überholvorgangs unter gelber Flagge wurde der Porsche mit einer Zeitstrafe von 67 Sekunden belegt, die ihn auf den fünften Platz zurückwarf. Die starke Leistung der Porsche-Fahrzeuge war umso bemerkenswerter, da sie im Zuge einer neuen BoP für das Event zusätzliche 15 Kilogramm zuladen mussten. Für den Sportwagenbauer aus Zuffenhausen war es der erste Sieg beim seit 2014 stattfindenden Qualifikationsrennen.

GetSpeed beendete das Rennen mit der Startnummer #7 (Maximilian Götz, Daniel Juncadella und Fabian Schiller) als bestes Fahrzeug mit einem Mercedes-AMG GT3 auf Rang vier. Auf der achten Position war zunächst der M6 GT3 von ROWE Racing der beste BMW. Für das Sieger-Team des 24-Stunden-Rennens im vergangenen Jahr griffen Connor de Phillippi, Martin Tomczyk sowie die beiden DTM-Fahrer Sheldon van der Linde und Marco Wittmann ins Lenkrad. Wittmann legte aber nicht die im Reglement festgeschriebene Anzahl von mindestens fünf Runden zurück, sodass das Fahrzeug disqualifiziert wurde. Es rückte das Schwesterauto (Nick Catsburg, John Edwards, Philipp Eng, Nick Yelloly) mit der Startnummer #1 auf die achte Position vor.

Geringe Abstände im Qualifying

Vor dem Rennen, das um 12:00 Uhr gestartet wurde, fand am Vormittag das abschließende Top-30-Qualifying statt. Das aus der DTM bekannte Team Phoenix Racing sicherte sich in einer äußerst knappen Entscheidung die Pole Position. Nicki Thiim war im Audi R8 LMS mit der Startnummer #11 lediglich 0.462 Sekunden schneller als Julien Andlauer im Rutronik-Porsche. Aber auch dahinter ging es eng zur Sache: Die besten fünf Sportwagen waren innerhalb von weniger als einer Sekunde platziert. Die Top-10 wurden gerade einmal von 1.7 Sekunden getrennt - und das bei einer Streckenlänge von 25,378 Kilometer. Das Rennen wurde auf der 24-Stunden-Variante des Nürburgrings ausgetragen. Sie beinhaltet die Nordschleife sowie den Grand-Prix-Kurs mit Ausnahme der Mercedes-Arena.

Experten, die sich mit der Balance of Performance, also dem Ausbalancieren der verschiedenen Fahrzeuge, bestens auskennen, sprachen angesichts der geringen Abstände von einem sogenannten Zielzeitfahren. Das bedeutet, dass die Fahrer eine bestimmte Rundenzeit anpeilen, um die wahrhaftige Performance ihrer Fahrzeuge nicht komplett aufdecken zu müssen. Für diese These sprechen auch die Rundenzeiten, die nicht schneller waren als in den Jahren zuvor!

Führungswechsel zu Rennbeginn

In der Anfangsphase des Rennens duellierte sich der bärenstarke Phoenix-Startfahrer Nicki Thiim und Jonathan Hirschi im Octane126-Ferrari um die Spitzenposition. Der Ferrari-Pilot übernahm nach dem Start auf dem Grand-Prix-Kurs den ersten Platz, musste ihn am Ende der ersten Runde mangels Topspeed auf der Döttinger Höhe aber wieder abgeben. Am Ende der Start-/Ziel-Geraden verlor Hirschi auch den zweiten Platz an das spätere Siegerauto, das nach rund 40 Minuten das Feld erstmals anführte.

In der ersten runde übernahm Jonathan Hirschi kurzzeitig die Führung - Foto: 24h Nürburgring

Die Teilnehmer des Top-30-Qualifyings durften vor dem Rennstart nicht mehr nachtanken. Somit hatten sie einen Benzin-Nachteil während ihres ersten Stints, der sie dazu zwang, bereits nach fünf Runden einen Tankstopp einzulegen. Viele andere Teams der SP9-Klasse, darunter auch der Mercedes-AMG GT3 von CPRacing und der von Huber Motorsport eingesetzte Porsche 911 GT3-R, die im Top-Qualifying keine gezeitete Runde absolvierten, konnten acht Runden bis zu ihrem ersten Boxenstopp zurücklegen. Die zwischenzeitlich bezogenen Positionen hatten aufgrund der unterschiedlichen Strategien nur eine geringe Aussagekraft.

Konrad-Lamborghini wird früh zurückgeworfen

Nach rund 30 Minuten wurde der Lamborghini Huracan GT3 Evo von Konrad Motorsport aus dem Rennen geworfen. Startfahrer Axcil Jefferies nahm das Rennen von der fünften Position aus in Angriff und lag zwischenzeitlich schon auf Platz drei. Er beschädigte in einer Code-60-Phase einen Reifen, als er über ein Trümmerteil fuhr. Kurz darauf musste der Brite zu einem längeren Reparatur-Stopp in die Konrad-Box fahren, um einen Folgeschaden reparieren zu lassen.

"Der erste Reifenschaden hat noch mehr Schaden im Radhaus angerichtet", sagte Teamchef Franz Konrad. "Da hat sich ein Stück gelöst und nach innen verklemmt. Das hat dann den zweiten Reifenschaden ausgelöst. Davon gehen wir jetzt zumindest mal aus, müssen das aber noch analysieren. Jetzt hoffen wir, dass alles okay ist. Um eine Topposition können wir nicht mehr mitkämpfen, doch wir wollen die 'blaue Lampe' haben. Die wird über Sektorzeiten berechnet und deswegen werden wir jetzt pushen."

Der Konrad-Lamborghini fuhr in den ersten 30 Minuten in der Spitzengruppe - Foto: 24h Nürburgring

Am Sonntag fand parallel zum Qualifikationsrennen das zweite Meisterschaftswochenende der GT World Challenge Europe statt. Wegen der Terminüberschneidung hatten einige Teams nicht die Möglichkeit, auf Fahrer wie die zweifachen 24h-Sieger Christopher Haase und Christopher Mies zuzugreifen. Sie zählen zu den Top-Fahrern auf der Nordschleife. Das ist ein Grund, weshalb die Fahrzeugbesetzungen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht feststehen. Nicki Thiim könnte nach Informationen von Motorsport-Magazin.com beim Langstreckenklassiker wieder für Phoenix Racing an den Start gehen. Der Aston-Martin-Werksfahrer ist nach dem WEC-Rückzug des britischen Sportwagenbauers für bestimmte Renneinsätze freigestellt.

Das Rennen war die letzte Standortbestimmung vor dem 24-Stunden-Rennen, das in einem knappen Monat am 05./06. Juni stattfindet. Zuschauer waren an diesem Wochenende wie angekündigt nicht zugelassen. Für das Rennen Anfang Juni hofft der veranstaltende ADAC Nordrhein doch noch auf eine kurzfristige Genehmigung für eine stark eingeschränkte Anzahl von Fans und Gästen entlang der Strecke.

24h Nürburgring 2021: Die Highlights des Qualifikationsrennen: (05:03 Min.)

Top-10 des Qualifikationsrennens

Pos. Team Fahrer Fahrzeug Zeit
1 Frikadelli Pilet, Makowiecki, Martin, Olsen Porsche 911 GT3 R 41
2 Frikadelli Jaminet, Tandy, Bamber, Campell Porsche 911 GT3 R +1:07.115
3 Phoenix Beretta, Stippler, Thiim, Kolb Audi R8 LMS GT3 +1:08.614
4 GetSpeed Götz, Juncadella, Schiller, Mercedes-AMG GT3 +1:16.240
5 Manthey Cairoli, Christensen, Kern, Porsche 911 GT3 R +1:21.078
6 Falken Bachler, Ragginger, Müller, Arnold Porsche 911 GT3 R +1:48.158
7 Phoenix Rockenfeller, Winkelhock, Marschall, Audi R8 LMS GT3 +2:02.102
8 ROWE Catsburg, Edwards, Eng, Yelloly BMW M6 GT3 +2:30.338
9 GetSpeed Müller, Schiller, Vaxiviere, Mercedes-AMG GT3 +2:42.543
10 KCMG Imperatori, Burdon, Liberati, Holzer Porsche 911 GT3 R +2:48.700

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